Es war immer irgendwie ein Stück heile Welt. Das Dorf. So hieß es schlicht und einfach in Antholz. Nach den Rennen trafen sich die Fans in Mittertal. Unterhalb der Biathlon-Anlage "Südtirol-Arena". Alte Bauernhöfe, die nicht mehr bewohnt sind, wurden für ein paar Tage wiederbelebt von Vereinen, die froh um die Einnahmen waren, um ihren gemeinnützigen Tätigkeiten nachkommen zu können.
Musiker spielten in den alten Stuben, man traf sich. In der Dorfmitte prasselte ein Feuer. Es gab Glühwein im Flockenwirbel. Fast kitschig. Aber schön. Es war fast Pflicht, dort noch vorbeizuschauen nach den Rennen. Dann wurden Zelte in der Nähe aufgebaut. Das "Dorf" wurde zu klein. Das war der Anfang vom Ende. Nächstes Jahr bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Antholz bleiben die knarrenden Türen der Höfe verschlossen.

Die richtigen Fans verlieren

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Längst kamen keine Biathlon-Fans mehr. Mit Bussen wurden sogenannte Zuschauer vom Pustertal hinein ins Anholzertal transportiert. Die meisten stürmten nur in die längst überfüllten Stuben oder ins Zelt, um zu trinken. Anders kann man es nicht beschreiben.
Wer an diesem Tag gewonnen hatte, juckte längst niemand mehr. Hätte es kein Rennen gegeben, wäre das auch nicht aufgefallen. Hauptsache, die Rotweingläser waren immer voll.

Masse zieht Masse an

Es ist ein Phänomen, dass immer mehr Masse immer mehr Masse scheinbar anzieht. Auch in Schladming begann es mal ruhiger. Und jetzt schieben sich die Menschen, sogenannte Fans, durch die Straßen, während längst am hell beleuchteten Hang die Slalom-Elite um Bestzeiten kämpft. Egal. Es ist ein Trugschluss zu glauben, sie alle, die 50.000, kämen wegen Hirscher, Neureuther oder Kristoffersen. Sie kommen, weil es einfach "in" ist. Treffpunkt Schladming.
Oder Flachau oder Kitzbühel. Es herrscht Fußball-Atmosphäre. Gut ist das nicht unbedingt, denn wo die Masse den Masskrug im übertragenen Sinne über den Sport stellt, wird der Sportler erniedrigt. Er dient nur noch dazu, der Befriedigung niedriger Bedürfnisse einen Grund zu geben. Auf in die Schlacht.

Exzesse gegen den Sport

Mit dickem Kopf kann man dann ja am nächsten Morgen in der Zeitung lesen, wer gewonnen hat und wo man denn überhaupt war. Zum Glück geht es in manchen Orten noch zivilisiert und normal zu. Garmisch-Partenkirchen gehört dazu, auch die Veranstalter in Frankreich haben kein Problem mit Fans, die den Ort des Rennens als Müllhalde verlassen.

Szene: Bier beim Biathlon

Fotocredit: Imago

Es liegt an den Organisatoren, an den Verbänden, die Exzesse zu verringern. Längst überschreiten die vielen Zuschauer die vorhandenen Kapazitäten. Die Infrastrukturen können mit dem Ansturm nicht mehr mithalten.

Veranstalter müssen reagieren

Bedauerlicherweise werden hohe Zuschauerzahlen immer auch als Erfolg einer Marktetingstrategie verkauft. Als Erfolg des Sports. Unendliches Wachstum wird angestrebt. Der überhöhte Alkoholgenuss forciert allerdings die Gewaltbereitschaft.
Der Wintersport wird so auch zu einer Heimat für Hooligans. Dass man in Antholz jetzt die Reißleine zieht, beruht auch auf der Erkenntnis, dass man letztlich nicht mehr in der Lage war, dem leider nicht bunten, sondern ausufernden Treiben Einhalt zu gebieten. Andere Veranstalter werden nachziehen müssen, wenn der Sport nicht gänzlich zum Zirkus verkommen soll.

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