Néstor Girolami träumt davon, den FIA Tourenwagen-Weltcup (WTCR) zu gewinnen. Gleich beim ersten von insgesamt zehn Rennwochenenden zeigte der Argentinier, dass er dazu durchaus in der Lage ist. Nachdem er im Qualifiyng am Samstag auf die Poleposition gefahren war, gewann er in seinem mit Goodyear-Reifen ausgerüsteten Honda Civic Type R TCR das erste Rennen.
Mit diesem Ergebnis und den Punkten, die er als Siebter im zweiten Rennen bekam, ist Girolami der momentane, von Goodyear präsentierte #FollowTheLeader. Diesen Status will er beim Rennwochenende in Deutschland, welches vom 26. bis 28 Mai. auf der Nordschleife des Nürburgringes, der härtesten Rennstrecke der Welt, stattfinden wird, verteidigen.

Nach dem Rennwochenende in Pau stellte sich der Pilot aus dem ALL-INKL.COM Münnich Motorsport für ein Interview zu Verfügung.

Mit dem Sieg im ersten Rennen auf dem Circuit de Pau-Ville haben Sie einen großartigen Saisonstart hingelegt. Wie schwierig war es, das Rennen anzuführen?

"Die Saison mit einem Doppelsieg mit meinem Teamkollegen Esteban Guerrieri zu beginnen, war unglaublich schön. Wir wussten, der Schlüssel zum Rennsieg der Start war und den haben wir beide gut hinbekommen. Danach ging es darum die Reifen zu managen und die Kerbs zu vermeiden, da diese die Reifen in Mitleidenschaft ziehen können. Ich bin also sehr zurückhaltend gefahren."

Wie viel Konzentration erfordert es, vorne zu bleiben und nicht in die Leitplanken zu krachen?

"Es ist sehr schwierig, auf einem Stadtkurs langsam zu fahren, weil man daran gewöhnt ist, immer 100 Prozent zu geben und wenn man auf einmal nicht mehr so schnell fährt, muss man sich teilweise noch mehr konzentrieren. Es ist also tatsächlich schwieriger, langsam zu fahren. Deswegen habe ich versucht, so schnell wie möglich zu fahren und jede Runde zu pushen, denn wenn man zu sehr verlangsamt, verliert man die Konzentration und genau dann kommt es zu Fehlern. Am Ende bin ich ungefähr 80-90 Prozent so schnell gefahren, wie es möglich gewesen wäre und habe das Rennen damit gewonnen."

Wie befriedigend ist es, das erste Rennen der Saison zu gewinnen, wenn man weiß, wie viel Mühe man im Winter in die Vorbereitung gesteckt hat?

"Wir haben eigentlich die maximale Punkteausbeute geholt, die an diesem Wochenende möglich gewesen ist. Das ist sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, dass diese Strecke nicht nur für die Fahrer, sondern für das gesamte Team eine unglaubliche Herausforderung darstellt. Der Grundstein für den Erfolg war das Qualifyingergebnis. Am Samstag konnte ich alles aus dem Honda Civic Type R TCR herausholen. Das war nicht nur für den Rest des Wochenendes wichtig, sondern auch, weil es jetzt im Qualifying mehr Punkte zu holen gibt. Die Zusammenarbeit mit René [Münnich] an diesem Wochenende war herausragend. Er ist mein Renningenieur und mein Teamchef und es ist großartig, dass wir unser erstes gemeinsames Rennen gewinnen konnten. Im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren war es ein unglaublicher guter Saisonstart. Aber in den letzten Jahren hatten wir während der Saison einige Probleme, die uns viel Schwung gekostet haben. Das müssen wir abstellen, wenn wir um den Titel kämpfen wollen. Es ist also wichtig, dass wir konstanter werden und an unserer mentalen Einstellung arbeiten. Aber mir war schon vor dem Wochenende bewusst, dass hier einiges gehen kann, denn unser Gesamtpaket funktioniert auf solchen Strecken und bei diesen Temperaturen sehr gut."

Was können Sie in diesem Jahr erreichen?

"Wir müssen jetzt den Schwung mitnehmen und clever sein in diesem Jahr, aber der Saisonstart war ja schonmal perfekt. Wir sind in dieser Saison ein stärkeres Team und wollen beide Titel gewinnen. Um das zu erreichen, werden mir meine Erfahrungen der vergangenen drei Jahre zu Gute kommen. Ich habe jetzt das Niveau erreicht, mit dem ich um Titel kämpfen kann und das ist genau das, was ich will. Aber es ist nicht so, dass nur der Fahrer besser werden will, auch das Team möchte Fortschritte machen. Da wir jetzt nur noch zwei statt vier Autos einsetzen, kann sich das Team mehr auf die Autos von Esteban und mir konzentrieren, wodurch die Vorbereitung insgesamt besser ist."

Sie halten den WTCR-Rundenrekord auf der Nürburgring-Nordschleife. Gibt Ihnen das Selbstvertrauen für das Rennwochenende in Deutschland?

"Natürlich wissen wir, dass wir auf unterschiedlichen Strecken unterschiedlich stark sind und auf der Nordschleife waren wir in den vergangenen Jahren gut unterwegs. Doch auf Strecken wie dem Motorland Aragon haben wir uns in den letzten Jahren schwergetan. Es ist also wichtig, dass wir auf den Strecken, die uns liegen, so viele Punkte wie möglich holen. Und dann müssen wir, auf Strecken, die uns nicht entgegenkommen, das Beste herausholen – Nur so können wir den Titel gewinnen. Ich habe in Argentinien alles hinter mir gelassen, denn es ist mein Wunsch, diesen Weltmeistertitel zu gewinnen. Deshalb werde ich in dieser Saison so clever wie möglich fahren, um ihn mir endlich holen zu können."

Und vielleicht gibt es für die Familie Girolami in diesem Jahr gleich zwei Titel zu feiern - Ihr jüngerer Bruder Franco, der vor kurzem zum ersten Mal Vater geworden ist, führt die TCR-Europa-Wertung nach den ersten Rennen an...

"Für unsere Familie ist es etwas ganz Besonderes, dass wir zwei Brüder die WTCR-Meisterschaft und die TCR-Europa-Meisterschaft anführen – das hat es bisher noch nie gegeben. Ich denke, wir können beide sagen, wir haben einen guten Job gemacht. Franco hat sich im vergangenen Jahr sehr gut an den europäischen Rennsport angepasst und bewiesen, dass er das Zeug dazu hat, zu gewinnen. In diesem Jahr kann ich ihn allerdings nicht mehr so unterstützen, denn er ist jetzt ein Audi-Fahrer und damit einer meiner Rivalen. Aber wir reden immer noch sehr viel über den Rennsport, was sehr gut für unsere Beziehung ist. Wir fahren gerne mal zusammen im Simulator und wir trainieren auch zusammen. Zwischen uns herrscht ein gesunder Wettbewerbsgeist und wir pushen uns gegenseitig. Wir sind es gewohnt, Rivalen zu sein, denn in Argentinien sind wir in der gleichen Rennserie gegeneinander angetreten. Dass wir jetzt für unterschiedliche Marken in unterschiedlichen Rennserien fahren, hilft uns das Private vom Beruflichem zu trennen. Er hat seine beruflichen Interessen und ich habe meine. Uns beiden sind die Marken und Teams für die wir fahren wichtig. Dennoch respektieren und schützen wir die Privatsphäre des anderen. Aber natürlich freue ich mich, wenn er in der TCR Europa gewinnt. Sein Ziel ist es, in diesem Jahr Meister zu werden und ich glaube wirklich, dass er das schaffen kann. Aber das Gleiche gilt auch für mich im WTCR. Wir werden also beide versuchen, Geschichte zu schreiben und es wäre fantastisch, wenn uns das gelingen würde."
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