Schon von Kindesbeinen an hatte sich Ashleigh Barty diese Momente im Kopf ausgemalt, doch die Dimension ihres Wimbledontriumphs überwältigte sie dann doch. Da jubelten tatsächlich ihr, dem Mädchen aus Queensland mit dem großen Traum, auf einmal Prinz William, Herzogin Kate und Hollywoodstar Tom Cruise zu.
Und daheim in Australien waren mitten in der Nacht Legenden wie Rod Laver oder Cathy Freeman völlig aus dem Häuschen. "Das ist besser, als ich es mir jemals vorgestellt habe", sagte Barty - und war in Gedanken doch ganz woanders.
Denn für die 25-Jährige war viel bedeutender, dass ihr großes Vorbild Evonne Goolagong Cawley an gleicher Stelle vor einem halben Jahrhundert einen historischen Sieg gefeiert hatte. "Ich hoffe, ich habe Evonne stolz gemacht", sagte Barty bei der Siegerehrung nach dem 6:3, 6:7 (4:7), 6:3 gegen die Tschechin Karolina Pliskova und brach in Tränen aus. Schließlich habe die australische Tennisheldin, die 1971 als erste Nachfahrin der Aborigines in Wimbledon gewann, auch ihr erst den Weg geebnet.
Wimbledon
Als erstes kroatisches Duo: Mektic und Pavic triumphieren im Herren-Doppel
10/07/2021 AM 21:44
"Sie war einfach eine Ikone über Jahre hinweg, nicht nur auf dem Tennisplatz. Ihr Vermächtnis abseits des Platzes ist unglaublich", sagte Barty, die ebenfalls indigene Wurzeln hat und mit ihrem Outfit an Goolagong Cawleys Premiere vor 50 Jahren erinnerte: "Wenn ich nur zur Hälfte sein könnte wie Evonne, wäre ich ein sehr, sehr glücklicher Mensch." Und die rührende Antwort ihrer 69 Jahre alten Vorgängerin ließ nicht lange auf sich warten.

Cawley: "Ash ist für mich wie eine kleine Schwester"

"Ash ist für mich wie eine kleine Schwester und ein Teil meiner Familie", sagte die siebenmalige Grand-Slam-Gewinnerin Goolagong Cawley, 1980 die letzte australische Wimbledonsiegerin - bis Barty kam: "Ich bin einfach sehr stolz auf Ash und die Art und Weise, wie sie sich nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Platzes verhält."
Barty unterstützt Goolagong Cawleys Stiftung, die sich für Mädchen aus Aborigine-Familien einsetzt. Und wegen ihrer erfrischend bodenständigen und bescheidenen Art wird die Weltranglistenerste und French-Open-Siegerin von 2019 nicht nur Down Under verehrt. Barty unterstrich dies auch am Samstag im Moment ihres größten sportlichen Triumphs. "Es ist für mich wichtiger, ein guter Mensch zu sein als eine gute Tennisspielerin", sagte sie: "Ein guter Mensch zu sein, hat für mich jeden einzelnen Tag absolute Priorität."
In der Heimat lieben sie ihre "Ash", weil sie einfach so ist, wie sie ist. "Australien platzt vor Stolz", twitterte Premierminister Scott Morrison, Tennis-Legende Rod Laver war "so glücklich, dass deine Träume wahr wurden". Und auch Cathy Freeman, 2000 in Sydney 400-m-Olympiasiegerin und ebenfalls mit indigenen Wurzeln, war einfach nur "mächtig stolz auf unser Mädchen".

Barty: Auszeit vom Tennis als Erfolgsgeheimnis

Barty ist eben eine ganz besondere Tennisspielerin, Star-Allüren gibt es bei ihr nicht. Während der Anfänge der Corona-Pandemie legte sie den Tennisschläger zur Seite, gewann daheim eine Amateur-Meisterschaft im Golf und feuerte mit Bier in der Hand ihr Lieblingsteam im Australian Football an.
Und auch schon 2014 hatte sie vom Tennis pausiert, überfordert von den vielen Reisen und der Einsamkeit auf der Tour, und lieber in der heimischen Cricket-Profiliga gespielt.
Gerade diese erste Auszeit war extrem wichtig, erzählte Barty einst, um den Spaß am Sport wieder zu finden. Die Erfüllung ihres Kindheitstraums ist nun die Belohnung für diese außergewöhnliche Reise.
Das könnte Dich auch interessieren: Italien blickt nach London: Berrettini wandelt auf großen Spuren
(SID)

Wimbledon-Roundup: So liefen die Halbfinals beim Rasen-Klassiker

Wimbledon
Überraschung in Wimbledon: Deutsche Juniorin kämpft sich ins Finale
10/07/2021 AM 20:25
Tennis
Raducanu mit gewaltigem Sprung in der Weltrangliste
13/09/2021 AM 12:09