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Wettbetrüger verteidigt Manipulation: "Wollen einfach Tennis spielen“

Wettbetrüger verteidigt Manipulation: "Wollen einfach Tennis spielen“
Von tennisnet.com

28/02/2016 um 11:10Aktualisiert 28/02/2016 um 17:10

Eine Studie der ITF machte deutlich: Vom Tennis leben können nur die wenigsten Spieler. Eine Platzierung um Position 356 gelte als Maßstab, um die Kosten gerade so decken zu können – dicke Sponsorenverträge und Unterstützungen von Verbänden, außen vor. Die große Frage: "Wie kann ein Spieler, der vielleicht 27 Jahre alt ist und auf Rang 400 steht, überlebe - wenn er praktisch nichts verdient?"

Das ist eine gute Frage – und eine Frage, die einer der vielen Insider stellt, die nach dem Bericht über die Wettmanipulationen im Tennis regelmäßig auftauchen. Tennisjournalist Miguel Cicenia hat vor kurzem mit einem anonymen Spieler gesprochen, der ihm gegenüber erklärt hat, wie Manipulationen vonstatten gehen.

Zum Beispiel so: "Wenn du topgesetzt bist und gegen einen Qualifikanten oder Wildcard-Teilnehmer spielst – oder jemand anderen, von dem du ausgehst, dass du ihn schlägst –, wählst du einen Satz aus, den du verlierst. Das sagst du deinem Kontaktmann, der die Wette platziert. Die meisten Spieler präferieren den zweiten Satz, damit es nicht auffällt. Aber einige wollen den Gedanken schnell aus dem Kopf bekommen und verlieren den ersten. Und machen den Typ dann schnell fertig, um fit für die nächste Runde zu sein.“ Der Trick sei, es unauffällig zu machen. "Du musst einige umkämpfte Punkte spielen, deinen Schläger ein paar Mal wütend rannehmen und dann 5:7 verlieren, das ist es.“

"Eine Vorhand ins Netz und ein Volleyfehler"

Ein weiterer Weg: Das eigene Aufschlagspiel zu verlieren, denn das habe man unter Kontrolle. „Die Spieler sagen ihrem Kontaktmann dann, auf das erste Aufschlagspiel eines Satzes zu setzen, oder wie auch immer sie es arrangieren. Und dann ist der Job einfach: ein paar Doppelfehler, eine Vorhand ins Netz und ein Volleyfehler oder so – und bitte, schon hast du 100 Dollar verdient. Nur darf man auf einzelne Spiele keine großen Summen setzen, sonst fällt es auf.

Auch eine Matchabsprache zwischen zwei Freunden sei nicht unüblich. "Das ist einfach. Es kommt nur darauf an, wer die ersten beiden Sätze gewinnt, und den dritten spielt man dann aus. Das ist simpel, beide bekommen Geld, und wer den dritten Satz gewinnt, der steht in der nächsten Runde.“

Dass der anonyme Spieler weiß, dass es falsch ist, gibt er offen zu. "Es ist einfach ein Weg, den ein paar verzweifelte Spieler wählen, um das Preisgeld insoweit anzuheben, damit sie weiter professionell Tennis spielen können. Ich weiß, das alles ist schwer zu schlucken. Aber die Leute wissen nicht, dass wir acht Stunden am Tag, sieben Tage die Woche über 365 Tage im Jahr arbeiten und dabei keinen Penny verdienen.“

Erhöhungen für 2017 geplant

Was das Preisgeld angeht, steht zukünftig zumindest eine kleine Besserung in Aussicht: Bei den Herren wurden in diesem Jahr die 15.000-US-Dollar-Turniere auf 25.000 US-Dollar angehoben, die niedrigeren folgen von 10.000 auf 15.000 im Jahr 2017. Für 2018 sind auf der ITF-Tour weitere Erhöhungen geplant. Bei den Damen wurden die 15.000-US-Dollar-Turniere durch 25.000-US-Dollar-Events ersetzt. Die Preisgelder sollen in 2017 und 2018 auch weiter ansteigen.

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