Herzhafte Schlachten in allen Klassen, zahlreiche Ausrutscher und Kontakte, phasenweise Regen und technische Dramen - über einen Mangel an Action darf sich keiner der Fans auf den gut gefüllten Tribünen beschweren. Etwas zwiespältig wird man das Rennen im Lager von Audi und G-Drive sehen, denn der fünfte Saisonlauf der WEC-Saison 2016 war für die beiden Mannschaften wie verhext.
Zur Überraschung vieler Beobachter bewegten sich die drei LMP1-Hersteller bei wechselnden Bedingungen am Renntag auf einem Niveau. Am Ende siegte daher jenes Fahrzeug, das nicht nur sicher und schnell über die insgesamt sechs Stunden kam, sondern auch die notwendige Portion Glück an Bord hatte. Die Sieger mussten nur eine Durchfahrtsstrafe verschmerzen, weil man Timo Bernhard in einer Full-Course-Yellow-Phase aus der Boxeneinfahrt kurzfristig wieder auf die Bahn schickte.

Falsches Timing: Lotterer/Fässler verlieren viel Zeit

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19/11/2016 AM 11:48
Die Konkurrenten stolperten hingegen über verschiedene Hürden. Andre Lotterer hatte seinen Audi beim Start aus der dritten Position in Führung gebracht. Aber nach nur zehn Runden war die Show beendet. Mit abbauenden Reifen musste Lotterer vorzeitig zum Stopp, die gesamte Konkurrenz konnte ihre ersten Services hingegen zum optimalen Zeitpunkt während einer Gelbphase absolvieren. Das gleiche Pech hatten Lotterer/Fässler später noch einmal.
Dass der Audi überhaupt noch auf Platz zwei kam, war bei einer Regenphase der perfekten Reifenwahl zu verdanken. In jenen Momenten konnte Lotterer mit Siebenmeilen-Stiefeln Boden gutmachen und sich zwischenzeitlich sogar noch einmal in Führung schieben. Das Schwesterauto mit Jarvis/di Grassi/Duval lag in der ersten Rennstunde deutlich in Front, fiel aber mit technischen Problemen (Hybrid und Hydraulik) sowie einem Unfall wegen eines nicht befestigten Rads aus der Entscheidung um den Sieg vorzeitig heraus. Am Ende blieb LMP1-Rang sieben.
Im Lager von Toyota darf man jubeln. Zwar schied der TS050 von Buemi/Nakajima mit Hybriddefekt aus, aber das Schwesterauto bot eine große Show. Vor allem Stephane Sarrazin, der den Wagen mit der Startnummer 6 am Donnerstag komplett zerlegt hatte, setzte sich nachhaltig in Szene. Der Franzose arbeitete sich bei rutschigen Verhältnissen mit großartigen Manövern bis auf den zweiten Platz nach vorn, fiel aber wegen eines langsameren Stopps später wieder zurück.
Und der Porsche der amtierenden Le-Mans-Sieger um WM-Führenden? Neel Jani, Marc Lieb und Romain Dumas hatten nicht ihren glücklichsten Tag. Wegen eines Kontakts mit dem Alpine von Nicolas Lapierre musste Marc Lieb zu einem Reparaturstopp hereinkommen, bei abtrocknender Strecke verlor man zudem auf den "Regenslicks" von Michelin (Hybridreifen) entscheidenden Boden. Ein letzter Angriff von Romain Dumas auf den drittplatzierten Toyota misslang. Als Vierte sammelten Jani/Lieb/Dumas aber wichtige Punkte auf dem Weg zum Titel.

LMP2-Drama im Finale: Heimsieg für Gonzalez

Bei zahlreichen harten Kämpfen um die Spitze legte Mark Webber in der zweiten Rennstunde in einem spektakulären Duell gegen Lucas di Grassi (Audi) den Grundstein zum Sieg in Mexiko. Der Australier konnte seinen 919 Hybrid in Führung an Timo Bernhard übergeben. Der Deutsche machte es im Finale ungewollt noch einmal spannend. Nur fünf Minuten vor dem Ende des Rennens rutschte Bernhard im Stadion geradeaus, konnte einen Wandkontakt aber gerade so noch verhindern und als Sieger ins Ziel fahren.
Bei den privaten LMP1-Autos setzten sich Kraihamer/Imperatori/Tuscher (Rebellion) gegen Kaffer/Trummer/Webb (ByKolles) durch. Pierre Kaffer hatte den CLM P1/01 beim Start sensationell an beiden Toyotas vorbei auf Rang fünf gefahren, aber bereits nach einer Stunde wurde ByKolles wegen eines Injektor-Defekts am AER-Aggregat weit zurückgeworfen. Anschließend fuhr man zwar sauber durch, aber hatte keine Chance mehr.
Die LMP2-Szene sorgte bei den Mexikanern für die größte Begeisterung. "Mexiko, Mexiko" schallte es nach der Zieldurchfahrt über alle Tribünen. Der Grund: Lokalheld Ricardo Gonzalez konnte gemeinsam mit Bruno Senna und Filipe Albuquerque (RGR-Ligier) einen Heimsieg einfahren. Das Team setzte sich in einem spannenden Finale um 1,985 Sekunden gegen den Alpine mit der Startnummer 36 durch. Großes Pech für Rene Rast und seine G-Drive-Kollegen: In Führung liegend brach am Oreca-Nissan rund 30 Minuten vor dem Ende die Bremse.
Die GTE-Pro-Kategorie wurde von Aston Martin bestimmt. Darren Turner und Richie Stanway fuhr einen ungefährdeten Sieg ein. Einen Doppelsieg der Briten verhinderte nur ein Abflug von Nicki Thiim im Schwesterauto, das lange Zeit in Front gelegen hatte. Der "Dane Train" (Thiim/Sörensen) kam hinter dem Ferrari von Ginamaria Bruni und James Calado auf den dritten Klassenrang. In der GTE-Am feierten Long/Al Qubaisi/Heinemeier Hansson (Proton-Porsche) den Sieg. "Wir haben von allen die wenigsten Fehler gemacht. Das war der Schlüssel", so Long nach dem Erfolg.
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