Von Caitlin Thompson
Billie Jean King möchte keine Heldin sein. Ich weiß das, denn ich habe versucht ihr zu sagen, dass sie meine Heldin ist.
Ihr Lebenslauf könnte allerdings nicht passender sein: Sie war eine Weltklasse-Tennisspielerin, eine Verfechterin der Gleichberechtigung und die Gründerin der professionellen Damen-Tour vor 50 Jahren. Die Liste ist lang. Für mich war aber entscheidend, welche Rolle sie beim bahnbrechenden Gesetzentwurf "Title IX" spielte.
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Dieser beeinflusste mein Leben und die Leben zahlloser Athletinnen.

King kämpft gegen Ungleichheit an

King hatte die Idee für die Women's Tennis Association (WTA) im Jahr 1971. Zwei Jahre später formte sie zusammen mit neun Gründungsspielerinnen und einigen Sponsoren eine Tour. Der Grund dafür war einfach: Die Männer wollten nicht teilen. Sie genossen es, den Löwenanteil der Preis- und Antrittsgelder zu erhalten. Es gab für sie keinen Anlass, die Frauen einzubeziehen. "Wir wollten immer bei den Männern mitmachen, aber sie wollten uns nicht", sagte King einmal.

Billie Jean King 1975 im All England Club

Fotocredit: Eurosport

Sie setzte ihren Fokus jedoch nicht nur darauf, dass es ausreichend Geld und Stars auf der Tour gab. Sie wollte eine Ungleichheit beenden.
Vor 1971 erhielt der Frauensport in den USA lediglich ein Prozent des Budgets für College- oder Highschool-Sport. Das Verhältnis von Männern und Frauen lag bei 12:1. "Title IX" sollte dafür sorgen, dass von der Regierung finanzierte Bildungseinrichtungen dieselben Mittel für männliche und weibliche Studenten bereitstellen - auch im Bereich des Sports.
Als der Gesetzentwurf 1971 in den Kongress kam, sah King darin eine Möglichkeit für eine ganz neue Generation an Sportlerinnen und vielleicht sogar die Chance, die Wahrnehmung der Gesellschaft über Frauensport zu verändern.

Inspiration für eine neue Generation junger Frauen

Die beste Spielerin und bestverdienende Athletin weltweit sprach am Capitol Hill vor dem Kongress und sorgte damit dafür, dass das Gesetz durchging. Es veränderte die öffentliche Meinung über den Wert des Frauensports komplett - ob im Profisport oder bei der Chancengleichheit für Mädchen.
Ihre mühsame Arbeit trug Früchte, als diese Generation von Athletinnen älter wurde. Ein Beispiel ist das US-Fußballteam der Damen, das 1996 in Atlanta Gold und 1999 die Weltmeisterschaft gewann.

Die US-Frauen holen 1996 Olympia-Gold im Fußball

Fotocredit: Eurosport

Dies inspirierte eine neue Generation an jungen Frauen, die nun Profisportlerinnen werden konnten oder zumindest auf dem College oder der Highschool dieselben Möglichkeiten hatten wie die Männer.

"Wenn du deine Geschichte verstehst..."

Damit komme ich an den Anfang meiner Geschichte zurück. "Title IX" war der Grund, weshalb ich aufs College ging. Als ich vor einigen Jahren King für einen Podcast interviewte, wollte ich ihr unbedingt persönlich für ihre Arbeit danken. Diese hatte das Leben so vieler Frauen, unseren Sport und unsere Gesellschaft zum Besseren verändert. Sie zeigte Sportlern, wie sie ihren Einfluss nutzen können, um einen Wandel herbeizuführen. Sie war für mich und so viele Frauen eine Heldin.
Aber Billie unterbrach mich mitten im Satz. "Du warst nicht wegen mir auf dem College, sondern wegen den Kongress-Mitgliedern Edith Green, Patsy Mink und Senator Birch Bayh. Ich habe nur geholfen", stellte sie klar: "Wenn du deine Geschichte verstehst, erkennst du auch, warum du diese Möglichkeiten hattest."

King keine Heldin, aber eine Pionierin

Sie wollte keine Lorbeeren für ihre Arbeit, sie wollte den Staffelstab weitergeben. Sie forderte mich auf, daran anzusetzen, was sie und andere für mich erreicht hatten, und es der nächsten Generation beizubringen. Sie eine Heldin zu nennen oder ihr zu huldigen, verbannt ihre Arbeit in die Vergangenheit, aber Billie ist noch nicht fertig.
Aus diesem Grund ist Billie Jean King keine Heldin - für niemanden.

Billie Jean King

Fotocredit: Eurosport

Sie ist ein Mensch, der entschieden hat, ihre sportlichen Spitzenleistungen zu nutzen und Platz für andere zu machen, die ihr nachfolgen können. Ihre Forderung an mich war einfach: Weiterführen, was sie begonnen hat. Daher sollten wir aufhören, sie eine Heldin zu nennen. Sie ist eine Trailblazerin, eine Pionierin.
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