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Snooker

Das Duell von 2019 oder das Drama von 1985: Welches war das beste WM-Finale?

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Judd Trump

Fotocredit: Getty Images

VonRolf Kalb
03/04/2020 Am 08:45 | Update 03/04/2020 Am 12:30
@Rolf_Kalb

Nach dem WM-Finale 2019 zwischen Judd Trump und John Higgins schwärmten viele, das sei das beste WM-Finale aller Zeiten gewesen. Andere wiederum beharren darauf, dass das legendäre Finale von 1985, in dem Dennis Taylor gegen Steve Davis den Titel holte, unübertroffen sei. Wer hat nun recht? Einfach gesagt: Das hängt von der Sichtweise ab und davon, worauf man größeren Wert legt.

Geht es alleine um die spielerische Qualität, hat Judd Trump im Finale von 2019 Snooker auf eine neue Ebene gebracht. Natürlich darf man dabei auch nicht vergessen, dass das Material heute viel besser ist als vor 35 Jahren. Das gilt insbesondere für die heute viel glatteren Tücher und auch die Bälle. Aber das alleine erklärt die Leistungsdifferenz nicht. John Higgins sagte es ja nach seiner Niederlage gegen Trump: "Da gab es keinen Ball, den er nicht spielen konnte."

Auch ein Blick auf die Breaks zeigt die spielerischen Unterschiede auf: Dennis Taylor spielte damals 13 Breaks von mehr als 50 Punkten. Das galt damals als herausragend. Sein Top-Break war eine 98. Judd Trump schaffte im Vorjahr 15 Breaks von mehr als 50 Punkten, darunter sieben Centuries. Aber nicht nur das Breakbuilding war 2019 besser. Auch das Safe-Spiel hatte eine ganz andere Qualität. Wer sich die Bilder von 1985 anschaut, wird sich wundern, wie unpräzise viele Safeties waren. Aber das reichte damals halt, das war ausreichend sicher. Ganz anders im Vorjahr: Da spielte Trump reihenweise Safeties, bei denen Higgins gar nicht mehr verhindern konnte, dass daraus eine Chance für den späteren Champion wurde.

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Dramatisches WM-Finale 1985 lockte 18,5 Millionen Briten vor den TV

Spielerisch also war das Finale von 2019 dem von 1985 um Welten voraus. In Sachen Drama und Spannung ist das Finale von 1985 aber nicht zu überbieten. Weit nach Mitternacht lochte Dennis Taylor den letzten schwarzen Ball und krönte sich damit zum Weltmeister. Der letzte Frame alleine hatte weit über eine Stunde gedauert. Noch heute wissen viele Briten, wo und wie sie dieses Finale miterlebt haben. Das hat sich im Vereinigten Königreich ins kollektive Bewusstsein eingebrannt. 18,5 Millionen TV-Zuschauer sind ein Rekord bei "BBC2", der wohl ewig halten wird.

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Dabei sah es zunächst gar nicht nach Drama aus. Steve Davis hatte alle sieben Frames der ersten Session gewonnen und baute am Abend seine Führung gar auf 8:0 aus. Auch im neunten Durchgang lag er schon vorne, ehe er eine dünne Grüne verschoss. Dieser Fehler erst half Dennis Taylor, ins Match zu finden. Prompt gewann er sieben der acht noch zu spielenden Frames des Abends und hatte so am Ende des ersten Tages auf 7:9 verkürzt. Beim Stand von 11:11 hatte Taylor erstmals wieder den Ausgleich geschafft.

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Dennis Taylor kommt ein zweites Mal zurück

Steve Davis hat später immer wieder darauf verwiesen, dass er sich den verschossenen schwarzen Ball am Ende nicht zum Vorwurf mache; so etwas könne in einer solchen Situation passieren. Was aber die Niederlage für ihn so schmerzlich gemacht habe, sei die Tatsache, dass er einen 8:0-Vorsprung verspielt habe; das hätte ihm niemals passieren dürfen. Trotzdem sah alles wieder nach "Business as usual" aus, als Davis mit 17:15 in Führung gegangen war. Doch Dennis Taylor ließ sich nicht abschütteln und glich erneut aus. Ein Decider musste die Entscheidung bringen.

Im Decider führte Steve Davis mit 62:44 bei nur noch 22 Punkten auf dem Tisch. Einen Ball hätte er also nur noch lochen müssen. Doch Dennis Taylor holte sich Braun, Blau und Pink. Schwarz lag sicher, und so entwickelte sich ein weiteres Safe-Duell um den alles entscheidenden schwarzen Ball. Die erste Chance bekam Davis. "Spiel den nicht zu dick" sagte sich Davis immer wieder, als er an den Tisch kam. Und was passierte? Er spielte ihn zu dünn! Dennis Taylor lochte Schwarz und reckte sein Queue in die Höhe. Mehr Drama geht nicht!

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Beide Finals waren auf ihre Weise besonders

Fazit also: Beide Finals werden in der Erinnerung bleiben. Das von 2019 wegen der spielerischen Klasse, das von 1985 wegen des unbeschreiblichen Dramas. Zur Faszination Snooker gehört eben so vieles. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste WM und ein hoffentlich wieder großes Finale.

Wann es so weit ist, weiß ich natürlich auch noch nicht, aber die World Snooker Tour wird alles daran setzen, das noch in diesem Jahr zu ermöglichen. Bis dahin aber gilt weiterhin: Passt bitte gut auf Euch und alle anderen auf und bleibt vor allem gesund!

Herzliche Grüße und alles Gute

Ihr / Euer Rolf Kalb

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