Luca Engstler mag in diesem Jahr zwar der jüngste Hyundai-Pilot im FIA Tourenwagen-Weltcup WTCR sein, doch was ihm an Alter fehlt, gleicht er durch Erfahrung, Hingabe und Entschlossenheit aus
"Ich will um Siege kämpfen, eine starke Saison ohne Fehler hinlegen und in jeder Beziehung besser werden.
Engstler, der 2021 im Engstler Hyundai N Liqui Moly Racing Team an der Seite seines neuen Teamkollegen Jean-Karl Vernay fahren wird, wurde vor kurzem erst 21, hat aber bereits mehrere TCR-Titel gewonnen.

Der deutsche Hoffnungsträger wird einen Hyundai Elantra N TCR mit Goodyear-Reifen fahren. In der nächsten Woche steht ihm aber zunächst eine rund sechsstündige Fahrt aus seiner bayerischen Heimat zur legendären Nürburgring-Nordschleife bevor, wo vom 3. bis 5. Juni der Saisonauftakt des WTCR stattfindet.

Der Start der neuen WTCR-Saison rückt näher. Wie fühlen Sie sich?
"Ich freue mich sehr darauf, wieder ins Auto zu steigen und wieder für Hyundai zu fahren. Ich denke, es wird ein gutes Jahr."

Sie starten mit einem neuen Auto in die Saison. Wie fährt sich der Hyundai Elantra N TCR?
"Ich war vom ersten Tag an in die Entwicklung eingespannt und bin den ersten Rollout gefahren. Es war für mich spannend, den gesamten Prozess zu verfolgen und auch von den anderen Fahrern zu lernen, was Entwicklungsarbeit bedeutet. Zwischen einer schnellen Runde im Qualifying und der Entwicklung eines brandneuen Autos besteht ein ziemlicher Unterschied. Das einmal mitzuerleben, war gut. Die Tests waren gut, aber bis zum ersten Rennen weiß man nie, wo man steht und wie sehr sich die anderen gesteigert haben. Daher bin ich auf das erste Qualifying wirklich gespannt."

Wenn Sie sich eine Sache aussuchen müsstest, die Ihnen am neuen Auto am besten gefällt, was wäre das?
"Da gibt es eine Menge! Was ich wirklich mag, sind die schnellen Kurve. In den High-Speed-Passagen kann man mehr attackieren, das gefällt mir am besten. Durch die Aerodynamik und den längeren Radstand kann man in schnellen Kurven mehr attackieren. Man kann natürlich kein Auto entwickeln, das überall stark ist, aber das ist sicherlich ein Vorzug dieses Autos."

Die Nürburgring-Nordschleife ist die erste Station im WTCR-Kalender. Ist das gut oder schlecht?
"Ehrlich gesagt weiß ich es noch nicht! Es ist ein Heimrennen für mich, aber ich bin wahrscheinlich der Fahrer mit der wenigsten Erfahrung auf dieser Strecke. Natürlich freue ich mich auf das Rennen in Deutschland, aber es ist die Nordschleife und da kann alles passieren. Es ist nicht so wie auf normalen Strecken, wo man mal eben zwei oder drei Zehntel schneller fahren kann, weil man jeden Zentimeter kennt. Hier kannst du auch ganz einfach in der ersten fliegenden Runde in die Mauer einschlagen kann. Es wird eine intensive Woche werden."

Tom Coronel sagt, dass es unmöglich ist, auf der Nordschleife eine perfekte Runde zu fahren. Stimmen Sie zu?
"Voll und ganz, aber ich finde das ist auf allen Strecken so. Es gibt keine perfekte Runde, man kann es immer besser machen und sich steigern. Wenn man die Daten von allen 20 Fahrern übereinander legt, bekommt man eine perfekte Runde. Es geht immer besser. Hier kommt die Länge der Strecke dazu. Je länger die Runde ist, umso schwieriger ist es, alle Sektoren und Kurven, jedes Bremsen und Beschleunigen perfekt hinzubekommen. Dann ist es natürlich auch eine sehr gefährliche Strecke. Irgendwann muss man einfach die Arschbacken zusammenkneifen und es riskieren. Das ist alles andere als einfach!"

Wie sind Sie im Vergleich zu Ihrem Teamkollegen Jean-Karl Vernay, sind Sie auf einem ähnlichen Niveau?
"Gleiches Niveau würde ich nicht sagen. Natürlich habe ich viel Erfahrung mit dieser Art von Autos, viel Erfahrung mit Hyundai, aber Rennen im WTCR sind eine andere Geschichte. Ich muss sagen, am Anfang war ich mir da nicht 100-prozentig sicher. Ich dachte, das sind auch nur Rennfahrer, die im Kreis fahren, aber das Niveau der Fahrer im WTCR ist verrückt. Und um die Erfahrung zu bekommen, die meine Teamkollegen haben, muss ich noch ein paar Jahre in der Tasche haben."

Was bringt Jean-Karl in Ihr Team ein?
"Wir haben schon bei den Testtagen zusammen gearbeitet, aber ich muss sagen, dass ich meinen ersten Werkseinsatz bei den 24 Stunden von Dubai mit Volkswagen hatte. JK war auch dabei und wir haben das Rennen gewonnen, also ist das eine gute Basis für den Anfang. Er hilft mir so gut er kann, genauso wie ich. Wir teilen alles auf eine sehr faire und gute Art und Weise und das ist es, was wir dieses Jahr brauchen, um um den Titel zu kämpfen."

Wie viele Ratschläge gibt Ihnen ihr Vater Franz, der ja ein sehr erfolgreicher Rennfahrer ist?
"Ich versuche alle Informationen zu bekommen, die ich kriegen kann, also spreche ich mit Gabriele, Norbi, JK, meinem Vater, mit jedem, der viel Erfahrung hat, um so viel wie möglich mitzunehmen. Aber ich will es auf meine Art machen. Ich will nicht der zweite Franz Engstler sein, ich will mir meinen eigenen Namen machen. Aber natürlich sind alle Tipps, die ich von meinem Vater und den anderen erfahrenen Fahrern bekommen kann, sehr wichtig für mich."

Gibt es eine Geschichte hinter der Startnummer 8, die Sie auf Ihrem Hyundai Elantra N TCR tragen?
"Da gibt es eigentlich viele Gründe. Mein Geburtstag ist am 8. März. Als ich als Kind angefangen habe, Fußball zu spielen, war die Nummer, die mein bester Freund und ich gewählt haben, immer die Nummer 8. Außerdem habe ich sechs TCR-Titel mit dieser Nummer gewonnen. Also ist es eine gute Nummer, um dieses Jahr in der WTCR zu fahren."

Acht Strecken stehen in dieser Saison auf dem WTCR-Kalender, wie viele kennen Sie?
"Ich kenne einige, aber nicht alle. Ich war 2019 in Macau und es war ein gutes Wochenende und eine gute Erfahrung für mich, dort Punkte zu holen. In Ningbo bin ich schon Rennen gefahren, aber in Inje war ich noch nie."

Gabriele Tarquini schon. Er hat dort 2018 ein paar Runden in einem Straßenauto gedreht...
"Dann muss ich ihn mehr befragen, als ich geplant hatte! Aber Gabriele ist schon auf vielen Strecken gefahren, als ich noch gar nicht geboren war!"

Zu guter letzt: Was würde Sie am Ende des Jahres zufrieden machen?
"Ich sage jetzt nicht, dass ich zufrieden bin, wenn ich unter den ersten fünf lande, daran denke ich nicht. Für mich geht es darum, mich noch weiter zu verbessern. Das vergangene Jahr war definitiv schwierig, aber ich hatte im Vergleich zu meinen Teamkollegen auch einige starke Ergebnisse, also will ich einfach weiter hart arbeiten und mich weiter verbessern. Ich denke, unser Paket wird gut sein. Aber ich würde nicht sagen, dass mich eine Zahl am Ende des Jahres glücklich macht. Ich möchte einfach den Abstand zu den Weltmeistern verringern. Ich sage nicht, dass ich in den Top 10 landen will. Ich will um Siege kämpfen, eine starke Saison ohne Fehler hinlegen und in jeder Beziehung besser werden."

MEHR ÜBER ENGSTLER: HÖREN SIE SICH NOCH EINMALWTCR FAST TALK AN, WIE ER FAST ZURÜCKGETRETEN WAR UND DANN EINE SIEGESSERIE HINLEGTE
"Ich habe die Geschichte nie erzählt, aber nach diesen zwei Saisons in der Formel 4 wollte ich eigentlich aufhören, weil die zwei Jahre wirklich frustrierend für mich waren. Ich war in der Schule, arbeitete hart und bereitete mich so gut wie möglich [auf den Rennsport] vor, aber wir hatten nicht die richtige Kapazität oder das richtige Budget und [wir] waren immer im hinteren Teil des Feldes. Nach dem letzten Rennen fuhren wir zurück nach Hause, mein Ingenieur, mein Vater und ich im Wohnmobil. Ich sagte ihnen, dass es so keinen Sinn macht, [weiterzumachen]. Ich fragte, was ist der Plan, was können wir tun? Mein Vater sagte: 'Am Mittwoch gibt es einige Tests mit dem TCR-Auto. Lass uns hingehen und es versuchen, und wenn wir das Gefühl haben, dass es der richtige Weg ist, dann werfen wir alles rein und versuchen es'. Dieser Test war wirklich gut, ich war sehr schnell. Ich sagte: 'Lasst uns diese zwei Jahre vergessen. Wir konzentrieren uns auf das und fangen wieder bei Null an'. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt großes Glück, diesen Test zu haben. Seitdem liegt der Fokus nur noch auf den Tourenwagen."

Teil eins:https://www.youtube.com/watch?v=tFT1yrWn2bc
Teil zwei:https://www.youtube.com/watch?v=v5GMf2JIVqo
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