Realistisch betrachtet wird es allerdings auf einen Zweikampf zwischen Volvo-Pilot Thed Björk und Honda-Werksfahrer Norbert Michelisz hinauslaufen. Gerade einmal 6,5 Punkte (zur Gesamtwertung) trennen die beiden Rivalen vor dem zehnten Rennwochenende der Saison 2017, bei dem insgesamt noch 60 WM-Punkte vergeben werden.
Theoretisch könnten damit auch Mehdi Bennani (SLR-Citroen), Nick Catsburg (Volvo), Tom Chilton (SLR-Citroen) und Esteban Guerrieri (Honda) Weltmeister werden, doch bei jeweils mehr als 50 Punkten Rückstand müssten sie auf einen Totalausfall von Björk und Michelisz hoffen.

Michelisz der schnellere Fahrer

WTCC Qatar
Bühne frei für das WTCC-Saisonfinale in Katar
29/11/2017 AM 16:32
Der Schwede ist dabei in der Rolle des Gejagten, in der er sich nach eigener Aussage aber wohlfühlt. "Als ich klein war, wollte ich unbedingt Formel-1-Weltmeister werden. Doch das hier ist genau so gut. Ich fühle mich entspannt", sagt er. "Nach Macao spüre ich, dass ich einer derjenigen bin, die es schaffen können." Mit einem Titelgewinn in seiner zweiten Saison in der WTCC würde Björk das Engagement von Volvo in der Tourenwagen-WM krönen.
Doch auch Michelisz fühlt sich in der Position des Jäger pudelwohl und setzt bereits im Vorfeld die erste Spitze gegen seinen Rivalen. "Ich will Thed gegenüber nicht zu aggressiv sein, aber aus meiner Sicht steht er unter Druck", sagt er. "Er führt, ich muss Punkte auf ihn aufholen und habe im Grunde nichts zu verlieren." Auch für den früheren PC-Spieler Michelisz, der nach dem unfallbedingten Ausfall von Tiago Monteiro bei Honda die Rolle des Teamleaders übernahm, wäre der WM-Titel die Krönung einer außergewöhnlichen Laufbahn.

Michelisz

Fotocredit: Eurosport

Und seine Chancen auf den Titelgewinn stehen nicht schlecht, denn über die gesamte Saison hinweg war Michelisz der schnellere Fahrer als Björk. Er gewann bisher drei Rennen und damit eins mehr als Björk und ist seit den Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife im Mai bei jedem Qualifying auf der Strecke in die erste Startreihe gefahren. Und ohne die Disqualifikation der Hondas in China würde Michelisz die WM-Tabelle anführen.

Moralische Unterstützung durch Tiago Monteiro

Im vergangenen Jahr nahm allerdings Björk aus dem Rennwochenende in Katar mehr Punkte als Michelisz mit, allerdings waren die Honda Civics vor Jahresfrist auch 30 Kilogramm schwerer als die Volvo S60. In diesem Jahr herrscht in diesem Punkt Waffengleichheit, denn beide Autos müssen in Losail mit dem maximalen Kompensationsgewicht von 80 Kilogramm fahren. So läuft es also auf einen Zweikampf auf der Rennstrecke hinaus.
Dabei könnte auch den jeweiligen Teamkollegen eine wichtige Rolle zukommen, was auch für den Kampf um die Herstellermeisterschaft gilt. Hier ist der Vorsprung von Volvo (804,5 Punkte) auf Honda (792) mit 12,5 Zählern ebenfalls sehr gering und die Entscheidung damit völlig offen.

Tiago Monteiro im Honda Civic

Fotocredit: Imago

Honda darf beim WM-Finale auf die moralische Unterstützung von Tiago Monteiro zählen, der erstmals seit den Argentinien-Rennen Mitte Juli wieder im Fahrerlager der WTCC sein wird, aber aufgrund der Folgen seines Testunfalls aus dem September weiterhin nicht fahren kann. Seine Vertretung übernimmt zum dritten Mal in Folge Esteban Guerrieri. Dessen Platz im Campos-Team nimmt zum zweiten Mal nach Motegi der Schweizer Kris Richard ein.

Hochspannung im Kampf um die Privatfahrerwertung

Sehr spannende wird beim Saisonfinale auch der Kampf um den Fahrertitel in der Privatfahrerwertung. Dort sind nach 18 von 20 Saisonrennen die beiden SLR-Piloten Tom Chilton und Mehdi Bennani durch die Winzigkeit von 0,5 Punkten voneinander getrennt.
Wie in den vergangenen Jahren werden die letzten beiden Rennen der WTCC-Saison bei Dunkelheit unter Flutlicht ausgetragen, und zwar schon am Freitag. Das "Rennwochenende" beginnt in Katar am Donnerstag mit den beiden Freien Trainings. Am Freitagnachmittag finden dann, noch bei Tageslicht, das Qualifying und das Team-Zeitfahren MAC3 statt, Eröffnungs- und Hauptrennen folgen am Abend. Gegen kurz nach 21:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit sollte dann feststehen, wer WTCC-Champion 2017 ist.
Unterdessen hat WTCC-Spitzenreiter Thed Björk hat die Entscheidung von Polestar Cyan Racing verteidigt, Néstor Girolami beim Showdown um die FIA Tourenwagen-WM am Freitagabend durch Yvan Muller zu ersetzen, den erfolgreichsten Fahrer in der Geschichte der WTCC. Muller hat 2017 für das WTCC Werksteam von Volvo getestet und die Mannschaft beraten. Nun kehrt er nach fast einem Jahr wieder ins Renngesehen zurück und könnte beim Ausgang der Meisterschaft eine entscheidende Rolle spielen.

"Er hat dem Team bei den Wintertests und der Abstimmung des Autos so viel gegeben", sagt Björk, der die Meisterschaftswertung der WTCC mit 6,5 Punkten Vorsprung auf Honda Werksfahrer Norbert Michelisz anführt."Er kennt das Auto und das Team, und daher haben wir uns entschlossen, unsere Trümpfe auszuspielen und zu sehen, was dann passiert. So einfach ist das. Ich bin stolz darauf, dass er mit uns zusammenarbeitet. Wir stehen im Kampf um die Weltmeisterschaft, und er war so erfolgreich, hat so viel Erfahrung und ist so ein guter Typ. Ohne ihn wären wir längst noch nicht da, wo wir jetzt sind. Wenn er jetzt im Auto sitzt, können wir vielleicht noch etwas lernen."
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