Um es noch einmal zu betonen: Das ist Klagen auf höchstem Niveau. Jeder Spieler wäre stolz, am Ende seiner Karriere auf eine Bilanz zurückschauen zu können, wie Trump das jetzt schon kann. 22 Ranglisten-Turniere hat er gewonnen, dazu das Masters 2019 und noch eine Reihe weiterer Titel. In den letzten drei Jahren hat er 16 bedeutende Titel gewonnen. Das soll ihm erst einmal jemand nachmachen. Nur seine Triple-Crown-Bilanz ist halt noch dünn.
Vielleicht platzt aber da jetzt der Knoten. Schließlich ist er auch jahrelang dem Titel beim Champion of Champions vergeblich hinterhergelaufen. Das hat er jetzt abgehakt, und das auch auf durchaus beeindruckende Art und Weise. Zwar hatte er bei seinem Auftaktmatch in Bolton gegen David Lilley den ersten Frame verloren, doch dann stürmte er mit 16 gewonnenen Frames in Folge ins Finale, schlug dabei Ryan Day und Kyren Wilson jeweils zu null.
Im Finale erwischte John Higgins zwar den besseren Start, doch als der Schotte nach dem 3:0 die Tür ein kleines bisschen offen ließ, war Trump nicht mehr zu stoppen. Er gewann zehn der nächsten elf Frames! Vielleicht war Trumps Scoring noch nicht auf dem absoluten Top-Niveau, schließlich schaffte er beim Champion of Champions "nur" ein Century. Aber in den restlichen 15 Frames, die er gewann, spielte er immerhin 15 weitere Breaks von mehr als 50 Punkten. Eine solche Konstanz ist mehr wert als so manches Century.
Champion of Champions
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Robertson, Selby, O'Sullivan - Die Konkurrenz ist groß

Aber die Konkurrenz für Trump bei der UK Championship hat es in sich. Neil Robertson wird alles daran setzen, seinen Titel zu verteidigen. Der Australier ist erst spät in die Saison gestartet, aber das kann ihm sogar zum Vorteil gereichen, wenn er jetzt in diesen wichtigen Wochen seine Top-Form erreicht. Bei seinem Triumph bei den English Open bewies er ja schon viel Biss und große Klasse.
Mark Selby ist eher verhalten in die Saison gestartet, aber auch er scheint langsam seine Form zu finden. Ob das rechtzeitig ist, bleibt abzuwarten. Einen Ronnie O’Sullivan darf man natürlich nie abschreiben. Und John Higgins mag bisher in dieser Saison ohne Titel geblieben sein, aber er ist zweifelsohne einer der herausragenden Spieler dieser Saison, wenn nicht gar der beste Akteur.
Shaun Murphy und Kyren Wilson scheinen mir so ein bisschen in der Lauerstellung zu sein. Im Auge habe ich auf jeden Fall auch Yan Bingtao. Der junge Chinese wird darauf brennen, seinen Erfolg beim Masters im letzten Januar in York zu bestätigen.
Seit die UK Championship im Jahr 1984 zu einem Weltranglisten-Turnier wurde, hat bis auf Doug Mountjoy (1988) eigentlich immer jemand aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen den Titel geholt. Alles andere würde mich auch in diesem Jahr überraschen. Spannend bleibt es trotzdem, denn der Kreis der üblichen Verdächtigen ist mittlerweile ja ganz schön groß.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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