Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, da litt Danielle Collins in Melbourne Höllenqualen. So stark waren die Schmerzen im Unterleib, dass die US-Amerikanerin während eines WTA-Turniers auf dem Court zusammensackte, sich auf dem Boden krümmte und dann unter Tränen weiterspielte.
"Schließlich", erzählte Collins, "kam ich an den Punkt, an dem ich es weder körperlich noch geistig aushalten konnte."
Dieser Tage ist die 28 Jahre alte Tennisspielerin wieder in Melbourne - und hat den größten Erfolg ihrer Karriere dicht vor Augen. Zum zweiten Mal steht sie in einem Grand-Slam-Halbfinale, 2019 war ihr dies ebenfalls bei den Australian Open gelungen. Nach langem Rätselraten, vielen Arztbesuchen und einer Operation im vergangenen April gehören die außergewöhnlich starken Regelschmerzen der Vergangenheit an. Und Collins spielt besser denn je.
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"Es ist ein unglaubliches Gefühl, vor allem nach einigen gesundheitlichen Herausforderungen", sagte die überglückliche Nummer 30 der Welt nach dem 7:5, 6:1 im Viertelfinale gegen die französische Überraschung Alize Cornet. Dabei ist "gesundheitliche Herausforderungen" noch untertrieben.

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Collins: "Die schlimmsten Schmerzen, die ich je hatte"

"Viele Ratschläge im Laufe der Jahre lauteten, dass schmerzhafte Perioden und die regelmäßige Einnahme von Entzündungshemmern normal seien", erzählte Collins am Mittwoch. Deshalb habe sie angenommen, dass sie damit "einfach fertig werden müsste." Doch selbst entzündungshemmende Medikamente schafften keine Linderung, an Tennis war während der Periode nicht zu denken. Collins sprach von "den schlimmsten Schmerzen, die ich je hatte".
Schließlich wurde bei einer Freundin mit ähnlichen Symptomen Endometriose diagnostiziert - eine schmerzhafte Erkrankung bei Frauen, bei der ein der Gebärmutterschleimhaut ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst. Collins entschloss sich zu einer Operation, im vergangenen April wurden ihr "eine Zyste in der Größe eines Tennisballs" aus den Eierstöcken sowie weiteres Gewebe an Blase und Darm entfernt.
Nach fast zweimonatiger Pause kehrte Collins befreit von der physischen und auch psychischen Belastung auf den Court zurück und spricht offen über die Erkrankung, um anderen Frauen Mut zu machen. "Es hat mir viel mehr Selbstvertrauen auf dem Platz gegeben", sagte sie - und das spiegelte sich in Ergebnissen wider. Im Juli und August gewann Collins in Palermo und San Jose ihre ersten beiden WTA-Titel, und nun der Lauf bei den Australian Open.

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Collins im Halbfinale gegen Swiatek

Im Halbfinale am Donnerstag gegen die bisher nicht restlos überzeugende Polin Iga Swiatek, French-Open-Siegerin von 2020, sind die Chancen auf das erste Grand-Slam-Endspiel groß. Zuvor (ab 9:30 Uhr MEZ live auf Eurosport) trifft die Weltranglistenerste Ashleigh Barty aus Australien auf Collins' Landsfrau Madison Keys.
"Ich fühle mich definitiv freier", sagte Collins, die mit ihrer erfrischenden Art auch abseits des Courts begeistert und weiterhin Medikamente gegen Endometriose nehmen muss: "Jetzt bin ich in der Lage, mein bestes Leben zu leben und mich wie ein normaler Mensch zu fühlen." Und vielleicht ja ab Samstag sogar wie eine Grand-Slam-Siegerin.
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(SID)

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