Geplant war das Renndebüt auf dem Kurs bei Bratislava aber nicht von langer Hand, denn eigentlich wollte die WTCC nach Argentinien reisen.
Dazu kam es letztendlich nicht, sodass Serienpromoter Marcello Lotti und sein Team wieder einmal eine Alternative auftun mussten. Diese war rasch gefunden. Und so steht der Slovakiaring vielleicht vor seinem internationalen Durchbruch. Die erst 2009 eingeweihte Rennstrecke fand bislang nämlich nur bei wenigen Meisterschaften eine Berücksichtigung im Kalender, doch nun gastiert dort eine WM.
Von der Grundsteinlegung bis zum Bezug der Boxen durch die Teams der WTCC war es allerdings kein langer Weg für die örtlichen Veranstalter: Im Herbst 2008 hatten die Bauarbeiten auf dem Areal begonnen, das etwa 35 Kilometer vor der slowakischen Hauptstadt Pressburg liegt. Die Kosten für die Errichtung der fast sechs Kilometer langen Rennbahn sollen rund 20 Millionen Euro betragen haben.
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Und Streckenarchitekt Hans Roth aus Österreich hat der Anlage eine große Vielseitigkeit mit auf den Weg gegeben: Der Slovakiaring besticht durch mehrere Layouts von 2,6 bis 5,9 Kilometer Länge und durch eine rund 900 Meter langen Zielgerade. Das zwischen zwölf und 20 Metern breite Asphaltband bietet zahlreiche schnelle Kurven, aber auch langsame Passagen und einige knackige Schikanen.
Erste Eindrücke vom Slovakiaring
Die WTCC schöpft die Möglichkeiten vor Ort maximal aus, indem sie die mit 5,922 Kilometern längste Variante befährt. Diese beinhaltet übrigens einen leichten "Sprunghügel", der in der noch sehr kurzen Vergangenheit der Rennstrecke bereits der Schauplatz von heftigen Abflügen war. Der Slovakiaring schreibt Sicherheit aber groß: Die vielen Auslaufzonen des Kurses sind sehr großzügig angelegt.
Einer, der sich bereits "spielerisch" mit dem Slovakiaring beschäftigt hat, ist Alberto Cerqui (ROAL). "Ich fuhr die Strecke im Simulator und muss sagen, ich war positiv angetan", meint der junge Italiener. "Es gibt einige schnelle Kurven, in denen du unbedingt ein bisschen auf dem Gas bleiben musst. Hinzu kommen rasche Richtungswechsel und ein kleiner Hügel, auf dem das Auto sogar kurz abhebt."
Sehr wahrscheinlich werden die Piloten im Verlauf des Wochenendes ihre Bekanntschaft damit machen, denn für das gesamte Starterfeld ist die Strecke bei Pressburg absolutes Neuland. In den vergangenen Wochen studierten die Fahrer daher eifrig Streckenskizzen und Fotomaterial, einige setzten sich sogar in den Simulator. Vor der Qualifikation gibt es schließlich nur zwei kurze Trainings.
"Es handelt sich also um eine interessante Mischung, an die man sich im Freien Training gewöhnen muss", erklärt Cerqui. Dabei spielt den Piloten die große Länge der Strecke nicht gerade in die Karten. "Auf einem so langen Kurs kannst du vor der Qualifikation vielleicht nur 20 Runden zurücklegen", sagt Cerqui. "Die Freien Trainings nehmen daher eine noch größere Bedeutung ein als irgendwo sonst."
Fährt Chevrolet allen anderen davon?
Offen ist damit natürlich auch, wer am Ende die Nase vorn haben wird, denn bisher verfügen weder Fahrer noch Teams über Erfahrungsdaten aus der Slowakei. Wahrscheinlich finden sich früher oder später aber die "üblichen Verdächtigen" auf den vorderen Positionen ein - alles andere als eine starke Chevrolet-Flotte wäre eine Überraschung. Die WM-Titelverteidiger dominieren 2012 das Geschehen.
Nach ihrer souveränen Vorstellung in Marrakesch - Chevrolet erzielte zwei souveräne Dreifach-Siege und deklassierte die gesamte Konkurrenz - reisen Yvan Muller, Alain Menu und Rob Huff nicht nur als WM-Spitzenreiter, sondern auch als Favoriten an den Slovakiaring. Als schärfste Verfolger haben sich bisher Tom Coronel (ROAL), Stefano D'Aste (Wiechers) und Gabriele Tarquini (Lukoil) etabliert.
Auch der einzige Deutsche im Starterfeld, Franz Engstler (Engstler), mischt 2012 erfolgreich in der Punkteregion mit. Die Gewichtssituation könnte dem BMW-Fahrer und seinen Markenkollegen in der Slowakei aber einen Strich durch die Rechnung machen: Der BMW 320 TC tritt mit einem Ballast von + 40 Kilogramm an, ist beim vierten Saisonevent also genau so schwer wie der Chevrolet Cruze 1,6T.
Ford Focus endlich ohne "Strafballast"
Der SEAT Leon könnte von seinem etwas geringeren Gewicht profitieren, ebenso wie der neue Ford Focus S2000 TC. Letzterer tritt mit dem minimalen Kompensationsgewicht an und ist nun auch seinen "Strafballast" von +30 Kilogramm los, der ihm vom Automobil-Weltverband (FIA) aufgrund einiger nicht regelkonformer Teile verordnet worden war. Ist der Ford Focus also wieder für eine Überraschung gut?
Auszuschließen ist es nicht, zumal Tom Chilton (Aon) und James Nash (Aon) schon in Marrakesch die ersten WM-Punkte für das Fahrzeug unter Dach und Fach brachten. Ähnlich gespannt sein darf man vermutlich auf die Duelle der Privatfahrer: Pepe Oriola (Tuenti), D'Aste, Engstler und Norbert Michelisz (Zengö) sind derzeit tonangebend in dieser Kategorie, doch bisher siegten lediglich Oriola und D'Aste.
Aber egal, wie das Wochenende auf dem Slovakiaring ausgeht: Die Piloten tun sicher gut daran, ihre Fahrzeuge in den Rennen nicht zu sehr zu beschädigen. Denn schon eine Woche nach dem Auftritt in der Slowakei fährt die WTCC in Budapest. Eine solche "Back-to-Back"-Veranstaltung ist unüblich für diese Rennserie, 2012 aber ein notwendiges Übel. Wohl dem, der am Ende nur Lackschäden hat.
Fakten zum Rennwochenende in Bratislava (Slowakei)
Streckenlänge: 5,922 Kilometer
Renndistanz: Zwei Rennen zu je 10 Runden
Der Zeitplan in der Übersicht (MESZ):
Samstag, 28. April 2012
09:45-10:15 Uhr - 1. Freies Training
12:30-13:00 Uhr - 2. Freies Training
15:00-15:20 Uhr - Qualifikation Q1
15:25-15:35 Uhr - Qualifikation Q2
Sonntag, 29. April 2012
08:45-09:00 Uhr - Warmup
14:20-14:50 Uhr - Rennen 1
15:35-16:05 Uhr - Rennen 2
TV-Tipp:
Verfolgen Sie 2012 alle Entscheidungen der Tourenwagen-Weltmeisterschaft bei Eurosport und Eurosport 2. Verpassen Sie kein Rennen, wenn Chevrolet, SEAT und BMW um den Sieg kämpfen. Weiter geht’s ab 28. April am Slovakiaring.
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