Gut, gefreut hat sich Serena Williams nicht über ihre Niederlage. Das ist nachvollziehbar. Schließlich ist die 34-Jährige schon zum zweiten Mal in Folge an ihrem 22. Grand-Slam-Sieg gescheitert. Und man muss sagen, auch an ihren Nerven. So aber fängt es langsam an, wieder interessant zu werden. Denn so beeindruckend die Dauererfolge der Amerikanerin auch waren, so einseitig und eintönig waren ihre Siege oftmals auch.
Keiner konnte ihr bisher auf der großen Bühne das Wasser reichen - die Zeiten neigen offenbar dem Ende zu! Und sie scheint es selbst auch zu merken, denn von Montag an ist Kerber die Nummer zwei der Welt. "Das ist ja ganz schön nah an der eins dran", bemerkte Williams ganz richtig, "da sollte ich jetzt wohl besser vorsichtig sein."
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Kerber ist also jetzt Serena-Jägerin Nummer eins! Und der Kielerin könnte tatsächlich gelingen, was Agnieszka Radwanska, Simona Halep und nicht zuletzt Maria Scharapowa nicht geschafft haben - Serena Williams ernsthaft und auf Dauer Paroli zu bieten.
Ich bin rausgegangen, um zu gewinnen
Das sagte eine selbstbewusste Angelique Kerber nach dem größten Triumph ihrer Karriere.
Diese Einstellung hat Scharapowa sicherlich auch, aber nicht die Mittel, um Williams weh zu tun. Radwanska hat zwar den Spielwitz, aber am Ende nicht den Aufschlag und nicht die physische Stärke, um gegen die Amerikanerin beständig zu bestehen. Halep hatte ein gutes Jahr, traf dann aber einige unkluge Entscheidungen wie die Trennung von Wim Fissette. Zudem ist die Rumänin nur noch verletzt.

Kerbers Aufschlag: von der Schwäche zur Stärke

Kerber könnte also die enorme Lücke, die so lange zwischen Williams und dem Rest klaffte, schrumpfen lassen. Sie hatte den Mut, die Aggressivität, den Kampfgeist und den Glauben an sich. Sie ist keinen Schritt zurückgewichen, immer voll drauf gegangen.

Angelique Kerber gewinnt die Australian Open 2016

Fotocredit: Eurosport

Seit Kerber in der Wintervorbereitung ihre ohnehin schon extrem gute Fitness weiter verbesserte und besonders im Oberkörperbereich zulegte, hat sie nun auch Kraft und damit Geschwindigkeit in ihrem Aufschlag gewonnen. An diesen Schwächen hat sie hart gearbeitet - nun sind Besserungen sichtbar.
Kerbers Aufschlagquote war sogar besser als die von Serena. Vor einem Jahr hätte das noch niemand geglaubt, aber Kerber ist der Beweis, dass man durch Schufterei und die richtige Einstellung sein Spiel auf ein anderes Level hieven kann.

Bereit für die neue Rolle

Als Lohn ist sie nun die zweitbeste Tennisspielerin der Welt.
"Ich bin jetzt auch bereit für diese Rolle", sagte Kerber.
Ich fühle, dass ich da hingehöre und es mir verdient habe.
Punkt. Genauso ist es. Und bei ihr muss man auch keine Sorge haben, dass ihr Grand-Slam-Erfolg ein One-Hit-Wonder bleibt wie Sabine Lisickis Finaleinzug in Wimbledon vor drei Jahren. Lisicki ist zu sehr auf Rasen abonniert und tut sich schwer, Stabilität in ihre Leistung auf anderen Belägen zu bekommen. Kerber hatte im letzten Jahr vier Titel gewonnen - und das als erste Spielerin seit 2007 auf allen vier unterschiedlichen Belägen.
Kerber ist also Allrounderin und "und ich lerne schnell. Vor allem aus meinen Fehlern. Die mache ich nur einmal". Und wenn ihr der Sieg gegen Asarenka schon einen derartigen Schub fürs Selbstvertrauen gegeben hat, dann können wir uns wohl nach ihrem Grand-Slam-Sieg erst recht auf die Angie-Reloaded-Version freuen.

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