Der tragische Tod seiner Eltern Ester und Joaquin begleitet Roberto Bautista Agut auch heute noch. "Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken, weil ich das Gefühl habe, dadurch meinen Verstand zu verlieren", erzählt der Tennis-Star Eurosport: "Allerdings hat mir der Tennissport beigebracht, immer weiter zu kämpfen und auch an schlechten Tagen wieder aufzustehen. Genau das habe ich getan."
Ausgerechnet inmitten der Trauer um den Verlust seiner Eltern erreichte er 2019 nicht nur mit dem Halbfinal-Einzug in Wimbledon sein bestes Grand-Slam-Ergebnis, sondern kletterte erstmals in die Top-10 der Weltrangliste (Nr. 9) und holte darüber hinaus mit Spanien den Davis-Cup.
Und auch privat fand der Spanier sein Glück. Bautista Agut heiratete im November 2019 seine Jugendliebe Ana, die ein Jahr später ihren gemeinsamen Sohn Mini Rober zur Welt brachte.
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Auf sportlicher Ebene konnte er seine tolle Form mit ins Kalenderjahr 2021 nehmen. Der 33-Jährige stand bei den ATP-Turnieren in Montpellier und Doha im Finale und erreichte die Vorschlussrunde bei den Miami Open.
In der finalen Ausgabe von Players' Voice auf Eurosport.de erzählt Bautista Agut, wie ihm der Tennis-Sport, seine lebenslange Liebe zu Pferden und seine neue Aufgabe als Vater über den Tod seiner Eltern hinweggeholfen haben.

Von Roberto Bautista Agut

Liebe Tennis-Fans,
Ich musste in meinem Leben für viele Dinge kämpfen.
Als ich jünger war und davon träumte, eines Tages Tennisspieler zu werden, habe ich dafür gekämpft - auch wenn einige Leute damals glaubten, dass ich nicht das Zeug dazu hätte.
Als ich dann die Top 100 der Weltrangliste erreichte, wollte ich noch mehr und es dauerte nicht lange, bis ich mich mit den weltbesten Spielern messen durfte.
Ich habe mich nun seit einigen Jahren in der Weltrangliste etabliert und das Allerwichtigste für mich ist, dass ich einen Weg gefunden haben, immer weiter zu kämpfen.
"Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken, weil ich das Gefühl habe, dadurch meinen Verstand zu verlieren.
Was mit meinen Eltern passiert ist, war schrecklich und ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken, weil ich das Gefühl habe, dadurch meinen Verstand zu verlieren.
Natürlich gibt es einige Tage, an denen ich an sie denke und die Wahrheit ist, dass es wirklich schwer für mich war. Allerdings hat mir der Tennissport beigebracht, immer weiter zu kämpfen und auch an schlechten Tagen wieder aufzustehen. Genau das habe ich getan.

Robert Bautista Agut bezwingt Félix Auger-Aliassime im Davis-Cup-Finale drei Tage nachdem sein Vater starb

Fotocredit: Eurosport

Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, dann gab es einige Momente, in denen ich einfach aufhören wollte. An dieser Stelle habe ich aber sofort meinen Kampfgeist wiederentdeckt. Also spielte ich weiter und selbst als die Corona-Pandemie ausbrach, trainierte ich noch immer sehr viel.
Tennis lässt dich nicht einfach aufhören, es ist in deiner Mentalität verwurzelt. Aufgrund der Corona-Pandemie fielen die Routinen des Tourlebens weitestgehend weg, weshalb ich die Möglichkeit hatte, Ana während ihrer Schwangerschaft zu Hause zu begleiten. Außerdem konnte ich viel Zeit mit meinen Pferden im Stall verbringen. Sie waren mein Motor. Die Liebe, die ich für sie empfinde, hat mir definitiv durch diese schweren Zeiten geholfen.
Im vergangenen September Vater zu werden, war eine der unglaublichsten Erfahrungen meines ganzen Lebens, wenn nicht sogar die beste. Ich habe das Gefühl, dass die familiäre Bindung, die ich durch den Verlust meiner Eltern verloren habe, durch dieses neue Kapitel in meinem Leben mit Ana und meinem Kind wiederhergestellt wurde.
Die Familie war bei Weitem immer das Wichtigste in meinem Leben. Die Liebe, die du für deine Liebsten empfindest, ist einfach unvergleichlich. Ich hatte diese Gefühl, bevor meine Eltern starben.
Jedes Mal, wenn ich nach Hause kam und bemerkte, dass sie allmählich älter wurden, nahm ich mir vor, jeden einzelnen Moment mit ihnen zu genießen und diese Erinnerungen bewahre ich bis heute.
Vor Kurzem haben mich Ana und Mini Rober auf meiner Tour im Mittleren Osten begleitet - das war etwas ganz Besonderes für mich. Es ist einfach toll zu sehen, wie dein Kind aufwächst und wie es sich weiterentwickelt. Sie werden jeden Tag ein Stück mehr zu der Person, die sie später einmal werden.
Wenn ich irgendeine Eigenschaft an meinen Sohn weitergeben könnte, wäre es meine Sturheit. Ich glaube, dass die Beharrlichkeit, immer weiter für Dinge zu kämpfen, nicht nur eine sehr gute Sache, sondern auch der Grundstein dafür ist, um schwierige Hindernisse zu überwinden. Ich bin fest davon überzeugt, dass dich gerade die Zeiten, in denen es nicht so läuft, als Mensch weiterbringen. Dies kann auf alle Dinge des Lebens übertragen werden - sowohl für die großen, als auch für die kleinen.
Die Tatsache, dass ich bei den Australian Open in diesem Jahr nicht mein bestes Tennis gespielt habe, hat mich motiviert, noch härter an mir zu arbeiten. Ich fühle mich aktuell auf dem Platz sehr wohl und habe bereits Top-10-Spieler geschlagen. Die positiven Erlebnisse geben mir zunehmend Rückwind.

Roberto Bautista Agut (rechts) bezwingt Daniil Medvedev, die Nummer zwei der Welt, im Viertelfinale der Miami Open

Fotocredit: Eurosport

Wenn ich an Wimbledon 2019 zurückdenke, als ich das Halbfinale erreichte, habe ich den Moment damals so gelebt, wie ich es mir immer erträumt hatte. Diese zwei Wochen waren für mich wie ein Traum, der wahr geworden ist.
Diesen Erfolg zu wiederholen, wäre unglaublich, aber das Wichtigste ist für mich im Moment, mein Niveau zu halten, meine Zeit auf dem Platz zu genießen und darüber hinaus den Erfolg und die Erinnerungen mit meiner Familie zu teilen.
Euer Roberto
Folgt Roberto Bautista Agut auf Instagram (@robertobautistaagut)und Twitter (@BautistaAgut)

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