Ob der Düsseldorfer Europameister am frühen Abend zum für 18:00 Uhr angesetzten Doppel-Viertelfinale mit Patrick Franziska antreten kann, soll laut Bundestrainer Jörg Roßkopf erst 20 Minuten vor dem geplanten Spielbeginn entschieden werden.

"Es ist extrem bitter, weil Timo bei dieser WM sehr gut gespielt hat und auch eine gute Auslosung hatte", sagte Roßkopf dem "SID". Mit Bolls Erkrankung war laut Roßkopf bis zum Mittwochabend nicht zu rechnen. "Es gab keine Anzeichen, aber wie das mit Fieber so ist: Es kommt und ist dann da. So bitter es ist, können wir nichts daran ändern: Wenn ein Spieler krank ist, dann ist er krank", sagte der frühere Doppel-Weltmeister weiter.

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Tischtennis-WM: Boll und Franziska - nur noch ein Sieg zur Medaille
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Boll verpasst günstige Gelegenheit

Bitter ist durchaus noch eine Untertreibung, geht es um die erneute sportliche Tragik des besten deutschen Spielers der Geschichte. Dem Düsseldorfer, der in seiner Karriere mehrfach mit muskulären Problemen am Rücken und Nacken zu kämpfen hatte, fehlten in Ungarn nur noch zwei Siege zu seiner zweiten WM-Einzelmedaille nach Bronze 2011 in Rotterdam.

Zum anderen hatte sich das Turnier so günstig wie womöglich niemals zuvor für den 38-Jährigen entwickelt: In seiner unteren Tableauhälfte wartete keiner der topgesetzten Chinesen mehr, "oben" war Chinas Weltranglistenerster Fan Zhendong auch schon gescheitert - kurz: Bolls erste Endspielteilnahme erschien nach unzähligen vergeblichen Anläufen gegen die "chinesische Mauer" plötzlich durchaus realistisch, selbst der historische Titelgewinn war keine Utopie mehr.

Noch nach seinem Achtelfinal-Einzug am Mittwoch war Boll aufgrund seiner anhaltenden Formsteigerung nach ernsthafteren Problemen im WM-Vorfeld bestens gelaunt gewesen. "Ich habe die Baustellen der vergangenen Wochen etwas behoben, und es fühlt sich besser an. Ich habe mich gut bewegt. Das ist wichtig, weil meine Beine nicht mehr so schnell wie früher sind", sagte der Rekordeuropameister.

Erinnerungen an 2005 werden wach

Kurz danach aber wiederholte sich für Boll, der 2015 wegen einer Knieoperation schon das Ende seiner Laufbahn befürchten musste, die Geschichte. Schon bei der WM 2005 in Shanghai hatte er in der Nacht vor dem Doppelfinale mit Christian Süß gegen die Chinesen Kong Linghui/Wang Hao über 39 Grad Fieber bekommen.

Der ehemalige Weltranglistenerste war trotzdem zum Endspiel angetreten - und wenige Minuten nach der 1:4-Niederlage mit einem Schwindelanfall zusammengebrochen. "Ich war eigentlich gar nicht spielfähig", sagte Boll damals nach seiner Erholung mit immer noch aschfahlem Gesicht. Weil Boll auch am Donnerstagvormittag nicht spielfähig war, riss in Budapest eine einmalige Serie: Bei seinen fünf vorherigen WM-Teilnahmen seit 2007 hatte der deutsche Rekordmeister immer das Viertelfinale erreicht und um eine Medaille gespielt.

Im Doppel soll der Weltranglistenfünfte mit Franziska gegen die Portugiesen Tiago Apolonia/Joao Monteiro antreten. Im Falle eines Erfolgs wäre dem deutschen Duo eine Medaille sicher.

Die Aussicht auf den greifbar nahen Podestplatz dürfte auch der Grund dafür sein, das Boll bislang für diesen Wettbewerb noch nicht abgesagt hat.

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