Imago

Kein Tag wie jeder andere: Der Olympia-Boykott Moskau

Kein Tag wie jeder andere: Der Olympia-Boykott von Moskau
Von Eurosport

19/07/2016 um 09:17Aktualisiert 19/07/2016 um 09:18

Kein Sport-Tag wie jeder andere: Jubiläen & Rekorde, Feiertage & Dramen, großes Kino & vergessene Helden: Unser täglicher Blick zurück in die Sportgeschichte - heute mit dem Olympia-Boykott von Moskau 1980.

19. Juli

Am 19. Juli 1980 wurden die Olympischen Spiele in Moskau eröffnet. Insgesamt 80 Nationen nahmen an den einzigen Sommerspielen auf sowjetrussischem Boden teil. 65 blieben nach einem Boykottaufruf der USA fern. Vorausgegangen war der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan im Dezember 1979.

Mindestens 100 Staaten wollten die USA zum Boykott der Spiele bewegen, eine Zahl, die deutlich verfehlt wurde. Zu den Nationen, die keine Athleten nach Moskau schickten, gehörten neben den Vereinigten Staaten unter anderem China, Kanada, Norwegen, Japan, Kenia und die Bundesrepublik Deutschland.

In der BRD wurde die mögliche Teilnahme in Moskau lange kontrovers diskutiert. Ex-Kanzler Willy Brandt war strikt gegen einen Boykott. Der damals amtierende Regierungschef Helmut Schmidt machte dem NOK aber am 23. April 1980 den Vorschlag, den Spielen fernzubleiben. Rund zwei Drittel der NOK-Mitglieder stimmten schließlich dafür.

Anders lief es in Großbritannien ab. Premierministerin Margaret Thatcher empfahl zwar ebenfalls den Boykott, das britische NOK setzte sich aber darüber hinweg und stellte seinen Athleten die Teilnahme frei. Fast alle traten in Moskau an. Auch die anderen großen europäischen Nationen ignorierten weitestgehend den Aufruf der USA.

Heiner Brand, damals mit Deutschland amtierender Handball-Weltmeister, gab zu, über die Entscheidung des NOK verbittert gewesen zu sein. "Als dann die Olympischen Spiele in Moskau im Gange waren, da setzte der richtige Schmerz ein. Denn im Nachhinein hat man festgestellt, dass der Sport der einzige Bereich war, in dem der Boykott konsequent durchgezogen worden ist. Diese Verbitterung ist bei mir nach wie vor da", fand der ehemalige Bundestrainer einst deutliche Worte.

Heiner Brand

Heiner BrandEurosport

0
0