Estadio BBVA, Monterrey, Mexiko
Sonntag, 14. Juni 2026, 20:00 Uhr Ortszeit (Montag, 15. Juni, 04:00 Uhr MESZ)
Schweden kehrt zur Weltmeisterschaft zurück – nach dem verpassten Turnier 2022 in Katar – und eröffnet Gruppe F gegen Tunesien im Estadio BBVA in Monterrey, Mexiko.
Das Duell bringt zwei Nationen zusammen, die auf sehr unterschiedlichen Wegen nach Nordamerika gelangt sind: Schweden kämpfte sich durch die europäische Play-off-Runde mit einer dramatischen Aufholjagd, während Tunesien die afrikanische Qualifikation makellos absolvierte – neun Siege und ein Unentschieden in zehn Spielen, ohne ein einziges Gegentor. Die jüngsten Ergebnisse der Nordafrikaner zeichnen dagegen ein weit weniger überzeugendes Bild.
Spielvorschau: Schweden vs. Tunesien
Schwedens Qualifikation für die WM 2026 grenzt an ein Wunder. Die Europäer-Qualifikationskampagne verlief katastrophal: letzter Platz in Gruppe B ohne einen einzigen Sieg in sechs Spielen gegen die Schweiz, Kosovo und Slowenien – ein Ergebnis, das Trainer Jon Dahl Tomasson seinen Job kostete.
Die Wende kam mit der Ernennung von Graham Potter im Oktober 2025. Der englische Trainer kennt den schwedischen Fußball bestens: Er führte Östersunds FK zwischen 2011 und 2018 von der vierten in die erste Division und in die Europa-League-Gruppenphase – und spricht fließend Schwedisch.
In den Playoffs war Viktor Gyökeres der entscheidende Mann: ein Hattrick beim 3:1 gegen die Ukraine, dann der Siegtreffer in der 88. Minute zum 3:2 gegen Polen. Das 3-4-1-2-System von Potter baut auf das Sturmtandem Gyökeres-Isak, das zu den gefährlichsten Angriffspaaren des Turniers zählt.
Gyökeres beendete die Saison 2025/26 mit 21 Toren in allen Wettbewerben für Arsenal und gewann dazu die Premier League. Alexander Isak bringt Liverpool-Erfahrung mit, auch wenn seine Saison durch einen Wadenbeinbruch unterbrochen wurde, der ihn rund vier Monate außer Gefecht setzte.
Auch in den Testspielen zeigten sich schwedische Schwachstellen: die 1:3-Niederlage in Norwegen, in der Isak in der 76. Minute das einzige Tor erzielte, sowie das 2:2 gegen Griechenland mit einem Gegentreffer in der Nachspielzeit, belegten anhaltende Anfälligkeiten in der Rückwärtsbewegung.
Tunesien reist mit zwei sehr unterschiedlichen Geschichten nach Mexiko. Die afrikanische Qualifikation war makellos: neun Siege und ein Unentschieden in zehn Partien, 22 Tore, null Gegentore – mit einem Zu-Null-Spiel in jeder der zehn Begegnungen. Eine solche Quote erreichte kein anderer afrikanischer Teilnehmer.
Der Afrika-Cup 2025 enthüllte jedoch die Grenzen des Teams: Im Achtelfinale schied Tunesien im Elfmeterschießen gegen Mali aus – obwohl die Malier bereits seit der 26. Minute in Unterzahl spielten. Die Niederlage kostete Sami Trabelsi den Trainerjob.
Nachfolger Sabri Lamouchi übernahm im Januar 2026 und hatte lediglich vier Freundschaftsspiele zur Vorbereitung auf die WM – kein einziges offizielles Pflichtspiel. Ein mühsamer 1:0-Sieg über Haiti, ein torloser Auftritt gegen Kanada, eine 0:1-Niederlage gegen Österreich und schließlich das 0:5-Debakel in Brüssel gegen Belgien, bei dem Tunesien nur einen einzigen Schuss aufs Tor brachte und mit neun Mann endete.
Mit Bundesliga-Kapitän Ellyes Skhiri von Eintracht Frankfurt als Dreh- und Angelpunkt im defensiven Mittelfeld, Rani Khedira von Union Berlin als Partner und Ismaël Gharbi vom FC Augsburg auf der Achterposition verfügt das tunesische Team über mehr Bundesliga-Präsenz als viele erwarten. Ob das unter diesem Trainer reicht, ist eine andere Frage.
Teaminfos: Schweden vs. Tunesien
Schweden
Der schwerwiegendste Verlust im schwedischen Kader ist Dejan Kulusevski. Der Tottenham-Mittelfeldspieler stand seit einer Knieverletzung im Mai 2025 gegen Crystal Palace kein einziges Mal in der Saison 2025/26 auf dem Platz und wurde daher nicht für die WM nominiert.
Kapitän Victor Lindelöf – mit 76 Länderspielen der einzige Spieler im Kader mit WM-Erfahrung (vier Einsätze 2018) – ist wegen körperlicher Beschwerden fraglich und wird bis kurz vor dem Anpfiff beobachtet.
Gabriel Gudmundsson (Leeds United, 24 Länderspiele), Stürmer Anthony Elanga von Newcastle United sowie Mittelfeldspieler Benjamin Nygren vom Celtic FC stehen ebenfalls auf der Zweifelsfallliste und werden individuell beurteilt.
Positiv: Alexander Isak ist vom Wadenbeinbruch genesen und trainierte in den vergangenen Wochen ohne Einschränkungen mit der Mannschaft.
Voraussichtliche Aufstellung Schweden (3-4-1-2): K Nordfeldt; G Lagerbielke, I Hien, V Lindelöf; D Svensson, J Karlström, Y Ayari, G Gudmundsson; B Nygren; V Gyökeres, A Isak. Trainer: Graham Potter.
Tunesien
Tunesiens einziger größerer Fragezeichen ist Hannibal Mejbri, der Burnley-Mittelfeldspieler mit 45 Länderspielen. Eine körperliche Beschwerde macht seine Teilnahme ungewiss – die endgültige Entscheidung fällt kurz vor dem Spiel.
Fällt Hannibal aus, käme Ismaël Gharbi vom FC Augsburg oder Khalil Ayari von Paris Saint-Germain für die zentrale Zehner-Position in Frage. Gharbi ist dem deutschen Fußballfan als Bundesligaspieler bestens vertraut.
Bundesliga-Kenner werden Tunesiens Kader mit Interesse betrachten. Neben Skhiri (83 Länderspiele, Eintracht Frankfurt) und Khedira (Union Berlin) kennt auch Gharbi die Bundesliga-Bühne. Dennoch zeigt ein Blick auf den Gesamtkader, dass sechs Spieler in der Türkei, der Schweiz oder Russland aktiv sind – ein Qualitätsgefälle, das im direkten Vergleich mit dem schwedischen Angriff spürbar werden könnte.
Voraussichtliche Aufstellung Tunesien (4-2-3-1): M Chamakh; Y Valery, M Talbi, O Rekik, A Abdi; E Skhiri, R Khedira; E Achouri, H Mejbri, A Ben Slimane; F Chaouat. Trainer: Sabri Lamouchi.
Voraussichtliche Aufstellungen: Schweden vs. Tunesien
Direktvergleich: Schweden vs. Tunesien
Die Historie zwischen diesen beiden Nationen ist überschaubar: vier Begegnungen insgesamt, alle in Freundschaftsspielen, nie ein offizielles Pflichtspiel gegeneinander.
Schweden gewann zweimal (jeweils 1:0, 1992 und 1999), es gab ein 1:1 im Jahr 1976, und Tunesien erzielte seinen einzigen Sieg im Februar 2003, ebenfalls mit 1:0.
Auffällig: Alle vier Duelle endeten mit maximal einem Tor Unterschied, drei davon sogar mit 1:0. Ein Muster für ein enges, intensives Spiel – wenngleich beide Kader seither vollständig ausgetauscht wurden und historische Ergebnisse über 20 Jahre alt kaum prognostischen Wert besitzen.
Das WM-Spiel am Montag früh wird die erste offizielle Pflichtspiel-Begegnung zwischen Schweden und Tunesien in der Geschichte.
Prognose und Wetttipps: Schweden vs. Tunesien
- Gyökeres traf in drei der letzten fünf Länderspiele, mit vier Treffern allein in den Playoffs
- Tunesien kassierte in keinem der zehn Qualifikationsspiele ein Gegentor, gab aber sechs Treffer in den letzten zwei Testspielen zu
- Lamouchi leitete lediglich vier Testspiele vor der WM – kein einziges offizielles Pflichtspiel
- Beide Nationen begegnen sich zum ersten Mal in einem Pflichtspiel – alle vier bisherigen Duelle waren Freundschaftsspiele