Nachdem er 2020 seinen erste Meisterschaft im FIA Tourenwagen-Weltcup (WTCR) gefeiert hatte, verteidigte Yann Ehrlacher vergangene Woche seinen Titel als „König des WTCR“ beim Rennwochenende in Russland.**
Der Fahrer aus dem Team Cyan Racing Lynk & Co, der die Saison als der von Goodyear präsentierte #FollowTheLeader beendet hatte, stellte sich nach dem Saisonfinale auf dem Sotschi-Autodrom den Fragen der Presse.

Sie sagten, Sie hätten nie an den Titelgewinn gedacht. Ist das wirklich wahr?

„Es ist eine Halbwahrheit. Hinter uns stehen jede Menge Jungs und Mädels, die uns zu Höchstleistungen antreiben. Es beflügelt uns unheimlich, zu sehen, wie viel Arbeit sie investieren, um uns das bestmögliche Paket zur Verfügung zu stellen. Das ist der Grund, warum dieses Team so gut ist. Wir alle leben für den Sport. Für einen Fahrer gibt es nichts Schöneres, als so von seinem Team gepusht zu werden. Ich möchte mich auch bei den Werkstätten in Schweden und China bedanken, die uns das ganze Jahr über sehr unterstützt haben. Es ist halbwegs wahr, dass ich nicht an die Meisterschaft denke. Wenn die Saison schon etwas vorangeschritten ist und man den gelben Streifen am Auto hat, dann sagt man sich schon, dass es schön wäre, die Führung ins Ziel zu bekommen. Dabei darf man nicht vergessen, dass ich im Vergleich mit dem Rest des Feldes noch recht unerfahren bin. Man merkt, dass es besser ist, jedes Rennen einzeln anzugehen und zu versuchen das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen. Dann gerät man nicht so unter Druck.“

Inwieweit hat Ihnen die Erfahrung der Saison 2020, als Sie den Titel schon einmal gewonnen haben, in diesem Jahr geholfen?

„Da ich schon im letzten Jahr in dieser Situation war, wusste ich in dieser Saison besser, wie man mit dem Druck umgeht und ich fühlte mich deutlich wohler. Das soll nicht heißen, dass es einfacher war, aber ich wusste, was ich tun muss, um am Ende mein Ziel zu erreichen. So hat mir die Tatsache, dass wir das Saisonfinale auf einer neuen Strecke bestreiten weniger Sorgen gemacht, als die Frage, ob diese Strecke dem Lynk & Co liegen wird. Denn 36 Punkte können in zwei Rennen sehr schnell verschwinden. Ich habe mich einfach darüber gefreut, wieder die Chance zu haben, den Titel zu gewinnen. Aus diesem Grund bin ich aufs Ganze gegangen und am Ende habe ich das Beste daraus gemacht.“

Vor dem Saisonfinale in Sotschi haben Sie beim Wochenende in der Adria eine Ihrer besten Leistungen gezeigt seit Sie im WTCR sind. Inwieweit hat sich das auf Ihr Selbstvertrauen ausgewirkt?

„Ich wusste, dass das Rennwochenende in der Adria ein Wendepunkt hätte werden können. An Orten wie diesen, kann man nicht damit rechnen die Meisterschaft zu gewinnen, aber man kann sich ziemlich sicher sein, dass man sie dort hätte verlieren können. Es hätte für uns also ganz schnell in die falsche Richtung hätte gehen können. Deswegen war ich so glücklich darüber, wie wir es zusammen als Team geschafft haben, das Beste aus diesem Wochenende herauszuholen. Wir waren in der Adria mit vielen Herausforderungen konfrontiert und wir haben immensen Druck verspürt. Dennoch haben wir es geschafft. Wir sicherten uns für beide Rennen die Poleposition und damit zehn zusätzliche Punkte, die sehr wichtig waren. Das erste Rennen bin ich dann sehr vorsichtig angegangen, denn mir war bewusst, dass es Fahrer geben wird, die sehr aggressiv in das Rennen gehen würden. Ich habe mich komplett auf Rennen 2 fokussiert. Da unsere Pace im ersten Rennen nicht gut war, haben wir zwischen den Rennen einige Anpassungen am Set-up vorgenommen. Das hat sich ausgezahlt. Unsere Pace im zweiten Rennen war überragend und ich konnte die ganze Zeit vorne wegfahren. Der Start war besonders wichtig für uns, weil die letzten drei oder vier Starts davor immer sehr schlecht gewesen waren. Uns war also bewusst, dass wir einen perfekten Start brauchen würden, um unsere Führung zu verteidigen und letztendlich kam ich in der ganzen Saison nicht so gut von der Linie weg wie in der Adria.“

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Sie nicht den besten Saisonstart hatten, und Sie haben oft über Ihre Frustration gesprochen. Wie haben Sie das Ruder herumreißen können?

„Der Saisonstart war wirklich schwierig, besonders das Wochenende auf der Nordschleife. Eigentlich war unsere Pace gut genug, um ein Rennen zu gewinnen oder zumindest auf dem Podium zu landen. Doch am Ende wurde wir nur Achter [in Rennen 1] und Zehnter [in Rennen 2]. Dadurch haben wir viele Punkte verloren. Wenn man weiß, wie eng es in dieser Rennserie zugeht, will man seinen Konkurrenten so wenig Punkte wie möglich schenken. Deswegen war dieses Ergebnis auch so bitter für uns. Es war nicht leicht, die Saison mit einem Tief zu starten, nachdem wir die vergangene Saison auf einem Hoch beendet hatten. Zum Glück konnten wir in Portugal das Reverse-Grid-Rennen gewinnen, wodurch wir uns im Titelkampf zurückmeldet haben. In den beiden folgenden Rennwochenenden haben wir jegliche Fehler vermieden und gute Punkte geholt. Zur Saisonhalbzeit in Ungarn haben wir dann die Führung in der Meisterschaft übernommen und nie wieder hergegeben. Dort fühlen wir uns als Team am wohlsten, denn schon im vergangenen Jahr haben wir die Meisterschaft seit dem ersten Rennwochenende stets angeführt. Der Schlüssel zum Erfolg heißt Konstanz. Das Team hat mir stets ein hervorragendes Auto zur Verfügung gestellt, wodurch es leichter für mich war, diese Konstanz zu zeigen und mich aus allen Schwierigkeiten rauszuhalten. Seit Anfang 2020 sind wir in keinem Rennen ausgefallen und immer in die Top 10 gekommen. Man kann in dieser Rennserie keine Rennen gewinnen, wenn das Auto nicht perfekt auf die Strecke passt. Aus diesem Grund sind konstante Ergebnisse das Wichtigste.“

Welche Rolle haben Ihre Teamkollegen bei der Titelverteidigung in Sotschi gespielt?

„Ich wusste, dass ich auf ihre volle Unterstützung würde setzten können, denn ich stand eindeutig im Vordergrund. Natürlich ist der Gewinn der Teammeisterschaft das Hauptziel, aber da das noch nicht in trockenen Tüchern war, war der erste Schritt dahin, sicherzustellen, dass ich die Fahrermeisterschaft gewinne. Aus diesem Grund hätte ich auch meinen Teamkollegen geholfen, wenn sie um die vorderen Plätze in der Meisterschaft gekämpft hätten. Unsere Hoffnung bestand darin, den Titel schon frühzeitig am Wochenende zu sichern, um nicht bis zum Ende kämpfen zu müssen.“

Haben Sie das Gefühl, dass Sie sich im Vergleich zum letzten Jahr mental weiterentwickelt haben? Können Sie bei sich selbst eine Entwicklung in den letzten Jahren ausmachen?

„Ja, als ich in die Meisterschaft eingestiegen bin, war ich etwas jünger, hatte weniger Erfahrung und ich war auch nicht so gut wie jetzt. Je mehr Erfahrung man sammelt, desto geradliniger wird man im Kopf. Deswegen habe ich im Vergleich zum letzten Jahr nochmal einen Schritt nach vorne gemacht, denn in der vergangenen Saison habe ich meinen ersten Titel gewonnen. Danach wieder bei null anzufangen, war ehrlich gesagt etwas schwierig für mich. Doch man muss das überwinden, um wieder hier stehen zu können. Letztendlich habe ich mich mental am stärksten verbessert. Denn auf diesem Niveau können wir alle schnell fahren. Es geht am Ende darum, wie man mit dem Druck während der Saison umgeht. Ich habe das Gefühl, dass es dieses Jahr sogar schwieriger war als in der vergangenen Saison. Deswegen bin mir sicher, dass ich dadurch noch stärker geworden bin.“

Sie haben jetzt zwei FIA-Weltmeistertitel gewonnen und sind erst 25 Jahre alt. Wie fühlen Sie sich dabei?

„Das ist natürlich großartig. Das ist im WTCR noch niemanden gelungen und in der WTCC ist es auch schon einige Jahre her [2016]. Am Ende ist das der Grund, warum ich diesen Job mache und ich bin natürlich überglücklich.“

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

„Nächstes Wochenende beginnt meine zweite Saison [die Trophée Andros]. Ich habe also keine Pause. Darauf werde ich mich jetzt konzentrieren, nachdem der ganze Druck von uns abgefallen ist.“



**Vorbehaltlich der Bestätigung der Ergebnisse durch die FIA
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