Nathanael Berthon bereitet sich mit einem guten Gefühl auf die Saison 2021 des FIA Tourenwagen-Weltcups (WTCR) vor.
"Die Konkurrenz ist extrem stark. Das Feld ist unglaublich. Wir müssen uns voll konzentrieren, jedes Detail zählt."
Nach seinem bahnbrechenden ersten Rennsieg im FIA Tourenwagen-Weltcup (WTCR) im Jahr 2020 wurde Nathanael Berthon zusammen mit Frédéric Vervisch für die WTCR-Saison 2021 als offizieller Audi-Sport-Pilot von Comtoyou Racing verpflichtet.

Neben dem Einsatz im WTCR - an der Seite von Tom Coronel im Comtoyou DHL Team Audi Sport - war der 31-jährige Franzose maßgeblich an der Entwicklung der zweiten Generation des Audi RS 3 LMS beteiligt.

Das mit Goodyear-Reifen ausgerüstete Auto feiert seine Weltpremiere beim mit Spannung erwarteten WTCR-Saisonauftakt vom 3. bis 5. Juni auf der Nürburgring-Nordschleife in Deutschland.

Was Berthon, der auch schon in der GP2 gewonnen und in der Formel 1 getestet hat, vorab zu sagen hat:

Nach einem starken Jahr 2020 und angesichts der Tatsache, dass Audi Ihnen das Vertrauen geschenkt hat, bei der Entwicklung der zweiten Generation des RS 3 LMS zu helfen, gehen Sie in die Saison 2021, oder?
"Es ist wirklich toll, an der Entwicklung des Autos mitzuwirken. Das ist etwas, was ich sehr gerne mache. Wir sind rund 5.000 Kilometer mit dem Auto gefahren und haben viele Dinge ausprobiert. Ich fühle mich sehr wohl im Auto. Es ist sehr komfortabel und ich verbessere mich ständig. Das ist jetzt mein drittes Jahr im WTCR und ich fühle mich stärker. Ich fühle mich bereit, voll anzugreifen. Ich sammle mehr und mehr Erfahrung und mit unserem Paket habe ich ein gutes Gefühl."

Aber Sie treffen auf starke Konkurrenz. Wie sehen Ihre Erwartungen aus?
"Die Konkurrenz ist extrem stark. Das Feld ist unglaublich. Also wird es in diesem Jahr auf jeden Fall schwierig werden. Wir müssen uns voll konzentrieren, jedes Detail zählt. Ich bin absolut auf den WTCR fokussiert. Das muss ich auch sein, wenn ich gegen die anderen kämpfen will, denn das Niveau ist sehr hoch und die Konkurrenz ist sehr stark."

Die 25,378 Kilometer lange Nürburgring-Nordschleife steht als erstes an. Kann es überhaupt eine schwierige Strecke geben, um in die Saison zu starten?
"Es ist eine tolle Strecke, die Grüne Hölle, die jeder kennt. Ich hatte dieses Jahr die Möglichkeit, dort ausgiebig zu fahren. Ich habe mein Permit A bestanden und habe daher Erfahrung auf der Strecke. Das gibt mir mehr Selbstvertrauen. Voriges Jahr war diese Strecke ohne die Erfahrung womöglich meine Schwachstelle. Diesmal will ich vorne dabei sein."

Sie hätten sich also keine andere Rennstrecke für den Saisonauftakt gewünscht?
"Es ist immer schwierig, mit der Nordschleife zu beginnen, weil es einfach eine absolut einzigartige Strecke ist. Es ist ein Kurs der alten Schule, sehr schnell. Dass die Strecke in Deutschland liegt, ist gut, denn das ist die Heimat von Audi. Ich bin zuversichtlich, dass die Charakteristik des Autos auf der Nordschleife besser passt. Wir werden zwar eines der schwersten Autos in der Startaufstellung haben, aber ich freue mich, dort anzutreten."

Fühlen Sie sich aufgrund Ihrer Erfahrung am Steuer des Audi und Ihrer gewachsenen Rolle in diesem Jahr als Teil der Audi-Familie?
"Ich habe eine sehr, sehr gute Verbindung zu meinem ganzen Team. Alle Audi-Leute heißen mich herzlich willkommen. Es ist sehr schön, Teil der Audi-Familie zu sein. Es ist toll, mit den Leuten zu arbeiten. Das gibt einem noch mehr Motivation. Voll in die Entwicklung eingebunden zu sein, ist aufregend. Die technische Seite ist etwas, was ich sehr mag. Audi gibt sich viel Mühe. Die harte Arbeit ist offensichtlich. Es ist immer schwierig, ein neues Auto zu bauen, aber dieses Auto ist sehr ausgereift. Ich hoffe sehr, dass wir mit dem neuen RS 3 LMS glänzen werden."

Neben einem starken Auto sind Sie auch Teil eines starken Fahreraufgebots. Inwiefern spielt das für die Zukunft eine Rolle?
"Das Niveau im Team ist extrem hoch. Das spornt einen an, der Beste zu sein, und das ist gut. Mit Fred [Vervisch] verstehe ich mich schon lange sehr gut. 2018 hatte er schon mehr Erfahrung, aber wir haben uns auf die richtige Art und Weise ausgetauscht und ich habe von ihm gelernt. Jetzt teilen wir uns die Entwicklung des Autos und es ist schön, wieder mit ihm im Team zu fahren. Er wird alle anspornen. Dann ist da noch Tommy Boy, Tom Coronel. Er ist einer der besten Teamkollegen, die man haben kann. Er ist ein toller Kerl. Ich bin wirklich froh, seit zwei Jahren sein Teamkollege zu sein. Natürlich kämpfen wir auf der Strecke gegeneinander. Aber wir fahren das gleiche Auto und die Zusammenarbeit mit ihm macht wirklich Spaß. Wenn er stärker wird, dann werden auch ich stärker sein, denn wir bauen uns auf. Und Gilles Magnus, wow! Er ist noch jung, hat nicht so viel Erfahrung wie wir, aber er ist talentiert, superschnell und ein weiterer Fahrer, mit dem man die Daten teilen kann. Dieses Fahreraufgebot ist eine großartige Entscheidung von Audi und Comtoyou. Wir sind gut auf der Strecke und wir sind Freunde abseits der Strecke, also ist es perfekt."

Rückblickend auf 2020, welche Elemente haben Sie am meisten zufriedengestellt und in welchen Bereichen müssen Sie sich in diesem Jahr verbessern?
"Es ist immer gut, eine Pole-Position und einen Sieg zu holen, aber es war ein hartes Stück Arbeit. Ich muss noch viel lernen, denn das WTCR-Auto ist komplett anders als das, was ich kannte. Ich bin immer andere Arten von Autos gefahren und als ich [2018] in den WTCR kam, musste ich komplett bei Null anfangen. Der Fahrstil ist ein anderer, aber meine Erfahrung aus dem vergangenen Jahr hilft mir zu verstehen, wie man das Auto abstimmt und schnell reagiert. Während eines Rennwochenendes gibt es nicht viel Zeit. Man muss das Beste daraus machen und das tun wir. Natürlich wird es dieses Jahr nicht einfach, aber ich fühle mich sehr wohl im Team. Wir verstehen uns sehr gut und haben ein sehr gutes Auto. Es gibt aber noch jede Menge zu testen, denn das Auto ist ganz neu. Wenngleich wir schon gut vorangekommen sind, haben wir noch viel zu tun. Daher fällt es mir schwer, eine Erwartung zu formulieren. Wir werden alles geben, um an der Spitze mitzukämpfen. Ich bin zuversichtlich und das Team ist es ebenfalls. Alle geben Vollgas. Wenn uns Siege gelingen sollten, wäre das fantastisch."

Was würden Sie in dieser Saison gerne erreichen?
"Es gibt da zwei Fragen: Glaubst du, dass du den Titel gewinnen kannst oder willst du den Titel gewinnen? Jeder Fahrer will gewinnen, also ist das natürlich das Ziel. Wir müssen aber auch realistisch sein. Wir haben ein neues Auto, das wir kennenlernen müssen - ein Auto, das noch keine Rennkilometer absolviert hat. Wir müssen also nach den ersten zwei oder drei Rennen sehen, wo wir stehen. Was die anderen betrifft, bin ich mir sicher, dass sie hart gearbeitet haben. Wir haben sie beim Testen gesehen und wissen, dass die Konkurrenz in diesem Jahr so stark ist, dass wir aufpassen müssen."

Und zuletzt: Ohne einen Frühstart hätte Ihre WTCR-Saison 2020 mit einem Sieg beginnen sollen. Glauben Sie, dass Sie ohne den Frühstart gewonnen hätten und wie haben Sie dieses Negativerlebnis in ein positives verwandelt?
"Es war ein sehr, sehr schwieriger Tag mit diesem Fehler am Start. Wir haben viel an der Startprozedur gearbeitet und ich hoffe, dass wir keine weiteren Probleme haben werden. Aber es war wirklich schmerzhaft, wenn man weiß, dass man das erste Rennen der Saison gewinnen kann, es aber nicht geschafft hat. Okay, die Pole-Position ist gut, aber letzten Endes will man das Rennen natürlich gewinnen. Ich war sehr traurig für das Team, denn alle haben so hart gearbeitet. Es war irgendwie eine unfaire Situation. Man fühlt sich schlecht, aber ich wusste, dass ich schnell im Auto war und dass sich das Team auf mich verlassen konnte. Wir wussten, dass wir Besseres erwarten konnten. Das gibt einem zusätzliche Motivation und zusätzliches Selbstvertrauen. Wenn man mich fragt, welche Mannschaft ich will, welches Team, welchen Teamkollegen, welches Auto, dann glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass ich mir etwas Besseres ausgesucht hätte als das, was ich jetzt habe. Ich bin sehr glücklich in meiner jetzigen Position und ich bin allen um mich herum sehr dankbar. Ich sehe, dass alle wie wild pushen. Dieser Winter war wirklich anspruchsvoll, ein neues Auto zu entwickeln. Diese Arbeit ist keine einfache. Daher hoffe ich wirklich, dass sich die Anstrengungen aller am Ende des Jahres auszahlen werden."
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