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Kein Tag wie jeder andere: Der Tod von Robert Enke am 10. November 2009 - "Enttabuisierung" von Depressionen
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Update 10/11/2025 um 12:15 GMT+1 Uhr
Kein Sport-Tag wie jeder andere: Jubiläen & Rekorde, Feiertage & Dramen, großes Kino & vergessene Helden: Unser täglicher Blick zurück in die Sportgeschichte - heute mit dem Tod von Robert Enke. Es war einer der schwärzesten Tage im deutschen Fußball. Am 10. November 2009 starb Robert Enke. Der damals 32-jährige Keeper von Hannover 96 litt unter Depressionen und setzte seinem Leben ein Ende.
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Am 10. November 2009 wusste Robert Enke keinen Ausweg mehr. Besiegt von einem unsichtbaren Feind: Depressionen.
Das Fußballgeschäft würde nie wieder dasselbe sein - das war das Gefühl in dieser von tiefer Trauer erfüllten Nacht. Und seine Witwe Teresa glaubt fest daran, dass Enkes Tod etwas zum Guten bewegt hat. Es ist sein Vermächtnis.
"Ich glaube schon, dass Robert stolz auf mich und die Arbeit der Robert-Enke-Stiftung ist. Vor allem bei der Enttabuisierung dieser Krankheit sind wir deutlich weiter - auch wenn da natürlich noch Platz nach oben ist", sagte Teresa Enke: "Im Fußball sehe ich uns tatsächlich schon einen Tick weiter als in der Gesellschaft. Es wird drüber in den Mannschaften gesprochen, es gibt Netzwerke." Das Wissen von heute hätte dem Keeper von Hannover 96 damals vielleicht geholfen.
Doch Enke versteckte sich, wagte es nicht, sich zu offenbaren. Aus Angst, als schwach zu gelten und seinen Platz zwischen den Pfosten zu verlieren. Er erfand stattdessen einen Virus als vermeintlichen Grund, warum er nicht spielen konnte.
Enke sagte Therapie ab: "Tragödie"
Kurz vor seinem Tod wollte Enke dann aber doch in eine Klinik gehen. Der Termin stand schon fest, in letzter Minute machte Enke einen Rückzieher. Eine "Tragödie", sagte Teresa Enke: "Hätte er die Therapie gemacht, wäre er vielleicht wieder zurückgekommen."
In der Öffentlichkeit wird mittlerweile offener über seelische Erkrankungen und Belastungen im Leistungssport diskutiert. Doch längst nicht alle Betroffenen sprechen offen über ihre Verletzungen an der Seele - aus Angst, Schwäche zu zeigen in einem Geschäft, in dem nur die Stärksten erfolgreich sind.
"Es ist absolut nichts besser geworden", sagte Babak Rafati dem "SID". Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter litt ebenfalls an Depressionen und versuchte, sich rund zwei Jahre nach Enke zu töten. "Der Druck wird mehr und wir schaffen es nicht, auf uns zu schauen. Wir schauen immer noch weg", sagte der 49-Jährige: "Es gibt immer mal wieder rhetorische Feuerwerke, aber es wird sich nie richtig mit dem Thema befasst."
Enke "ist unvergessen"
Auch Enkes Ex-Trainer Andreas Bergmann glaubt, dass in der Bundesliga "noch kein Platz für Zweifel und Ängste" ist, wie er der "Sport Bild" sagte: "Wir müssen funktionieren, stark sein." Die Fans wollen "starke und erfolgreiche Persönlichkeiten, die sich durchsetzen können, zu denen sie aufschauen können", sagte Bergmann, der Hannover trainierte, als Enke seinem Leben ein Ende setzte: "Schwäche passt nicht zu diesem Bild. So denken auch viele Verantwortliche in der Bundesliga."
Wenn Teresa Enke heute an ihren Robbi denkt, erinnert sie sich an einen "lebensfrohen, humorvollen, etwas introvertierten Menschen", der sich "eingesetzt hat für andere. Er war ein toller Papa, fantastischer Ehemann, mit dem ich viel erlebt und viel durchlitten habe." An seinem Todestag ist sie nicht allein: "Er ist unvergessen und das freut mich."
Enke-Stiftung leistet Aufklärungsarbeit
Außerdem hob sie erneut die Bedeutung eines offeneren Umgangs mit psychischen Erkrankungen hervor. "Hätte es damals so ein Netzwerk, so eine Aufklärungsarbeit, so ein umfassendes Wissen über die Krankheit Depression gegeben, dann hätte Robbi sich nicht suizidiert", sagte sie in einem Interview für das Buch "Mutmacher-Menschen": "Robbi dachte ja wirklich, er ist alleine, er ist der einzige Depressive."
Zwei Monate nach Enkes Freitod gründete sich die Robert-Enke-Stiftung, die Aufklärungsarbeit zu Depressionen leistet und von Teresa Enke geleitet wird. Die Vorstandsvorsitzende der Stiftung ist davon überzeugt, dass eine Enttabuisierung psychischer Erkrankungen ihrem Mann geholfen hätte, sich mit der Depression weniger allein zu fühlen.
"Eine Stiftung oder Ähnliches gab es damals nicht. Wenn es so etwas gegeben hätte, hätte er sich in der Öffentlichkeit geäußert und gesagt: Okay, ich bin depressiv, ich habe diese Krankheit. Das ist kacke, aber ich lasse mich therapieren – genau so, als hätte ich irgendeine Verletzung", sagte Teresa Enke, die aus der Ehe mit dem damaligen Torhüter von Hannover 96 eine Tochter hat: "Er dachte, die größte Gefahr wäre gewesen, dass irgendjemand ihn sieht, wenn er aus einer Praxis kommt."
Für einen besseren Umgang mit psychischen Erkrankungen wünscht sich die 49-Jährige, dass diese "gar keine Extra-Schlagzeilen mehr wert sind, sondern so berichtet wird, als hätte sich jemand etwas gerissen oder gebrochen", sagte Teresa Enke: "Psychische Erkrankungen darf man nicht stigmatisieren, man soll mit ihnen genauso umgehen wie mit anderen Krankheiten. Dann hätten wir es geschafft, das ist so sehr mein Wunsch. Aber das ist natürlich noch ein längerer Weg."
(SID)
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Bewegender Abschied von Robert Enke in Hannover
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