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Davis, Hendry, O'Sullivan und Co.: Der erlesene Klub der Mehrfach-Weltmeister

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Zwölf WM-Titel vereint auf einem Bild: Ronnie O'Sullivan (l.) und Stephen Hendry

Fotocredit: Getty Images

VonRolf Kalb
30/04/2020 Am 12:36 | Update 30/04/2020 Am 12:58
@Rolf_Kalb

Ich weiß natürlich nicht, ob Judd Trump in diesem Jahr seinen WM-Titel verteidigt. Falls ja, würde er damit Mitglied in einem sehr exklusiven Klub werden. Seit der ersten Weltmeisterschaft im Jahr 1927 haben nämlich nur 13 Spieler diesen Titel mehrfach geholt. Und mit seinen sieben Titeln ist Stephen Hendry auch nicht der Rekord-Weltmeister. Diese Ehre gebührt Joe Davis mit 15 Titeln.

Joe Davis (nicht verwandt mit Steve Davis) dominierte die frühen Jahre. Er gehörte auch zu den Organisatoren der ersten Weltmeisterschaft im Jahr 1927 und hatte den Pokal gekauft, der heute noch ausgespielt wird. Die ersten Matches der WM 1927 wurden gar schon im November 1926 ausgespielt. Die Spieler einigten sich damals untereinander, wann und wo sie gegeneinander spielen wollten.

Alle zehn Teilnehmer kamen eigentlich vom English Billiards, das damals viel bedeutender war als Snooker. Und so wurden die Snooker-Matches oftmals im Rahmen eines Events im English Billiards ausgetragen: Nach einer Session im English Billards wurde noch ein Frame Snooker als Zugabe gespielt und nach mehreren Tagen stand der Sieger fest.

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Davis baute sich einen speziellen Snookerqueue

Dass Joe Davis die frühen Jahre dominierte, kam nicht von ungefähr. Er hatte sich wie kein anderer auf die Besonderheiten beim Snooker eingestellt. Er war auch der erste, der erkannte, dass ein Snookerqueue anders aufgebaut sein sollte als ein Queue beim Billiards. So gewann er alle Weltmeisterschaften bis es nach der WM 1940 zu einer kriegsbedingten Unterbrechung kam. Nach dem Krieg wurde aber schon 1946 die nächste WM gespielt. Joe Davis triumphierte erneut; es war sein 15. Titel.

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Anschließend erklärte Joe Davis seinen Rücktritt von der Weltmeisterschaft, bei der er kein Match verloren hatte. Andere Turniere spielte er aber weiterhin und auch viele Exhibitions. Darunter litt in den folgenden Jahren die WM, denn jeder wusste natürlich, dass der beste Spieler nicht dabei war.

Davis' Nachfolger als Weltmeister wurde 1947 Walter Donaldson, der 1950 seinen zweiten Titel gewann. Donaldson und Fred Davis, der jüngere Bruder von Joe, dominierten die Jahre nach dem Krieg, und meist hatte Fred das bessere Ende für sich. Hatte er 1947 noch das Finale gegen Donaldson verloren, so gewann Fred in den nächsten neun Jahren acht Mal den Titel, darunter ununterbrochen von 1951 bis 1956.

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Nur vier Teilnehmer bei der WM 1957

Ein Tiefpunkt war das Jahr 1957. Nur vier Spieler nahmen an der WM auf Jersey teil. Fred Davis konnte sich die Reise nicht leisten und war so nicht dabei. Den Titel holte sich John Pulman.

In den Folgejahren gab es keine Weltmeisterschaften mehr. Wiederbelebt wurde die WM erst im Jahr 1964, da allerdings als eine Serie von Challenge-Matches. Es gelang aber keinem der Herausforderer, Pulman vom Thron zu stoßen. So wurde er bis einschließlich 1968 insgesamt acht Mal Weltmeister.

John Spencer wurde der erste Weltmeister im Crucible Theatre

Erst 1969 kehrte man zum K.o.-Modus zurück. Weltmeister wurde John Spencer, dem im Jahr darauf Ray Reardon, der spätere Coach von Ronnie O’Sullivan, folgte. Diese beiden dominierten die nächsten Jahre und holten auch im Crucible Theatre noch Titel.

Spencer war 1977 der erste Weltmeister, der im Crucible gekrönt wurde; es war sein insgesamt dritter WM-Titel. Reardon holte ein Jahr später seinen insgesamt sechsten WM-Titel. 1982 triumphierte Alex Higgins zum zweiten Mal; der charismatische Nordire hatte 1972 seinen ersten WM-Titel gewonnen.

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Steve Davis dominierte die 1980er Jahre, Steven Hendry die 1990er

Da hatte aber längst schon eine neue Ära begonnen, die von Steve Davis. Er dominierte die 80er-Jahre und holte bis 1989 einschließlich sechs WM-Titel. Von ihm sagte man, dass er damals öfter im TV zu sehen war als die damalige Premierministerin Margaret Thatcher.

Beendet wurde die Ära Davis durch die Ära Hendry in den 90er-Jahren. 1990 holte Stephen Hendry mit nur 21 Jahren seinen ersten Titel; damit ist er bis heute der jüngste Weltmeister aller Zeiten. Von 1992 bis zum Finale 1997 blieb er im Crucible Theatre ungeschlagen. 1999 gewann er seinen siebten und letzten WM-Titel; damit ist er momentan noch der Rekord-Champion der Crucible-Ära.

O'Sullivan gelingt 2013 trotz einem Jahr Pause die Titelverteidigung

1998 hatte schon die Generation von 1992 das Kommando übernommen. John Higgins holte den ersten von bisher vier WM-Titeln. Er ist neben Joe Davis der einzige, der in drei verschiedenen Jahrzehnten Weltmeister wurde. Mark Williams wurde im Jahr 2000 erstmals Weltmeister. Sensationell und vollkommen unerwartet triumphierte er dann 2018 zum dritten Mal.

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Noch erfolgreicher war in dieser Phase allerdings Ronnie O’Sullivan, der den berühmten Pokal fünf Mal überreicht bekam. Seinen bisher letzten WM-Titel holte er 2013 unter ganz besonderen Umständen: Er hatte praktisch ein ganzes Jahr pausiert und verteidigte trotzdem den WM-Titel.

In den folgenden vier Jahren wurde dann Mark Selby drei Mal Weltmeister. Er ist damit das jüngste Mitglied in diesem exklusiven Club der Mehrfach-Weltmeister.

Herzliche Grüße und bleibt gesund

Ihr / Euer Rolf Kalb

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