Die Idee klingt auf den ersten Blick charmant: Kann der Sieger einer Partie nicht zum nächsten Match antreten, rückt der Verlierer nach. Ein Walkover, wie er nach Roger Federers Rückzug Matteo Berrettini im Achtelfinale zuteilwurde, gäbe es nicht.
Es würde die Chancengleichheit für das Viertelfinale zwischen dem Italiener und Novak Djokovic, der im Achtelfinale rund dreieinhalb Stunden auf dem Platz stand, erhöhen.
"Wir haben schon vor Jahren darüber gesprochen, Lucky Loser nachrücken zu lassen", erklärte der ehemalige Top-5-Spieler Brad Gilbert in einer Twitter-Diskussion. "Es ist aber nie etwas passiert."
French Open
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Gilbert kann dem Vorschlag offenbar einiges abgewinnen und auch die 18-fache Grand-Slam-Turniersiegerin Chris Evert spricht von einer "interessanten Idee".

Grand-Slam-Champion trotz Niederlage?

Käme es so, müsste der Tennissport aber auch mit der Möglichkeit leben, einen Grand-Slam-Champion zu küren, der den Titel trotz einer Niederlage abräumt. Was dem Grundgedanken eines Wettbewerbs im K.o.-Format fundamental widerspricht.
Eine Lucky-Loser-Regelung, also ein Auffüllen der leeren Startplätze mitten im Wettbewerb, gibt es im Tennis daher auch nicht.

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Einzige Ausnahme: Direkt vor Turnierstart können Qualifikanten bei einer Absage ins Hauptfeld nachrücken, als sogenannte Lucky Loser.
So profitierte bei diesen French Open Peter Gojowczyk von der kurzfristigen, verletzungsbedingten Absage des Australiers John Millman. Seit einigen Jahren gibt es aber auch hier eine spezielle Regel auf der ATP Tour. Die ersten beiden Qualifikationsplätze werden mittlerweile ausgelost.
Es kam nämlich durchaus vor, dass Spieler bereits von Absagen im Hauptfeld wussten und daher in den entscheidenden Qualifikationsspielen nicht mehr mit größtem Einsatz antraten. Bei den Grand Slams wird sogar aus den vier besten Verlierern der letzten Qualifikationsrunde der Starter fürs Hauptfeld per Los ermittelt.

Becker verteidigt Federer gegen Kritik

Derweil wurde Federer mit dem Vorwurf konfrontiert, durch seinen Rückzug in unfairer Weise in den sportlichen Wettbewerb in Roland-Garros eingegriffen zu haben. Zumal der 20-malige Grand-Slam-Sieger bereits unmittelbar nach seinem knappen Viersatzerfolg gegen Dominik Koepfer angedeutet hatte, dass er über einen Ausstieg nachdenke.
Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Für mich ist das nicht nachvollziehbar", stellte Eurosport-Experte Boris Becker klar. Die Sichtweise, Koepfer sei durch Federers Entscheidung benachteiligt worden, lässt der sechsfache Grand-Slam-Turniersieger nicht gelten. "Er hätte ihn schlagen müssen, dann wäre er auch weiter gewesen", so Becker.

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Barbara Rittner, Head of Women's Tennis beim Deutschen Tennisbund (DTB), denkt bei der Thematik allerdings auch an den Turnierveranstalter. "Für den ist die Absage natürlich bitter", so die 48-Jährige. Zum einen mussten die Organisatoren den Zuschauern am Achtelfinal-Montag ein Match weniger präsentieren, zum anderen war Federer einer der Publikumsmagnete in Roland-Garros.
Fakt ist: Eine absolut faire Regelung wird in so einem Fall nicht zu finden sein. Und hätte es sich nicht um Federer gehandelt, wäre die Aufregung möglicherweise gar nicht erst entstanden.
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