"Du hast keine Chance."
Es sind nur drei Worte, aber genau die muss Alexander Zverev dem Gegner ins Gehirn pflanzen - vor allem wenn der Novak Djokovic heißt.
So jedenfalls sieht das Mischa Zverev, der schon wenige Minuten nach der 7:6 (8:6), 2:6, 4:6, 6:7 (6:8)-Niederlage seines Bruders im Exklusiv-Interview mit Eurosport erklärte: "Wenn Sascha mit einem Break vorne ist, dann will ich, dass er noch fünf oder zehn Prozent draufpackt."
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"Dominanter, aggressiver und selbstbewusster" will der 33-Jährige seinen jüngeren Bruder sehen. Der Gegner müsse spüren, dass er keine Chance habe.

Djokovic beherrscht das Spiel mit der Psyche

Es reicht eben nicht immer aus, über weite Strecken "nur" der bessere Spieler zu sein, wie Zverev nach seiner Niederlage auf der Pressekonferenz bekannte. "In vielen Momenten habe ich vielleicht sogar besser gespielt, aber er ist ein Gewinner und hat das wieder gezeigt", gab der 23-Jährige zu.

Highlights | Zverev bringt Djokovic ins Wanken - aber nicht mehr

Eine Sichtweise, die sich mit den Aussagen von Djokovic deckt. "Bis zum letzten Punkt hätte jeder von uns das Match gewinnen können", urteilte der Branchenprimus, der nun auf den Sensations-Halbfinalisten Aslan Karatsev trifft.
Zverev ordnete die Niederlage indes als "so ärgerlich" ein. Er hatte aber auch das Pech, nicht nur dem besten Tennisspieler der vergangenen Jahre gegenübergestanden zu haben, sondern einem begnadeten "Mind Gamer".

Zverev: Top-Ten-Fluch hält an

Djokovic versteht das Spiel mit der Psyche, der Körpersprache, dem Zur-Schau-Stellen vermeintlicher Schwächephasen wie kein Zweiter. In diesem Bereich muss Zverev hingegen noch dazulernen, will er einen Ausnahmeprofi wie Djokovic bei einem Grand-Slam-Turnier im Best-of-Five-Modus schlagen.
Es kommt nicht von ungefähr, dass der Hamburger noch immer auf den ersten Erfolg gegen einen Top-Ten-Spieler bei einem der vier Major-Events wartet. Nah dran war er mehrfach. Bei den Australian Open 2020 holte Zverev im Halbfinale gegen Dominic Thiem ebenfalls den ersten Satz, vergab im dritten zwei Satzbälle und verlor die Partie am Ende.
Bei den US Open im vergangenen September hatte er Thiem im Finale bei einer 2:0-Satzführung erneut am Rande des K.o. - in die Siegerliste trugen die Veranstalter trotzdem den Namen des Österreichers ein.

Matchball Becker: Darum ist Zverevs Traum im Viertelfinale geplatzt

Gegen Djokovic in Melbourne sah es zunächst ebenfalls vielversprechend aus, schon den ersten Satz hätte der Weltranglistensiebte deutlicher gewinnen müssen und nicht erst im Tiebreak. "Dann geht das Match vielleicht ganz anders aus", sagt Eurosport-Experte Boris Becker.
So kam es, wie es nicht hätte kommen müssen.

In den Infight - was Zverev sich bei Djokovic abschauen kann

Nach einem fast verschenkten zweiten Satz gab Zverev im dritten und vierten Durchgang Führungen und in der Folge die ganze Partie aus der Hand. "Sascha hat laut an die Tür geklopft, aber Novak hat sie zugehalten", findet Becker ein passendes Bild für das Geschehen in der Rod Laver Arena.
Wie Djokovic das gemacht hat, obwohl er nicht ganz fit und nicht auf höchstem Niveau agierte? "Novak hat eine Straßenkämpfermentalität, er will in den Infight, ins Körperliche, ins Mentale", beschreibt Becker die besonderen Qualitäten seines ehemaligen Schützlings, die auch Zverev gut zu Gesicht stehen würden.

Unfassbarer Konter: Djokovic mit bestem Schlag des Spiels

Von 2013 bis 2016 coachte der sechsfache Grand-Slam-Turniersieger den Serben sehr erfolgreich. Es wäre also gar keine schlechte Idee, wenn die Herren Becker und Zverev noch einmal darüber nachdenken würden, zusammenzuarbeiten.
Vielleicht gelingt es Alexander Zverev dann endlich, der Konkurrenz in den großen Matches glaubhaft zu vermitteln, dass sie keine Chance hat ...

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