Die Tasche mit den Schlägern hastig gepackt, das zweite paar Schuhe geschnappt und dann ab in die Katakomben.
Während sich Grigor Dimitrov in einer Mischung aus Freude und Ungläubigkeit auf das Siegerinterview in der menschenleeren Rod Laver Arena vorbereitete, hatte Dominic Thiem längst das Weite gesucht. Einfach weg. Diesem "rabenschwarzen Tag", wie ihn der Österreicher später betiteln sollte, irgendwie entfliehen.
4:6, 4:6 und 0:6 prangte in großen Ziffern auf der Anzeigetafel. Im Achtelfinale. Aus Thiems Sicht wohlgemerkt. Für den Weltranglistendritten, der als amtierender US-Open-Champion und einer der Topfavoriten ins Turnier gestartet war, eine herbe Enttäuschung.
Australian Open
Thiem reagiert auf heftige Achtelfinalpleite: "Bin keine Maschine"
14/02/2021 AM 08:30
Seit dem French-Open-Finale 2018 gegen Rafael Nadal hatte er kein Grand-Slam-Match mehr glatt in drei Sätzen verloren. Im dritten Durchgang gegen Dimitrov gelangen ihm gerade einmal sieben Punkte.

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Thiem lässt keine Ausreden zählen

"Es war ein richtig schlechter Tag, an dem nichts zusammengelaufen ist. Das reicht gegen so einen Gegner in der vierten Runde eines Grand Slams nicht", erklärte sich der niedergeschlagene Thiem im exklusiven Interview mit Eurosport.
Ja, er sei angeschlagen gewesen. "Kleinere körperliche Probleme", so der 27-Jährige. Das war offensichtlich. Selbst der siegreiche Dimitrov, der eine gute Beziehung zu Thiem pflegt, konnte sich seinen Erfolg in dieser Deutlichkeit anders nicht erklären. Zählen lassen wollte Thiem das allerdings nicht.
"Ich glaube nicht, dass das der Hauptgrund war und ich will jetzt auch keine Ausreden finden. Es war einfach ein richtig schlechter Tag", konstatierte der Österreicher, der 2020 neben seinem ersten Grand Slam in New York auch das Finale von Melbourne und das Viertelfinale der French Open erreicht hatte.
Thiem, da waren sich die Experten einig, hatte die Lücke zu den "Big Three" im Tennis geschlossen.

Thiems ehrliche Worte nach Aus: "Richtig schlechter Tag"

Thiem: "Ich bin keine Maschine"

"Die letzten großen Turniere habe ich eigentlich auf einem richtig hohen Level gespielt", meinte der Österreicher auf der offiziellen Pressekonferenz mit hängendem Kopf: "Irgendwie war es eine sehr komische Australien-Reise. Auch mit der Normalität, als dann das Stadion geräumt wurde, der Lockdown. Es sind schon viele Dinge passiert."
Auch das sollte keine Ausrede sein. Vielmehr ein kleines Eingeständnis. "Ich bin keine Maschine, auch wenn ich es gerne wäre", fügte er passend an.

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Brutal ehrlich, sympathisch menschlich - aber eben auch eine Erinnerung daran, wie hoch die Leistungen von Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer einzuschätzen sind. Ein, zwei, drei gute Jahre sind das eine. Fast zwei Dekaden konstant an der Spitze zu stehen, ist eine andere Welt.
Thiem wirkte am Sonntag einfach ausgelaugt. "Ich war (bei den Australian Open, Anm. d. Red.) eigentlich immer weit weg von meinem besten Tennis. In den ersten beiden Partien habe ich mich gut rausgefightet, die dritte (gegen Nick Kyrgios; Anm. d. Red.) war eh nur ein mentaler Kraftakt", so der Österreicher: "Heute ist einfach gar nichts mehr zusammengelaufen. So ist das, wenn man nicht voll da ist. Weder tennismäßig, noch sonst irgendwie. Dann hat man bei einem Grand Slam keine Chance mehr."

Grigor Dimitrov (l.) mit Dominic Thiem (r.)

Fotocredit: Getty Images

Thiem: Das ist jetzt der Plan

Thiem wird diese Erfahrung nutzen, so viel ist sicher. Das hat er bereits in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt. Er wird noch härter an sich arbeiten. Körperlich und mental.
Trotzdem wird es ihn wurmen, dass statt ihm jetzt Dimitrov im Viertelfinale gegen den Qualifikanten Aslan Karatsev antritt. Der Weg ins Halbfinale mit zwei freien Tage zur Erholung dazwischen, er wäre ein vermeintlich einfacher gewesen.
Wie es jetzt im Detail weitergeht, das wisse er noch nicht. "Erstmal nach Hause fliegen und das ganze analysieren", so Thiem: "Geplant sind Doha, Dubai, Miami."
Viel Zeit zum Trübsal blasen bleibt also ohnehin nicht.

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