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Youngster der Woche: Jann-Fiete Arp - Hamburgs Jahrtausendtalent mit Bodenhaftung

Youngster der Woche: Hamburgs Jahrtausendtalent will auf die Weltbühne

08/10/2017 um 09:32

Bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Werder Bremen stellte Jann-Fiete Arp einen Rekord auf: Das HSV-Talent ist der erste Spieler der Bundesliga, der im neuen Jahrtausend geboren wurde. Nach seinen Leistungen in den Jugendmannschaften des HSV wurde Arp bereits mit der Fritz-Walter-Goldmedaille geehrt, einer der bedeutendsten Nachwuchsauszeichnungen. Wir präsentieren Euch den Youngster.

Immer wieder wandert der Blick des jungen Mannes hinüber zur Reservebank, 55.000 Zuschauer mobilisieren ihre letzten Reserven, pressen nochmal alles aus den lädierten Stimmbändern heraus. Am Spielfeldrand scheint sich tatsächlich etwas zu tun. Trainer und Co-Trainer tuscheln, zeichnen, treffen eine Entscheidung.

Beim Dehnen schaut er auf den Videowürfel: Hamburger SV - Werder Bremen 0:0, 86 Minuten und 23 Sekunden, 24, 25, 26... Und dann das erlösende und gleichermaßen Herzrasen-auslösende Zeichen, das ihm sagt: Komm her, du wirst eingewechselt.

Wenige Momente später steht er da, neben dem Vierten Offiziellen, dem er soeben seine Schuh-Bestollung präsentiert hatte. All das passiert zum ersten Mal in seinem Leben. Die Tafel wird gen Hamburger Abendhimmel gewuchtet - eine rote Nummer sieben, daneben leuchtet die 40 auf, in grün.

Video - Welcome to the 2000s! HSV-Youngster schreibt Bundesliga-Geschichte

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Es ist soweit. Jann-Fiete Arp gibt sein Bundesliga-Debüt, ausgerechnet im Spiel gegen den Erzrivalen von der Weser. Dabei stellt er nebenbei noch einen Rekord auf. Arp ist der erste Spieler in Deutschlands Oberhaus, der im neuen Jahrtausend geboren wurde.

"Ich habe beim Aufwärmen die ganze Zeit auf einen Einsatz gehofft. Einfach reinkommen und ein Tor machen, egal wie“, freut sich Arp im Anschluss an seine Premiere, die rund drei Minuten dauert. Eigentlich sollte er zu diesem Zeitpunkt längst mit der deutschen U17-Auswahl in Indien angekommen sein, wo die Weltmeisterschaft in diesem Jahr stattfindet. Doch dann die Kehrtwende:

"Ich habe einen Tag vor dem Abflug nach Indien erfahren, dass ich noch eine Woche länger in Hamburg bleiben soll. Natürlich habe ich mir erhofft und gedacht, am Wochenende im Kader der Profis zu stehen“, verrät der Angreifer, der letztlich erst wenige Stunden vor dem Nordderby erfährt, dass er mit seiner Vermutung richtig gelegen hatte.

Arp auf den Spuren von Kroos und Götze

Sein Aufstieg in die Beletage verläuft ohne große Umwege. Im Alter von vier Jahren beginnt Arp beim SV Wahlstedt mit dem Fußball, mit zehn folgt der große Schritt in die Jugendakademie des HSV, die sich unweit seines Geburtsortes Bad Segeberg befindet.

Schnell wird klar, welch großes Talent die Scouts an Land gezogen haben. Arp trifft für den Nachwuchs wie am Fließband. In der B-Jugend-Bundesliga wird er Torschützenkönig mit 26 Toren in 21 Partien - und immer häufiger in die U19 berufen. Als Belohnung gibt es die prestigeträchtigste Nachwuchsauszeichnung überhaupt, die Fritz-Walter-Medaille in Gold, womit sich Arp einreiht in die Riege heutiger Stars wie Toni Kroos oder Mario Götze.

Jan-Fiete Arp

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Seine Leistungen wecken auch Interesse bei ausländischen Spitzenklubs. Im Sommer legte der FC Chelsea ein offizielles Angebot vor. Arp lehnte die Offerte sofort ab, "weil es einfach keinen Sinn gemacht hätte, als 17-Jähriger zu Chelsea zu gehen", wie er selbst danach bei "Bild" erklärt.

"Man hat doch kaum etwas erreicht, hat so gut wie keine Erfahrung im Profifußball. Das Risiko ist einfach viel zu groß."

Eine Bodenhaftung, die in Zeiten der großen monetären Verlockung nicht unbedingt selbstverständlich ist. Der Youngster weiß darüber hinaus:

"Fußball ist Tagesgeschäft. Es kann jeden Tag vorbei sein. Das Abitur aber kann dir keiner mehr nehmen. Geld darf in meinem Alter noch keine Rolle spielen."

Erst einmal will er ohnehin bei der WM, die für das deutsche Team am Samstag gegen Costa Rica beginnt, auftrumpfen.

Verspätet in Goa angereist und mit HSV-Aufpasser Marinus Bester im Schlepptau, der vom Verein entstandt wurde, um "Fiete nicht allein um die halbe Welt zu schicken", gibt sich Arp selbstbewusst für die kommenden Aufgaben: "Wir wollen das Turnier gewinnen. Aber wir unterschätzen unsere Gegner nicht. Es wird schon in der Gruppe schwierig."

HSV: Nächstes Talent, nächster Verkauf?

Für den HSV gilt es indes, bei Angeboten für Arp standhaft zu bleiben. Der Junge scheint reflektiert und mit gesundem Verständnis für das Geschäft ausgestattet. "Insgesamt ist das ein guter Weg für unseren Klub. Vor allem, wenn man nicht so viel Geld hat. Diese Spieler müssen irgendwann die Zukunft unseres Vereins darstellen", sagt Trainer Markus Gisdol zur Situation und mit Blick auf sein Sturmjuwel.

Worte, die für Anhänger des HSV zunächst wie leere Hülsen klingen dürften, verkaufte der Bundesliga-Dino in den vergangenen Jahren doch nahezu alle verheißungsvollen Eigengewächse an die Konkurrenz.

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Arps nächste Chance, sich auf höchstem Niveau zu beweisen, dürfte jedenfalls nicht lange auf sich warten lassen. Dann, beim Aufwärmen, wird wieder der Blick zur Bank schweifen, wieder die Hoffnung bestehen, endlich mitwirken zu dürfen. Einfach reinkommen und ein Tor machen, egal wie - die Marschroute eines zukünftigen Spitzenangreifers.

Jann Fiete Arp im Steckbrief

Geburtsdatum: 06. Januar 2000

Geburtsort: Bad Segeberg

Nationalität: Deutschland

Größe: 1,86

Fuß: rechts

Position: Mittelstürmer

Derzeitiger Klub: Hamburger SV

Rückennummer: 40

Bisherige Klubs: SV Wahlstedt

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