Die Saison 2021 des FIA Tourenwagen-Weltcups (WTCR) wird für Tom Coronel die 32. Rennsaison. Der Niederländer wähnt sich so "scharf" wie seit zehn Jahren nicht mehr.
"Das Auto kennt dein Alter nicht. Erfahrung ist das Wichtigste."
Mit einem von Comtoyou Racing eingesetzten Audi RS 3 LMS der zweiten Generation und mit Goodyear-Reifen geht Coronel vom 3. bis 5. Juni beim Saisonauftakt 2021 des Tourenwagen-Weltcups (WTCR) auf seine Lieblingsrennstrecke, der legendären Nürburgring-Nordschleife, an den Start.

Nachdem der 49-jährige Coronel im Januar seinen Zwillingsbruder Tim bei der Rallye Dakar ins Ziel navigiert hatte, genoss er seither eine produktive Testphase vor der Saison, war in der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) erfolgreich und qualifizierte sich Anfang Mai auf dem Slovakiaring auf der Pole-Position für das Auftaktrennen der TCR Europe. Was der von DHL unterstützte Niederländer vor der WTC-Saison 2021 zu sagen hat:

Bei aller Liebe und Respekt, den Sie für die Nürburgring-Nordschleife empfinden, gibt es wohl keinen besseren Ort für den Start der WTCR-Saison 2021, oder?
"Es gibt keine anspruchsvollere Rennstrecke auf dem Planeten Erde. Die Saison dort zu beginnen, macht es besonders spannend. Normalerweise starten wir auf einer normalen Rennstrecke in die Saison. Diesmal aber beginnen wir auf meiner Lieblingsrennstrecke und das hilft sehr. Es hilft auch, dass ich zwei NLS-Rennen bestritten habe und im Team von Benny Leuchter meine Klasse gewonnen habe. Um ehrlich zu sein fühle ich mich so gut vorbereitet wie ich es seit zehn Jahren nicht mehr."

Weshalb fühlen Sie sich so gut vorbereitet?
"Ich spüre die Beziehung zu Audi und die Beziehung zu Comtoyou. Wir kennen unsere Stärken und unsere Schwächen. Das heißt, wir haben uns gegenseitig herausgefordert, um zu 100 Prozent vorbereitet in die Saison zu gehen. Ich habe das Gefühl, dass wir das geschafft haben. In der TCR Europe stand ich in der Slowakei auf der Pole und war der Schnellste im Nassen. Ich fühle mich auch persönlich, in meinem Körper und meinem Geist, so bereit wie seit zehn Jahren nicht mehr."

Einige Fahrer hätten es vorgezogen, die Saison auf einer etwas 'einfacheren' Strecke zu beginnen. Das ist aber eindeutig nicht Ihre Ansicht, oder?
"Nein! Überhaupt nicht, nein, nein, nein. Wir müssen sowieso auf dieser Strecke fahren, also wo ist das Problem, dass es das erste Rennen ist. Das macht für mich keinen Unterschied."

Wie viel Auftrieb hat Ihnen die Pole-Position in der Slowakei gegeben?
"Es istderSchub. Es gibt in TCR Europe ein paar Fahrer, die WTCR gefahren sind, wie etwa [Mikel] Azcona und ein paar andere. Natürlich ist es einen Unterschied. Im WTCR gibt es 20 Fahrer, die den Titel gewinnen können. Ich glaube, das ist in der TCR Europe nicht der Fall. Aber dabei zu sein und in dem Moment scharf zu sein, in dem man scharf sein muss, das ist bei mir der Fall gewesen. Außerdem habe ich mich durch viele Dinge um mich herum nicht ablenken lassen."

Was heißt das konkret?
"Ich bin in diesem Jahr fokussierter. Normalerweise habe ich andere Dinge zu tun, weil ich mit dem Motorsport kein Geld verdiene. Aber in diesem Jahr habe ich gesagt, dass wir zu 100 Prozent Motorsport betreiben werden. Und ich sehe, dass sich das bei den Tests und auch in der Slowakei schon ausgezahlt hat. Wir haben ziemlich viel getestet. Ich fahre viele Kilometer und alles zusammengenommen macht mich schärfer als in den vergangenen zehn Jahren. Das sieht man auch, denn an den Testtagen war ich immer einer der Besten."

Sie fahren 2021 die zweite Generation des Audi RS 3 LMS. Wie sind Ihre bisherigen Eindrücke?
"Das Auto ist ganz neu und steht noch am Anfang der Entwicklung. Es fühlt sich aber schon besser an. Es ist auf Longruns konstanter und davon haben wir bei den Tests jede Menge absolviert. Das ältere Auto hat die Vorderreifen ziemlich stark strapaziert. Das hat man für dieses neue Auto verbessert. Es gefällt mir, denn es reagiert gut. Mit diesem Auto gibt es einfach keine bösen Überraschungen."

Estoril ersetzt in diesem Jahr Vila Real als Austragungsort für das WTCR-Rennen von Portugal. Sie sind dort in der Vergangenheit schon Rennen gefahren. Wie gut passt die Strecke zum WTCR?
"Sie ist sehr schön. Zwei Mal war ich schon dort und habe geführt. 2001 führte ich das Rennen der Le-Mans-Series an, wurde dann aber aus dem Rennen gerissen. Wenn man auf YouTube nach 'Coronel Estoril' sucht, findet man es! Während ich den Kerl überrundet habe, fuhr er mir auf der Start-Ziel-Gerade ins Heck! Abgesehen davon habe ich auch mein erstes internationales Tourenwagenrennen in Estoril gefahren. Das war ebenfalls im Jahr 2001. Zwischen Patrick Huisman und Peter Kox ging es um den Titel. Sie haben sich gegenseitig abgeschossen und ich führte das Rennen an. Dann, zwei Kurven vor Schluss, nahm mich Gianni Morbidelli raus. Ich drehte mich und wurde schließlich Dritter. Wenn wir so etwas heute machen würden, wären wir für ein Jahr gesperrt, hundertprozentig. Aber die Strecke war damals gut für die Rennen und so wird es auch diesmal sein, mit den langen Geraden, den harten Bremspunkten, und den tollen Kurvenkombinationen, in denen man sich neben den Vordermann pressen kann. Natürlich vermisse ich Vila Real, denn ich liebe Stadtkurse und habe dort in der Vergangenheit einen Rennsieg eingefahren. Vila Real ist immer besonders und einzigartig, aber wenn man einen Ersatz finden muss, dann ist Estoril die beste Wahl."

Sie sind Teil eines sehr starken WTCR-Fahrerfeldes 2021, zu dem auch zwei alte Freunde gehören, Jordi Gené und Rob Huff. Inwiefern spielt das für Sie eine Rolle?
"Ich habe Huffy eine SMS geschickt und gesagt: 'Willkommen zu Hause. Das ist die Rennserie, in die du gehörst'. Ich fand es seltsam, dass er vergangenes Jahr nicht dabei war. Dieser Typ hat so viele Rekorde im Tourenwagensport aufgestellt. Wir waren immer zusammen. Er ist einer meiner guten Kumpels im Rennsport. Und Jordi Gené kenne ich noch als Teamkollegen aus der ETCC. Das war vier oder fünf Jahre, bevor die WTCC begann. Selbst als er nicht mehr für SEAT fuhr, wollte ich immer seine bevorzugte Abstimmung, denn er war immer der Testfahrer mit der besten Fahrzeugabstimmung. Das ist seine Stärke. Jordi hat viel Erfahrung. Auch wenn es immer schwierig ist, wenn man eine Zeit lang draußen war, wird er eine Rolle spielen können. Schließlich hat er in der Vergangenheit in WTCC Siege eingefahren. Und wir müssen bedenken, dass das Auto dein Alter nicht kennt. Erfahrung ist das Wichtigste, um im Tourenwagensport schnell zu sein und um gut mit dem Auto umzugehen."

Auch Fréderic Vervisch ist zurück und wieder bei Comtoyou Racing. Welchen Einfluss wird er haben?
"Ich mag ihn sehr. Wir plaudern immer zusammen, besonders am Nürburgring. Er ist dort immer schnell, einer der Experten. Es ist wirklich toll, das er wieder da ist."

Womit wäre Tom Coronel am Ende der WTCR-Saison 2021 zufrieden?
"Rennsiege und Top 5 in der Gesamtwertung. Das kann ich schaffen. Wie gesagt, ich bin so scharf wie seit zehn Jahren nicht mehr und so gut vorbereitet wie nie zuvor. Ich habe das Gefühl, dass alle Details beachtet wurden, die Kombination mit dem Team, die Kombination mit dem Sponsor, mit meinen Teamkollegen, meinem Ingenieur. Ich war noch nie so stark."

"Meine älteren Brüder fuhren Rennen und ich war Mechaniker für sie. Sie machten mir ein Geschenk in Form eines Rennfahrerlehrgangs. Den habe ich erfolgreich absolviert und als Belohnung gab es eine Saison im Citroën AX Cup, bezahlt von Citroën Niederlande. So habe ich mit dem Rennsport angefangen, denn es gab keinen finanziellen Rückhalt in der Familie. Wir hatten kein Geld. Ich wuchs sozusagen im Windschatten von Jos Verstappen auf und konnte schließlich bei meinem Heimrennen [im Nationen-Cup] zeigen, dass es noch einen anderen starken Niederländer gibt. Als wir siegten, drehten die Zuschauer drehten durch. Die ganze Start-Ziel-Gerade war voll mit Bannern."

Teil 1:https://www.youtube.com/watch?v=xoK60ww6NP4
Teil 2:https://www.youtube.com/watch?v=B271DhunREs
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