Es ist schon sechs Jahre her, da saß Alexander Zverev beim ATP-Turnier in München in einer Presserunde. Der damals 18-Jährige stand an Position 119 der Weltrangliste und galt als kommender Mann im deutschen Tennis.
Zverev erzählte, dass er noch nicht das volle Profi-Pensum absolvieren dürfe im Training, er sei noch im Wachstum. Auch spielerisch war der Hamburger noch ein Lehrling und schied in Runde zwei des Sandplatzwettbewerbs in Runde zwei aus. Gegen Philipp Kohlschreiber, damals die unumstrittene Nummer eins in Deutschland.
Legt man das heutige Bild von Zverev über das von 2015, lassen sich interessante Erkenntnisse gewinnen. Dem Youngster ist es gelungen, mit den Vorschusslorbeeren umzugehen, das Potenzial auszuschöpfen, das ihm Experten schon als Teenager attestiert hatten.
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War er in seinen ersten Jahren auf Tour ein mitunter schwieriger Gesprächspartner für die Medien, hat er sich inzwischen einen souveränen Umgang angewöhnt. Meinungsstark ist er dennoch geblieben.

Muskelmann Zverev: Sechs Kilogramm zugelegt

Und auch optisch ist Zverev ein anderer geworden, was nicht zu übersehen ist, seitdem er eine Vorliebe für Muskelshirts auf dem Platz entwickelt hat.
"Vor Corona wog ich 84 Kilogramm, jetzt 90", verriet der French-Open-Halbfinalist gegenüber der "Bild". Nicht ohne zu betonen, dass es sich bei diesen sechs Kilogramm mehr selbstverständlich um Muskeln handle, "vor allem an den Beinen und am Rücken". Aber auch die Oberarme sind sichtlich kräftiger geworden.

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Ob ihm das als Tennisspieler hilft? "Ich darf nicht den riesigen Oberkörper haben, der würde beim Tennis nur stören", erläutert Zverev. "Für mich geht es darum: so viel Gewicht wie möglich zu heben, aber so leicht wie möglich zu sein."
Es scheint so, als ob der Weltranglistensechste die richtige Balance gefunden hat. "Sascha hat die größte Power von allen Profis", lobte Eurosport-Experte Boris Becker den "neuen" Zverev. Wenn der 1,98-m-Schlaks den Ball sauber treffe, sei "kein Kraut dagegen gewachsen".

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Das spielerische Gesamtpaket passt, Zverev ist mindestens auf Augenhöhe mit seinem Halbfinal-Kontrahenten Stefanos Tsitsipas (Freitag ab 15:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de).
"Ich sehe das Match als 50:50-Angelegenheit an", sagt Becker. Der Fakt, dass Zverev bei Grand-Slam-Turnieren eine furchterregende 0:9-Bilanz gegen Top-Ten-Spieler hat und auch im direkten Vergleich mit dem Griechen 2:5 zurückliegt, spiele für das Match keine Rolle.

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Zverev tritt in Paris mit dem Habitus des Weltklassespielers auf. Obwohl der Einzug in die Runde der letzten Vier eine persönlichen Roland-Garros-Rekord bedeutete, war von Euphorie wenig zu spüren. Die Mission ist nicht ein gutes Ergebnis, sondern der erste Grand-Slam-Titel der Karriere. Nadal hin oder her, Zverev will auf den Thron. Jetzt.

Zverev trocken "Gibt keinen Grund zum Lachen"

"Ich habe keinen Grund zu lachen und Emotionen zu zeigen. Ich bin im Halbfinale, mehr nicht", stellte Zverev im Eurosport-Interview trocken fest.

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Und auch beim On-Court-Interview nach dem Viertelfinale mit der ehemaligen Wimbledon-Siegerin Marion Bartoli ließ der 24-Jährige scherzhaft durchblicken, noch zwei weitere Sieger-Interviews mit ihr führen zu wollen.
Die Einstellung beim US-Open-Finalisten stimmt und die Wahrscheinlichkeit ist gar nicht so klein, dass Zverev nach dem Finale am Sonntag endgültig auch als kommender Mann im Welttennis gilt.
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