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Jamie Jones mit sofortiger Wirkung gesperrt - Schock für die Snooker-Welt

Schock für die Snooker-Welt: Sympathieträger mit sofortiger Wirkung gesperrt

11/10/2018 um 16:14Aktualisiert 11/10/2018 um 16:15

Ein weiterer Schock für die Snookerwelt: Die World Professional Billiards and Snooker Association (WPBSA) hat heute eine Sperre gegen Jamie Jones erlassen. Die Sperre gegen den Waliser, der ja durchaus ein Sympathieträger ist, gelte mit sofortiger Wirkung. Jones kann aber noch Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen. Ob er das beabsichtigt, ist derzeit noch nicht bekannt.

Jamie Jones, so die Erklärung der WPBSA, habe in einem Fall Fragen zu beantworten. Es bestehe der Verdacht, dass er an einer Manipulation eines Matches beteiligt gewesen sei oder zumindest eine solche Manipulation erleichtert habe.

Jason Ferguson als Vorsitzender der WPBSA habe daraufhin die sofortige Sperre verfügt, die bis zum Ende der Anhörung oder dem Abschluss des Falles bestehen bleibe.

Betrug im Spiel bei John gegen Dott?

Die Vorwürfe beziehen sich auf die 1:6-Niederlage von David John gegen Graeme Dott bei der Qualifikation zur International Championship 2016. John hatte damals den ersten Frame dank eines Breaks von 79 Punkten gewonnen, holte im gesamten Rest der Partie aber nur noch 45 Punkte, darunter sechs Foulpunkte.

David John war bereits im Mai genauso wie Cao Yupeng und Yu Delu auf unbestimmte Zeit gesperrt worden. Über den Fortgang dieser Verfahren oder eventuelle Urteile hat die WPBSA noch keine weitere Informationen veröffentlicht, was dem üblichen Vorgehen entspricht.

Mehr Informationen gibt es in derartigen Fällen erst nach einem Urteil, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Unschuldsvermutung, die bis zu einer Verurteilung gilt.

Keine Vorwürfe gegen Dott

Graeme Dott werden in diesem Zusammenhang keine Vorwürfe gemacht. Das ist naheliegend: Im Falle einer möglichen Manipulation ist der Sieger eigentlich immer unverdächtig. Die WPBSA betont auch ausdrücklich in ihrer Erklärung, dass keine Matches von Jamie Jones unter Manipulationsverdacht stehen.

Dass eine sofortige Sperre ausgesprochen wurde, deutet auf einen ernsten Fall hin. Bei Verstößen gegen die Wettregeln wurden in der Regel keine sofortigen Sperren ausgesprochen, sondern erst im Falle einer Verurteilung - wie zum Beispiel bei Stuart Bingham.

An der Manipulation des Ausgangs eines Matches in irgendeiner Form beteiligt zu sein, ist aber natürlich auch ein viel schwererer Vorwurf. Welche Form der Tatbeteiligung Jamie Jones, der in der aktuellen Weltrangliste auf Platz 39 geführt wird, vorgeworfen wird, wurde in der Erklärung der WPBSA nicht weiter ausgeführt.

Jamie Jones

Jamie JonesGetty Images

Spekulationen im Netz

In den sozialen Medien wurde - nicht zuletzt auch im Umfeld von Jamie Jones - diskutiert, er könne von einer geplanten Manipulation erfahren haben, vielleicht sogar nur durch Zufall. Möglicherweise seien Pool-Spieler, die im gleichen Club wie Jones spielen, an der Manipulation beteiligt.

Das aber ist zunächst einmal reine Spekulation!

Außerdem bliebe selbst in diesem Fall der Vorwurf, dass Jones nicht umgehend die Verantwortlichen bei der WPBSA und/oder bei World Snooker über diese Informationen informiert hat. Ein derartiger Vorwurf hat damals John Higgins eine lange Sperre und eine hohe Geldstrafe eingebracht.

Ein schwerer Vorwurf

Selbst wenn am Ende "nur" der Verdacht übrig bleibt, dass Jamie Jones von einer geplanten oder erfolgten Manipulation gewusst habe und dieses Wissen nicht weitergegeben habe, rechne ich mit einer deutlichen Strafe und einer längeren Sperre. Auch das ist ein schwerer Vorwurf.

Mit "Petzen", wie ich schon gelesen habe, hat das nichts zu tun. Alle Spieler auf der Maintour sind mit dafür verantwortlich, die Integrität des Sportes zu bewahren.

Das ist in meinen Augen keine ungebührliche Verpflichtung der Spieler, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Unschuldsvermutung gilt

Wie immer wird die WPBSA auch in diesem Fall keine weiteren Informationen herausgeben, bevor der Fall abgeschlossen ist. Dies entspricht durchaus den üblichen Standards bei einem rechtsstaatlich korrekten Verfahren.

Bis zu einer eventuellen Verurteilung hat schließlich auch Jamie Jones als unschuldig zu gelten. Die Anhörung, so war zu hören, sei für den 8. November geplant. Ob es dann allerdings schon ein Urteil und auch weitere Informationen gibt ist damit nicht gesagt.

Jones wird auf alle Fälle die English Open und die International Championship verpassen.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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