Besonders bitter war dabei die Niederlage 2019. Damals führten Conway/Kobayashi/Lopez das Rennen bis rund eine Stunde vor Schluss an, ehe ein Plattfuß die Hoffnungen beendete. Gleich zwei Stopps waren nötig, um das Problem zu beheben.
"Wir hatten so eine gute Pace in diesem Jahr", blickt Mike Conway nun im Gespräch mit 'Autosport' zurück. Teamkollege Jose Maria Lopez fügt hinzu: "Und wir hatten genug Zeit für solch ein Problem. Wir hatten einen schleichenden Plattfuß, deshalb konnte ich mit fast voller Geschwindigkeit an die Box fahren. Es war keine große Sache."
"Wie gesagt, wir hatten genug Zeit für solch ein Problem. Wie wir alle wissen, lief erst danach alles schief." Denn man hatte bei Toyota aufgrund der Sensordaten lediglich einen Reifen gewechselt. Jenen, der scheinbar beschädigt war. Wie sich herausstellte, war das der falsche Reifen.
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"Als ich aus der Box gefahren bin, habe ich den Sensor beobachtet und dem Team gesagt, dass er immer noch niedrigen Luftdruck anzeigt. Sie sagten, ich soll ein paar Kurven warten, während sich der Sensor resettet", erzählt Lopez.
"Aber nun hat sich das Auto so verhalten, als hätte es einen Reifenschaden, denn nach dem Stopp sind die Luftdrücke gesunken. Ich wusste, ich musste die ganze Runde mit 50 oder 60 km/h fahren. Das war ein schreckliches Gefühl. Ich wusste, der Sieg war verloren." Stattdessen gewann das Schwesterauto #8 mit Sebastien Buemi, Kazuki Nakajima und Fernando Alonso am Steuer.

Le Mans 2017: Kobayashi und der "Fake-Marshal" Capillaire

Auch der Vorfall rund um den "Fake-Marshal" im Jahr 2017 bleibt in Erinnerung. Damals fuhr Kobayashi in einer Safety-Car-Phase aus der Box, nachdem er von Fahrer-Kollege Vincent Capillaire Handzeichen erhielt. Kobayashi hielt Capillaire irrtümlicherweise für einen Marshal. Der Japaner musste daraufhin auf der Strecke anhalten, um das Safety-Car vorbeizulassen.
Beim neuerlichen Anfahren ging die Kupplung des Toyotas kaputt, weshalb Kobayashi versuchte, mit der Elektro-Leistung seines Fahrzeugs die Box zu erreichen. Vergeblich. "Es war eine sehr verwirrende Situation. Es war dunkel, und aus dem Auto heraus kann man nicht so viel sehen. Ich sah diesen Mann in einem orangefarbenen Anzug, der mich herauswinkte", erinnert sich der Japaner.
"Ich saß da vielleicht 10 Sekunden und er winkte immer noch. Ich sagte zu meinem Ingenieur, dass ich rausfahren müsse. Ich dachte, das Signal sei kaputt. Dann sagte er mir, ich solle anhalten, um das Safety-Car vorbeizulassen. Ich sagte dem Team, dass es ein Problem mit der Kupplung gab, nachdem ich wieder gestartet war, aber wir hatten kein Überwachungssystem."

Schneller als die Berechnungen: Kobayashi rast mit Mega-Zeit zur Pole

"Das Team sagte mir, ich solle noch eine Runde fahren. Wären wir sofort reingekommen, hätten wir trotzdem gewinnen können, denn alle anderen hatten Probleme. Ein Kupplungswechsel dauert etwa 40 Minuten", spielt Kobayashi auf die LMP1-Ausfallorgie an. Es war jenes Jahr, in dem mit Jackie Chan DC Racing fast ein LMP2-Team den Gesamtsieg geholt hätte.

Toyota #7 nicht immer nur vom Pech verfolgt

Dass die Toyota-Crew #7 nicht nur vom Pech verfolgt wird, zeigen auch zwei Ereignisse in der jüngeren Geschichte der WEC: Vor rund einem Monat gewann man das 6h-Rennen in Monza trotz eines Komplett-Resets, zudem wurde man 2020 beim Finale in Bahrain Langstrecken-Weltmeister.
Daher beteuert Conway: "Wir sind immer mit der gleichen Mentalität an die Sache herangegangen. Wir bereiten uns immer so gut vor, wie wir können. Für dieses Jahr hat sich nichts geändert." Akribische Vorbereitung wird bei Toyota also so oder so groß geschrieben.
Der Kampf ist in diesem Jahr offener denn je. Die brandneuen Hypercars sind einerseits langsamer, als ihre LMP1-Vorgänger. Andererseits sind die Prototypen noch relativ fragil. "Nein, das wird kein Rennen zwischen den Toyotas, denn das Auto ist noch so neu", winkt Lopez ab.
"Wir haben nicht das gleiche Level an Vertrauen in den GR010, wie in den TS050. Und dann sieht man sich das Rennen im letzten Jahr an. Beide Autos hatten Probleme, obwohl der TS050 solch ein bewährtes Fahrzeug war."
Die beste Ausgangslage hat die #7 in diesem Jahr wieder einmal. Kobayashi, der in Le Mans auch den Rundenrekord hält (3:14.791 Minuten im Jahr 2017), hat in der Hyperpole seine vierte Pole insgesamt beim Langstrecken-Klassiker an der Sarthe eingefahren. Ob der #7 diesmal Fortuna hold ist? Das Rennen wird es zeigen.
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