Marc Stendera: Der Anti-Götze von Eintracht Frankfurt

Beim Spiel gegen den FC Bayern München (20:30 Uhr im Liveticker) ruhen die Hoffnungen von Eintracht Frankfurt auch auf Marc Stendera (19). Der talentierte Mittelfeldspieler wird bereits mit Mario Götze verglichen, was ihm nicht wirklich hilft. Der nächste Nationalspieler der Eintracht könnte er dennoch werden.

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Im Fanshop von Eintracht Frankfurt gab's diese Woche Auswärtstrikot mit der Nummer 21 billiger. Kein schlechter Kniff der Marketing-Abteilung, hatte Marc Stendera (19), Inhaber der 21, doch im gelben Eintracht-Dress vergangenes Wochenende im Alleingang für den 2:1-Sieg bei Hannover 96 gesorgt. Und sich damit wieder in den Mittelpunkt geschossen.
Stendera, das ist das wohl größte Talent, das die Eintracht derzeit im Kader hat. Ein Versprechen auf eine bessere, eine glanzvollere Zukunft in der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga. Auf mehr Siege, vielleicht auch mal wieder gegen den FC Bayern München (20:30 Uhr im Liveticker). Wenn er sich weiter entwickelt, weiter beißt, nicht stehenbleibt, könnte Stendera sogar mal wieder ein Frankfurter für die deutsche Nationalmannschaft werden. Der letzte war Horst Heldt.
Schulterklopfer gibt's schließlich bei der Eintracht genug. "Stendera hat vom Talent her die gleichen Chancen wie Mario Götze. Der kann so gut werden wie er", hat Vereinslegende Charly Körbel über ihn gesagt und ihm damit weiß Gott keinen Gefallen getan. Immerhin scheint Stendera zu wissen, was er mit solchen Aussagen anzufangen hat, wie sein Zitat gegenüber der "11Freunde" beweist:
Danke für nichts, also. Denn mit dem WM-Siegtorschützen verglichen zu werden, hilft Stendera nicht im Geringsten. Sicher, Gemeinsamkeiten gibt es: Beide recht klein, Stendera 1,71 m, Götze (angeblich) 1,76 m, niedriger Körperschwerpunkt, starke Technik, gute Standards. Dann hört es aber eigentlich schon auf. Götze spielt im Angriff, Stendera mittlerweile fast nur auf der Sechs oder einer Halbposition in der Raute.
Götze kommt im Spiel auch über seine Schnellkraft zum Zug, bei Stendera fällt das "Schnell-" eher weg. Götze sieht mit 23 immer noch jugendlich aus, während Stendera jetzt einen wilden Vollbart trägt, der sein Teeniealter kaschiert. Und während Götze sogar einen eigenen Hashtag hat - #partofgötze - ist Stendera nicht auf Facebook oder Instagram zu finden.

Defizite im Sprintbereich

Viel lieber würde er mal wieder den alten Kumpels vom OSC Vellmar zusehen, aber das geht nicht, am Wochenende muss er ja selbst spielen. Oder trainieren, denn als Trainingsweltmeister gilt Stendera bisher nicht. Er weiß, dass er "in puncto Dynamik und im Sprintbereich" Nachholbedarf hat. Sein Schützling sei "sicherlich kein Modellathlet", meinte Trainer Armin Veh erst kürzlich über die Defizite des 19-Jährigen. Veh sagte aber auch: "Den kriegen wir schon hin."
Beim DFB gilt er indes als Musterschüler. U17, U18, U19, U20, U21 hat er alle mitgenommen. 2014 holte er mit der U19 den EM-Titel, diesen Sommer nahm er mit der U20 an der WM in Neuseeland teil. Das erklärt auch, warum er etwas träge in die Saison gestartet ist - er hatte nur zwei Wochen Pause.
An Spieleifer mangelt es ihm sonst nicht. In Hannover war Stendera mit 11,6 Kilometern Laufleistung wieder mal der aktivste Frankfurter, aber er war auch extrem fokussiert, ballgierig und zielstrebig. "Auch als Sechser muss er in den Strafraum gehen, das habe ich ihm immer gesagt", meinte Veh. Stendera habe "die Dinger reingemacht, weil er sich keinen Kopf macht". Der Lohn: "Jetzt bekommt Marc ein Extra-Schnitzel", scherzte Veh.

Mit 19 schon ein Führungsspieler?

Bei seinen Toren zeigte Stendera genau das, was ihn auszeichnet: Technik, Ruhe und Entschlossenheit. "Stendera frisst dich auf dem Platz auf. Wenn es 10:0 steht, dann will er weiter Tore schießen und 15:0 gewinnen", sagte sein ehemaliger C-Jugend-Trainer Heiko Illian der "Hessischen Niedersächsichen Allgemeinen".
Was noch fehlt, ist die Konstanz. Am Mittwoch zeigte er beim Pokalspiel in Aue eine ganz schlechte erste und nur eine durchwachsene zweite Halbzeit. Aber das mit der fehlenden Konstanz gilt für die Eintracht allgemein. "Ich habe keine Erklärung dafür, warum wir unser Können nicht konstant zeigen. Die Mannschaft ist intakt, wir verstehen uns alle untereinander; nur auf dem Platz zeigen wir die Geschlossenheit nicht regelmäßig", sagte Stendera diese Woche der "Frankfurter Neuen Presse".
Nicht nur deswegen sind sie im Umgang mit Superlativen auch sehr vorsichtig in Frankfurt. Marko Marin, Jan Kirchhoff, Sebastian Jung, Sonny Kittel - die Liste derer, die als verheißungsvolle Eintracht-Talente irgendwann in ihrer Entwicklung stecken geblieben sind, ist lang. So richtig durchgestartet ist eigentlich nur Emre Can, der aber ging schon mit 15 von der Eintracht zu Bayern.
Doch wie der Mittelfeldstar des FC Liverpool spürt Stendera den Drang, schon in jungen Jahren Verantwortung zu übernehmen. "Führungsspieler sind für mich die Typen, die auf dem Platz vorangehen, auch wenn es schlecht läuft. In der Hinsicht versuche ich, ein Führungsspieler zu sein", sagt er, der schon mit 14 aufs Eintracht-Internat wechselte und deswegen "vielleicht ein bisschen reifer als andere in meinem Alter" ist.
Für seinen Jugendtrainer Illian ist klar, wohin das führen kann:
Vielleicht ja dann gemeinsam mit Götze.
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