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Shanghai Masters | Ronnie O’Sullivan: Nach Sturmlauf nicht mehr einzuholen

O’Sullivan: Erst der Sturmlauf, dann nicht mehr einzuholen

17/09/2018 um 16:50Aktualisiert 17/09/2018 um 21:37

Zwei Dinge sind bei Ronnie O’Sullivan gewiss: Wenn er einmal vorne liegt gibt es kein Halten mehr und in einem langen Match gelingt ihm irgendwann immer ein Sturmlauf. So war es auch im Finale des Shanghai Masters. Anfangs bot Barry Hawkins ihm Paroli, aber zu Beginn der zweiten Session kam dann der Sturmlauf und nachher ließ er sich den Vorsprung nicht mehr nehmen. Sieg perfekt.

Natürlich profitierte Ronnie O’Sullivan auch davon, dass sich bei Barry Hawkins in der zweiten Session Fehler einschlichen, die er in der ersten nicht gezeigt hatte. Darauf hat ja auch Ronnie selber im Interview nach dem Match hingewiesen.

Aber die Chancen zu bekommen ist das eine. Die muss man dann aber auch nutzen, und das ist eine andere Geschichte. O’Sullivan hat ein großes Gespür dafür, wie es in seinem Gegner aussieht. Es scheint förmlich so, als würde er Kraft daraus saugen, dass sein Gegner plötzlich Probleme hat.

Die ersten vier Frames der zweiten Session hat O’Sullivan in Shanghai gegen Hawkins gewonnen. Damit ist das Match gekippt. Wichtiger noch: Der Champion holte sich sechs der ersten sieben Frames in diesem zweiten Spielabschnitt. Das hat Hawkins das Genick gebrochen.

Kampfgeist zeichnet O'Sullivan aus

Und wieder einmal hat sich gezeigt: Liegt O’Sullivan erst einmal vorne, dann ist er kaum einzufangen. Die Kombination dieser Eigenschaften macht ihn gerade bei diesen langen Distanzen so gefährlich. Daran ändert auch nichts, wenn er im Interview mit "World Snooker" sagte, er habe "wie bei einer Exhibition" gespielt, einfach furchtlos drauflos. Wenn es denn funktioniert …

Bemerkenswert am Triumph von O’Sullivan ist auch, dass ihm fehlende Wettkampfpraxis weniger auszumachen scheint als anderen Spielern. Sicher: Absolute Top-Form hat er in Shanghai noch nicht gezeigt. Das war auch nicht zu erwarten. Aber wenn sein Spiel mal nicht so rund lief, dann war er eben auch bereit und in der Lage, sich richtig reinzuknien.

Video - "Was für ein Fehler!" O'Sullivan patzt - aber Wilson auch

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Diesen Kampfgeist hat er nicht immer in seiner Karriere gezeigt. Und schließlich: Er hat schon mal nach einem Jahr Pause den WM-Titel geholt. Warum sollte er dann nicht nach vier Monaten Pause das Shanghai Masters gewinnen? Und die Umstellung auf die SightRight-Methode war ja schon Mark Williams schnell gelungen. Ronnie ist ein Spieler, der so etwas noch schneller aufnehmen kann.

Neues Format trifft auf Kritik

Noch ein Wort zum neuen Format des Shanghai Masters: Viele Fans, aber auch viele Spieler haben ja beklagt, dass es kein Ranglisten-Turnier mehr ist und damit nur der Elite (plus chinesischen Ergänzungsspielern) offensteht. Alle anderen Profis gucken in die Röhre und haben eine Möglichkeit verloren, Geld zu verdienen.

Das trifft gerade diejenigen, die es am dringendsten brauchen. Dieser Einwand ist also durchaus berechtigt. Ich sehe zwei Gründe, warum die Umstellung für die Veranstalter in Shanghai (!) Sinn macht. Zum einen stellen sie damit sicher, dass die Top-Spieler wirklich in Shanghai antreten. Das Preisgeld ist als Karotte vor der Nase viel zu verlockend.

Zum anderen haben sie mit diesem Format ein Alleinstellungsmerkmal, dass das Shanghai Masters von den anderen (Ranglisten-)Turnieren in China abhebt.

Was man auch immer von dem neuen Format halten mag: Das Shanghai Masters hat tollen Snookersport geboten, zumindest ab der zweiten Runde. Das hat Appetit auf mehr gemacht. Das neue Format hat also funktioniert, auch wenn viele Fans und vor allem die anderen Profis, die nun nicht mitspielen konnten, das mit einer Träne im Auge zur Kenntnis nehmen werden.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

Video - "Herrliche Kombination" von O'Sullivan

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