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Mouratoglou sorgt sich um Zukunft des Tennis: "Wir sind glanzlos"

Mouratoglou sorgt sich um Zukunft des Tennis: "Wir sind glanzlos"

16/04/2019 um 15:51Aktualisiert 16/04/2019 um 16:20

Patrick Mouratoglou, der zur Zeit als Trainer von Serena Williams und Stefanos Tsitsipas arbeitet, hat harte Kritik am Tennis-Sport geübt. Dabei sorgte sich der 48-Jährige in der britischen Zeitung "Metro" vor allem um die Zukunft. "Wir sind glanzlos. Aber wir können unglaublich aufregend sein", so Mouratoglou. Auch einige Regeln würde der Eurosport-TV-Experte gerne ändern, darunter das Hawk Eye.

Als positives Beispiel nannte der in Frankreich geborene Grieche auch Nick Kyrgios. Dieser sei "der einzige Kerl, der es nicht kontrastarm macht", so Mouratoglou: "Deshalb ist jeder an ihm interessiert. Kyrgios gibt den Leuten, was Tennis ihnen nicht gibt. Es ist so simpel."

Auch einige Regeln sind dem 48-Jährigen ein Dorn im Auge. Das Hawk Eye würde er beispielsweise wieder abschaffen. "Ich finde, das Hawk Eye ist ein Fehler. Davor ist McEnroe durchgedreht. Wir hatten Spaß. Nun ist es so: 'Der Ball ist aus, okay.' Das ist glanzlos", erklärte Mouratoglou und führte weiter aus:

"Technologie ist großartig. Aber wir wollen nicht, dass alles glanzlos ist. Wir wollen uns streiten, ob der Ball drin war. Wir sind so enttäuscht, weil mein Spieler – und ich spreche als Fan – verloren hat wegen eines schlimmen Stuhlschiedsrichters. Dann hat man etwas, worüber man mit seinen Freunden reden kann. Es gibt eine Kontroverse. Die Leuten schauen zu."

Die Fans schauten Sport "wegen Emotionen", ist der Trainer von Serena Williams überzeugt. Bei der Abschaffung des Hawk Eye würde es Mouratoglou aber nicht belassen. Er meinte:

"Hawk Eye ist ein Fehler. Kein Coaching ist ein Fehler. Der Verhaltenskodex ist ein Fehler. Ein großer Fehler. Lasst die Leute sie selbst sein auf dem Tennisplatz. Dann haben die Zuschauer die Chance, sie kennenzulernen, sie zu mögen oder nicht zu mögen."

Mouratoglou fordert Veränderungen

Das auf der WTA Tour einmal im Satz erlaubte On-Court-Coaching lobte Mouratoglou derweil: "Man hat Interaktion. Man lernt die Strategien der Spieler. Man sieht den Spieler in einem Moment mit Emotionen. Das sieht man sonst nie. Ich habe genug von der Perfektion. Niemand ist perfekt. Versuche nicht, etwas zu zeigen, das unecht ist. Die Leute mögen nichts Unechtes."

Insgesamt halte der Tennis-Sport viel zu sehr an Tradition fest. Deshalb sei "das durchschnittliche Alter eines Tennisfans 62 Jahre", meinte Mouratoglou. "Offensichtlich ist die Art und Weise, wie Tennis auf der ganzen Welt geführt wird, nicht der richtige Weg, weil wir junge Leute nicht ansprechen. Wir sprechen alte Leute an. Vor zehn Jahren war das Durchschnittsalter 52. Nun ist es 62. In zehn Jahren wird es 72 sein, wenn wir uns nicht bewegen", kritisierte der 48-Jährige.

"Es ist Zeit, zu begreifen, dass Tradition fantastisch ist. Man sollte natürlich etwas Tradition beibehalten, aber man sollte in seinem Jahrhundert leben", forderte Mouratoglou die Tennis-Welt zu grundlegenden Veränderungen auf.

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