Im Jahr 2016, als die olympischen Spiele in Rio de Janeiro stattfanden, schaffte Sascha Zverev in Nizza gerade erstmals den Sprung in ein ATP-Finale und zählte auch in der Weltrangliste zum ersten Mal zu den besten 30 seiner Zunft.
Seit Rio hat sich einiges geändert, denn Zverevs Status in der Welt des Herren-Tennis hat sich enorm verändert. Auch wenn ihm der ganz große Wurf des Grand-Slam-Sieges bislang verwehrt blieb, hat der 24-Jährige bereits 15 ATP-Titel auf dem Konto. Darunter die prestigeträchtigen ATP-Finals von 2018.
Zverev hat mittlerweile ein gewisses Selbstverständnis entwickelt, mit dem er an die großen Turniere herangeht. Er zählt sich selbst zu den Titel-Anwärtern und gibt offen und ehrlich zu, dass er die Turniere für sich entscheiden will.
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27/07/2021 AM 04:41
Bei den Olympischen Spielen in Tokio hat Zverev Großes vor und peilt Gold an. Im Einzel und im Doppel. "Mir geht es jetzt darum, dass ich Gold für Deutschland hole", so der Hamburger gegenüber der "Bild".

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"Man merkt richtig, das ist was besonderes für alle. Er muss, er braucht, er holt eine Medaille", betonte Eurosport-Experte Mischa Zverev.

Effektiver Auftakt ins Turnier für Zverev

Bislang läuft es für die deutsche Tennis-Hoffnung in der Hitze der japanischen Metropole wie am Schnürchen, auch wenn es noch nicht gegen einen Top-Spieler ging.
Zunächst besiegte er den Taiwaner Yen-Hsun Lu problemlos in knapp einer Stunde mit 6:1, 6:3. Dem Kolumbianer Daniel Galan überließ er in der zweiten Runde ebenfalls nur vier Spiele (6:2, 6:2) und benötige dafür etwa zehn Minuten mehr als in Runde eins. "Er hat gut gespielt heute, wenig Kraft verbraucht, ist ready für das nächste Match", analysierte Mischa Zverev.
Mit den ATP-Rankings 575 und 113 waren Lu und Galan nicht die furchteinflößendsten Gegner für den Weltranglistenfünften, aber auch gegen ungesetzte Spieler zeigte Zverev in den ersten Runden schon oftmals Wackler in der Vergangenheit.
Deshalb bestärkten die souveränen Siege das Selbstvertrauen des Rechtshänders. Die bislang kurze Spielzeit - gerade bei den enormen Klimabedingungen in Japan - kommt dem Fitnesszustand Zverevs zu Gute.

Zum Break: Zverev schießt Monfils mit Rückhandfackel ab

In Runde drei fordert ihn mit Nikoloz Basilashvili aus Georgien erneut ein ungesetzter Spieler, gegen den Zverev auf Hartplatz noch nie verloren hat. Insgesamt besiegte Zverev ihn auf Hartplatz zwei Mal und verlor beim Heimspiel am Hamburger Rothenbaum 2019 auf Sand in drei Sätzen. "Sie haben in der Vergangenheit schon öfters gegeneinander gespielt, das waren aber immer schwere Matches. Sascha konnte sie häufig für sich entscheiden. Es wird nicht einfach werden", analysierte Bruder Mischa.
Nach den Absagen vieler Topspieler wie Rafael Nadal, Dominic Thiem oder Roger Federer sowie dem frühen Ausscheiden der gesetzten Spieler Hubert Hurkacz (Polen), Aslan Karatsev (Russland) und dem Italiener Lorenzo Sonego scheint Zverev der Weg ins Halbfinale geebnet zu sein.

Halbfinale gegen den Besten der Welt

Im Viertelfinale könnte Zverev auf Jeremy Chardy oder den Briten Liam Broady treffen. Gegen den 34-jährigen Franzosen verlor die Nummer vier der Setzliste seit 2015 nicht mehr. Mit Broady gab es zwar bislang noch kein Aufeinandertreffen, aber der 27-Jährige war in seinen ersten Matches bereits über drei Sätze gefordert und stand schon über fünf Stunden auf dem Court.
Sollte es nicht zu einer Überraschung kommen, würde der Weltranglistenerste Novak Djokovic im Halbfinale auf den 24-Jährigen warten. Der Branchenprimus, der sich über die Zeit der Ansetzungen bei Olympia beschwerte, scheint zur Zeit unbesiegbar.
Der Serbe hat in diesem Jahr alle bisherigen Major-Turniere für sich entschieden und visiert mit dem Golden Slam den ganze großen Coup an. Zverev bewies 2017 beim Masters-Turnier in Rom und bei den ATP-Finals 2018, dass er im Stande dazu ist, Djokovic zu schlagen.
Jedoch sind Zverevs Siege gegen Djokovic schon ein wenig her. Fünf Mal verlor er gegen Djokovic seit dem Sieg 2018 mit einer eindeutigen Bilanz von 2:12 Sätzen. Wieso sollte es also ausgerechnet bei den Olympischen Spielen in Tokio klappen?
Djokovic steht aufgrund seines Zieles, den Golden Slam zu schaffen, unter enormem Druck. Der Wettbewerb in Tokio passt nicht so richtig in seinen Zeitplan, da er im August schon wieder den nächsten wichtigen Titel bei den US Open holen will, und er ist genervt von der Hitze in Japan. Vor dem Turnier lobte er Zverev: "Es gibt noch mehrere Top-Spieler, die um die Medaillen kämpfen werden: Daniil Medvedev, Stefanos Tsitsipas und Alexander Zverev zählen zu den Favoriten."

Highlights: Zverev mit nächstem Express-Sieg gegen Galan

Auch bei Zverevs ATP-Finals-Triumph 2018 ging der Serbe als haushoher Favorit in das Endspiel, schließlich trat er als Wimbledon- und frischgebackener US-Open-Sieger an. Jetzt hat Djokovic drei Major-Titel im Gepäck und die Last auf seinen Schultern ist um eine erhebliche Menge höher, schließlich will er Geschichte schreiben.
Zverev könnte also zu seinem gefährlichen Stolperstein werden. "Ich sehe mich als einen, der gegen ihn immer Chancen hat", sagte der Hamburger vor Olympia.

Mögliches Finale: Zverev hat noch Rechnungen offen

Sollte der Deutsche die Nummer eins der Setzliste ausschalten, wäre im Finale alles möglich. Dort würde es gegen die vor ihm gesetzten Daniil Medvedev (2/Russland) oder Stefanos Tsitsipas (3/Griechenland) gehen. Gegen Medvedev kassierte er zuletzt drei Pleiten in Folge, hat insgesamt aber die Nase im Direktvergleich mit 5:4 vorne.
Gegen den 22-jährigen Griechen musste Zverev zuletzt eine bittere Fünf-Satz-Niederlage im Halbfinale bei den French Open hinnehmen, besiegte ihn zuvor jedoch im Finale von Acapulco in zwei Sätzen. Der Trend gegen Medvedev und die negative Bilanz von 2:6 gegen Tsitsipas schauen zwar nicht besonders rosig aus, aber sowohl mit Griechen als auch mit dem Russen hat der Hamburger noch eine Rechnung offen. So oder so, es heißt ja nicht umsonst: Wer ein Turnier gewinnen will, muss alle schlagen.

Attacke mit Doppelpartner Struff

Anders als im Einzel zählen Zverev und Partner Struff im Doppel nicht unbedingt zum Kreis der Favoriten, da die beiden Tennis-Asse auf der Tour hauptsächlich im Einzel unterwegs sind. Dennoch träumen sie von der erste deutschen Doppelmedaille seit 2004. Im Viertelfinale trifft das Duo auf Austin Krajicek und Tennys Sandgren aus den USA.
Zuvor schalteten sie die favorisierten Polen um den 39-jährigen Doppelspezialisten Lukasz Kubot (27 Doppeltitel) 6:2, 7:6 (7:5). aus. An seiner Seite war niemand geringeres als die aktuelle Nummer zwölf der Welt Hubert Hurkacz.

Zverev/Struff im Doppel-Viertelfinale: Mischa glaubt fest an Medaille

Auch im Achtelfinale am Dienstag bezwangen sie die französische Paarung aus Gael Monfils und Jeremy Chardy, der in seiner Karriere schon fünf Doppeltitel ergatterte, mit 6:4, 7:5. "Am Ende ist Sascha sehr gut dazwischengegangen, hat gut weggepflückt da vorne, das war sehr wichtig. Wir haben es als Team gewonnen", lobte Struff seinen Partner nach der Partie.
"Es war ein schönes Match, sie hatten positive Energie, haben super gespielt, auch von der Taktik her", befand Mischa Zverev nach der Partie.
Die Viertelfinal-Gegner Krajicek und Sandgren gewannen zwar ihr Achtelfinale im entscheidenden Matchtiebreak gegen die Slowakei um Experten Filip Polasek, der bereits 15 Mal auf der ATP-Tour im Doppel erfolgreich war. Dennoch sind die Amerikaner trotz dreier Turnier-Erfolge von Krajicek im Doppel eher ein unbeschriebenes Blatt. "Wir wollen uns natürlich die Chance geben, ich im Einzel und natürlich auch im Doppel, um die größten Medaillen mit zu spielen", sagte Zverev.

Zverev und Struff im Nachteil gegen eingespielte Paarungen

Sollte den deutschen Vertretern der Sprung in die Runde der letzten vier gelingen, würde es hochwahrscheinlich gegen die topgesetzte Paarung aus Kroatien gehen, wenn die nicht überraschenderweise gegen die Gastgeber Kei Nishikori und Ben McLachlan (beide Japan) stolpern.
Nikola Mektic und Mate Pavic waren in diesem Jahr die absoluten Dominatoren der Doppel-Szene. Zusammen haben sie alleine in diesen Jahr acht Titel auf der ATP Tour errungen. Sie gewannen drei Masters-Events und setzten sich vor kurzem die Wimbledon-Krone auf. Ähnlich wie im Einzel ginge es für Zverev also auch im Doppel-Halbfinale darum, den haushohen Favoriten zu stürzen.
In einem möglichen Endspiel könnten sowohl die Briten warten um Starspieler Andy Murray, der sich seine vierte olympische Medaille krallen will, oder das an drei gesetzte Doppel aus Kolumbien. Nicht nur Robert Farah ist ein versierter Doppelspieler sondern auch Landsmann Juan Sebastian Cabal. Seit Jahren sind die Kolumbianer im Doppel eine Macht. Ganze 18 Titel haben sie zusammen seit 2014 errungen. Bei keinem Turnier sind die Südamerikaner zu unterschätzen.
Zunächst einmal gilt es für Zverev und Struff, das Halbfinale zu erreichen. Da sie nicht annähernd so oft miteinander spielen wie die Duos aus Kroatien oder Kolumbien, dürfte es sehr schwer werden.
Trotzdem: Sollten die beiden Deutschen an ihre bisherigen Leistungen anknüpfen, ist Edelmetall möglich. Zverevs Bruder Mischa ist überzeugt: "Ich glaube wirklich dran, die holen eine Medaille."
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