Mit Wimbledon steht das dritte Grand-Slam-Turnier der Saison vor der Tür. Da ist es vor allem in der ersten Woche schwer, auf der Anlage Ruhe zu finden.
Roger Federer: Ich würde nicht von einem Spießrutenlauf sprechen, aber es ist schon enorm viel los. Da kommen bestimmt 400 Spieler zusammen, dazu die Betreuer und Trainer. Dann sprechen wir von über 1000 Menschen - und wenn es dann noch regnet, kommen die alle auf sehr wenig Raum zusammen. Aber ich spreche auch sehr gerne mit anderen Spielern, gerade in der Kabine - und ich kommentiere sogar Matches.
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ATP Halle
Federer holt achten Titel beim Klassiker
21/06/2015 UM 13:04
Federer(lacht): Nun ja, nicht so wie Sie das beim Fernsehen tun. Bei uns ist das natürlich weniger seriös, ich mache das eher witzig.
Roger Federer im Eurosport-Porträt
Umso ernster wird es dann, wenn Sie selbst aufschlagen. Wie laufen die zwei, drei Stunden vor einem Match bei Ihnen ab?
Federer: Grundsätzlich ist die Vorbereitung immer recht ähnlich, egal ob ich nun die 1. Runde oder ein Finale spiele. So wissen mein Körper und mein Kopf, dass sie bereit sein müssen. Ungefähr drei Stunden vor einem Match trainiere ich, zwei bis zweieinhalb Stunden davor geht's dann zum Duschen und zum Essen. Später kommt eine Phase der Entspannung und ein Gespräch mit meinem Coach über das anstehende Match. Wenn meine Fußgelenke dann getaped sind, wärme ich mich auf, mache Rumpfübungen und Übungen für die Explosivität. Das dauert inzwischen länger, da ich etwas älter geworden bin (lacht).
Sind Sie abergläubisch, gerade im Hinblick auf Ihren Sport?
Federer: Nein, ich bin absolut nicht abergläubisch - wenn das nicht auch schon wieder abergläubisch ist. Ergibt das Sinn? (lacht) Im Ernst: Ich bin sehr entspannt, brauche keine speziellen Rituale. Ich warte auch nicht, dass eine bestimmte Duschkabine frei wird, da ich weiß, dass ich auch gewinnen kann, wenn ich nicht immer dieselbe nehme. Allerdings habe ich eine Lieblingszahl, die 8. Als ich das erste Mal den Sprung in die Top 10 geschafft habe, bin ich auch direkt auf Platz acht gelandet.
Eurosport-Experte John McEnroe hat unlängst mit dem Vorschlag für Wirbel gesorgt, das Warmup auf dem Court wegzulassen und direkt anzufangen. Eine gute Idee?
Federer: Das wäre für mich kein Problem. Es ist schon irgendwie spannend, dass wir uns im Tennis mit dem Gegner aufwärmen. Theoretisch könnte ich aber tatsächlich sagen: 'Ich bin ready und brauche kein Warmup'. In dem Fall müsste, glaube ich, der Gegner innerhalb einer bestimmen Zeit einen Einschlagpartner finden. Aber stellen Sie sich mal vor, ich würde das vor einem Wimbledon-Finale machen - nein, also das geht gar nicht!
Durch die sozialen Netzwerke lernen Fans und Medien die Tennisspieler aus ganz neuen Perspektiven kennen. Wie empfinden Sie das?
Federer: Als das vor Jahren aufkam, da war ich schon vorsichtig und der Meinung, dass man aufpassen muss. Ich habe mir dann angeschaut, wie die Leute das nutzen. Später habe ich selbst dann ganz sacht damit begonnen und inzwischen macht mit das sehr viel Spaß.
Inwiefern beschäftigen Sie sich damit, was die Presse über Sie schreibt?
Federer: Rund um die French Open in Paris habe ich in drei Wochen nicht einmal in die französische Sportzeitung "L'Équipe" geschaut - obwohl das eine sehr fachkundiges Blatt ist. Bei Turnieren liegen ja meist die großen Zeitungen aus, aber ich nehme mir die selten mit. Ich bekomme noch eher über das Internet mit, was über mich geschrieben wird.
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