Alexander Zverev faltete flehend die Hände, schimpfte lautstark auf Russisch und pfefferte sogar den Schläger zu Boden - doch wenig später war er schon wieder zum Scherzen aufgelegt.
"Wahrscheinlich werde ich mich abends betrinken", antwortete der Tennis-Olympiasieger nach seinem glanzlosen Einzug ins Achtelfinale der Australian Open beim Siegerinterview auf die Frage nach seinen Freizeitplänen: "Das soll hier in Australien ja sehr beliebt sein". Die Fans in der John Cain Arena johlten.
Zuvor hatte Zverev das Publikum beim "Arbeitssieg" gegen den Qualifikanten Radu Albot nicht mit seinem besten Tennis verwöhnt, doch das war ihm letztlich auch egal - der nächste Schritt bei der Titeljagd in Melbourne ist getan.
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"Ich hatte ein bisschen zu kämpfen auf dem Court, ich habe mich nicht perfekt gefühlt", sagte der Hamburger nach dem 6:3, 6:4, 6:4 über den Moldauer: "Aber wer ist schon perfekt? Ich habe gewonnen, und darüber bin ich glücklich."

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Zverev: "Ich bin immer noch voller Energie"

Weil Zverev aber einen Hang zur Perfektion hat, legte er direkt nach dem Match eine - fast schon typische - Trainingseinheit ein. "Das mache ich, um meinen Rhythmus zu bekommen", erzählte er: "Ich bin durch die erste Woche gekommen, ohne einen Satz zu verlieren. Das ist positiv. Ich bin immer noch voller Energie, aber die nächsten Gegner werden härter."
Trotz phasenweiser Unkonzentriertheiten geriet der Weltranglistendritte gegen Albot aber nie in ernsthafte Gefahr und zog zum neunten Mal in Folge ins Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers ein - ein Beweis seiner Konstanz.
"Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss", sagte Boris Becker bei Eurosport: "Er hat heute nicht Weltklasse gespielt. Das war aber auch gar nicht nötig."

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Zverevs neue Stärke spricht sich rum

In den wichtigen Momenten am Freitag war Zverev dann jedoch da. Von einem 15:40 oder gar 0:40 bei eigenem Aufschlag im zweiten Satz ließ sich der gebürtige Hamburger nicht aus der Ruhe bringen, behielt die Nerven und brachte seine Aufschlagspiele jeweils doch noch durch. Eine neue Stärke des Olympiasiegers.
"Das wissen auch die Gegner, dass Sascha bei 0:40 noch lange nicht sein Aufschlagspiel verloren hat. Das spricht sich rum und zeigt auch den Glauben an sich selbst", so Becker.
Auch Zverev war froh, nicht zu viel Kraft verschwendet zu haben. "Früher war es für mich ja immer so ein bisschen das Problem, dass ich unnötig längere Matches gespielt habe", sagte der 24-Jährige im exklusiven Interview mit Eurosport: "Diesmal habe ich meine Chance genutzt."

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Shapovalov wartet im Achtelfinale

Im Achtelfinale dürfte Deutschlands bester Tennisprofi allerdings ganz anders gefordert werden: Dort wartet der an Position 14 gesetzte Jungstar Denis Shapovalov als erster echter Test. In den bislang sechs Duellen mit dem 22-jährigen Kanadier ging Zverev aber viermal als Sieger vom Platz.
"Hoffentlich werden es noch vier gute Matches für mich", sagte Zverev - so viele Schritte sind bis zum ersehnten ersten Grand-Slam-Titel noch zu gehen.
Nach der erzwungenen Abreise des Weltranglistenersten Novak Djokovic gehört der 24-Jährige neben US-Open-Sieger Daniil Medwedew und dem 20-maligen Grand-Slam-Champion Rafael Nadal zu den heißesten Titelanwärtern. Auf den spanischen Superstar könnte er schon im Viertelfinale treffen.

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Becker über Zverev: "Es war ein Arbeitssieg"

Nach zwei Nachtschichten in den ersten Runden musste der letzte verbliebene Deutsche in den Einzel-Konkurrenzen erstmals nachmittags ran, aber auch bei früherem Arbeitsbeginn war er direkt hellwach.
"Man sollte nicht zu viel reininterpretieren", sagte Becker, der als bislang letzter Deutscher 1996 in Melbourne triumphiert hatte: "Es war ein Arbeitssieg, es ist okay."
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(mit SID)

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