Daniil Medvedev hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er von Tennisturnieren auf Sand hält: nichts.
"Selbst wenn ich Roland-Garros gewinne - wahrscheinlich wenn Rafa Nadal in Rente geht - wird Sand nie mein Lieblingsbelag sein", hat der Weltranglistenzweite in der vergangenen Saison gewohnt direkt erklärt. Er wolle nicht auf Sand spielen, "ich mag nichts an diesem Untergrund".
Ein gutes Jahr später sieht die Sache anders aus. Medvedev präsentierte sich nach dem 6:2, 6:2, 6:2-Erfolg zum French-Open-Auftakt gegen Facundo Bagnis in bester Laune. Ja, es wirkte fast so, als ob er sich richtig freue, auf Sand aufzuschlagen.
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"Seit dem vergangenen Jahr liebe ich Roland-Garros. Zuvor war es ja oft so, dass das Turnier am Sonntag schon vorbei war für mich", erzählte der 26-Jährige auf dem Court in fließendem Französisch. Immer wieder winkte Medvedev ins Publikum, das ihn mit reichlich Applaus beschenkte.

Medvedev: "Schlimmster Untergrund der Welt"

Die Beziehung zwischen dem eigenwilligen Moskauer und dem Pariser Grand-Slam-Event ist ohne Zweifel in eine neue Phase eingetreten. Man versteht sich plötzlich, nähert sich an. Das war beileibe nicht immer so. Bei seinen ersten vier Teilnahmen an den French Open setzte es vier Erstrundenniederlagen für Medvedev. War einfach nicht sein Business, dieses kraftraubende Spiel im roten Staub.

Medvedev zaubert - grandioser Punkt gegen Bagnis

"Mich auf Sand zu schlagen, ist keine Riesenschlagzeile", versicherte er noch vor gut einem Jahr, als er beim ATP Masters in Madrid mal wieder auf dem ungeliebten Geläuf antrat. Beim folgenden Masters in Rom teilte er unverblümt mit, Sand sei "der schlimmste Untergrund der Welt, aber wenn man gerne im Dreck spielt wie ein Hund, dann urteile ich nicht".
Kurz darauf tat sich allerdings höchst Erstaunliches: Der Anti-Sand-Mann Medvedev stieß in Roland-Garros ins Viertelfinale vor. Eine ganz neue Erfahrung für den Moskauer, der trotz aller Meriten bis heute keinen ATP-Wettbewerb auf dem roten Belag gewonnen hat.
Und es war eine gute Erfahrung.

Schmutzig, aber plötzlich attraktiv - Medvedev denkt um

Denn nun hat Medvedev, so scheint es, zum ersten Mal richtig Lust, einen Titel auf Sand zu holen. Wenn auch unter neutraler Flagge, wie seit Beginn des Krieges in der Ukraine alle Profis aus Russland und Belarus.
Den Leistenbruch, der Medvedev ab Ende März zu einer knapp zweimonatigen Pause zwang, hat er überwunden. "Ich bin physisch zu 100 Prozent fit", betonte der Tennisstar nach der ersten Partie gegen Bagnis. Gleich mehrfach ließ er die Zuschauer wissen, dass er gedenke, in diesem Jahr weiter zu kommen als 2021.
Die Viertelfinalteilnahme in der vergangenen Saison sei "enorm" gewesen und habe einiges verändert. Das Selbstvertrauen sei gestiegen, es habe sich "gut angefühlt", so tief in die zweite Woche des Sandplatzklassikers vorzustoßen.

Medvedev geht Nadal und Djokovic aus dem Weg

Die Chancen stehen sehr gut. In Runde zwei ist Medvedev haushoher Favorit gegen den Serben Laslo Djere, dazu ist er als Nummer zwei der Setzliste in der unteren Hälfte des Tableaus. Bedeutet: Titelverteidiger Novak Djokovic, Rekordchampion Rafael Nadal und Olympiasieger Alexander Zverev geht er bis mindestens zum Halbfinale aus dem Weg.
Der Boden scheint bereitet und da darf es dann ruhig auch mal dreckig zugehen. Schließlich hatte der Russe, noch so ein typischer Medvedev-Spruch zum Thema Sand, einst bemängelt, dass man "nach den Spielen sehr schmutzig" sei.
Damit kann Medvedev inzwischen aber gut leben.
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