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Wimbledon 2018 - Mindestens ebenbürtig: Darum kann Angelique Kerber jetzt Wimbledon gewinnen

Mindestens ebenbürtig: Darum kann Kerber jetzt Wimbledon gewinnen

14/07/2018 um 08:00Aktualisiert 14/07/2018 um 11:43

Angelique Kerber steht nach 2016 zum zweiten Mal im Wimbledon-Finale. Die Gegnerin heißt wie damals Serena Williams. Vor zwei Jahren war Williams klar favorisiert, doch in diesem Jahr haben sich die Vorzeichen geändert. Kerber spielt auf einem ähnlichen Niveau wie 2016, während Williams nach ihrer Babypause erst ihr viertes Turnier absolviert. Außerdem sprechen weitere Punkte für die Deutsche.

Lediglich 68 Minuten benötigte Angelique Kerber im Halbfinale gegen den 21-jährigen Shootingstar Jelena Ostapenko. Dann war es geschafft.

Doch die Vorzeichen sind andere als zwei Jahre zuvor.

Kerber setzt auf ihr Service

"Wir haben 2018. Mit dem Match von 2016 kann man es nicht vergleichen", gab sich Kerber bei "Sky" selbstbewusst nach ihrem Halbfinalerfolg. Die Kielerin räumte zwar ein, dass Williams trotz ihrer gut einjährigen Pause schon wieder "fantastisches Tennis" spiele, auf der anderen Seite wisse sie aber auch, was auf sie zukommt.

Selbst wenn Williams noch nicht auf ihrem Top-Niveau angekommen ist, das sie vor zwei Jahren zweifelsohne hatte, weiß Kerber, dass sie am Samstag nicht nachlassen darf:

"Ich muss wieder gut servieren und will das Finale auch ein bisschen genießen."

Aufschlag stark verbessert

Bei eigenem Service hat Kerber im Vergleich zu ihrem Superjahr 2016, als sie bis auf die French Open in jedem Grand-Slam- und zusätzlich noch im Olympia-Finale stand, den größten Schritt nach vorne gemacht.

"Ihr Aufschlag hat sich deutlich verbessert. Sie kommt besser raus, kommt besser hoch und hat daher einen besseren Winkel", schwärmt Patrick Kühnen bei "Sky". Im Spiel gegen Ostapenko servierte Kerber 78 Prozent ihrer ersten Aufschläge erfolgreich ins Feld, zu Beginn waren es sogar unglaubliche 89 Prozent.

Angelique Kerber

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"Das war das Ziel", sagte Kerber nach dem Spiel: "Ich habe gewusst, dass Ostapenko meinen Zweiten sofort attackieren würde." Gegen die noch schlaggewaltigere Williams ist das Service der zweifachen Grand-Slam-Siegerin noch wichtiger. Kommt der erste Aufschlag nicht, wird Williams versuchen, die Punkte mit harten Returns kurz zu halten. Gelingt Kerber aber eine ähnliche Quote wie gegen Ostapenko, verbessern sich die Chancen auf ihren ersten Wimbledonsieg erheblich.

Mentale Reife

Aber nicht nur Kerbers Aufschlag hat sich stark verbessert. Auch mental ist die 30-Jährige stärker geworden. Nach dem Seuchenjahr 2017, in das sie als Nummer eins der Welt ging, jedoch kein einziges WTA-Turnier gewinnen konnte, ist sie in Wimbledon 2018 wieder ganz "die Alte". Das gesamte Turnier über versprüht sie Konzentration und Spielwillen. Diverse Herausforderungen, die sich ihr im Turnierverlauf stellten, meistert sie glänzend.

In der zweiten Runde drehte sie nach Satzrückstand das Match gegen Claire Liu aus den USA (3:6, 6:2, 6:4). Im Achtel- und Viertelfinale beeindruckte sie mit bärenstarken Leistungen gegen Belinda Bencic (6:3, 7:6) und Daria Kasatkina (6:3, 7:5). "Kerber steigerte sich von Spiel zu Spiel, ihre Einstellung war stets tadellos", schwärmt Kühnen.

Schlüsselpersonalie Wim Fissette

Dass Kerber aus dem Leistungsloch von 2017 derart stark wieder zurück an die Weltspitze drängt - ab kommender Woche ist sie mindestens wieder die Nummer sechs - liegt zu großen Teilen an ihrem neuen Trainer Wim Fissette. Der Belgier brachte die Kielerin wieder auf die Beine.

Wim Fissette

Wim FissetteGetty Images

"Da hat eine andere Stimme zu mir gesprochen, das tat mal gut nach der langen Zusammenarbeit mit Torben Beltz", sagte Kerber in einem Interview mit der "Bild-Zeitung" kurz nach Saisonbeginn. Der neue Erfolg beim Aufschlag, aber auch Kerbers exzellente Fitness sind das Werk des 38-Jährigen, der zuvor Johanna Konta trainierte.

"Ihr Ziel ist es, eines Tages wieder die Nummer eins zu sein und damit anders umzugehen als im vergangenen Jahr", sagte Fissette in einem Interview auf der "WTA-Homepage". Kerber befindet sich auf dem besten Wege dahin.

Kerber kein Außenseiter

Nun misst sich das neue deutsch-belgische Gespann zum ersten Mal mit Serena Williams - und ist dabei keineswegs der Außenseiter. Williams ist noch nicht bei 100 Prozent, kann das nach der Geburt ihrer Tochter im vergangenen Winter auch nicht sein.

Im Turnierverlauf zeigte sich, dass es ihr hier und da an Spritzigkeit fehlt. So zu sehen im ersten Viertelfinalsatz gegen Camila Giorgi, den sie mit 3:6 verlor.

Vor zwei Jahren spielte Kerber mit zu viel Respekt, fast ehrfurchtsvoll. Das Ergebnis fiel folgerichtig deutlich aus (5:7, 3:6). Eine Situation, aus der Kerber gelernt hat. In diesem Jahr geht sie in dem Wissen ins Finale, mindestens ebenbürtig zu sein. "Klar, man kennt diese Zahlen einfach", gibt Kerber angesprochen auf Serenas 23 Grand-Slam-Titel (sieben allein in Wimbledon) zu.

Es sei eine "große Herausforderung", aber:

"Wer weiß, was 2018 noch passiert."
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