UCI Track Champions League: 'Best of the Rest' - Stefan Bötticher trägt die deutschen Hoffnungen in der TCL

Emma Hinze nicht dabei, Lea Sophie Friedrich krankheitsbedingt raus und auch bei Pauline Grabosch war nach dem Heim-Event in Berlin ein leichtes Kratzen in der Stimme zu hören – für die deutschen Sprinterinnen, die im Vorjahr noch dominiert hatten, läuft es bei der UCI Track Champions League 2022 nicht. Stefan Bötticher aber weiß erneut zu begeistern und ist 'Best of the Rest' in der Sprint-Liga.

Nächste Top-Vorstellung: Bötticher schnuppert am Sieg im Keirin

Quelle: Eurosport

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach zwei Läufen recht souverän auf dem dritten Platz liege", sagte der 30-Jährige nach dem Heimspiel gegenüber Eurosport mit Blick auf die Gesamtwertung.
Im Vorjahr war Bötticher hinter Überflieger Harrie Lavreysen Zweiter der Sprint League geworden. Diesmal hat sich zum Niederländer noch ein zweiter Mann hinzugesellt, der stärker ist als fast alle anderen: Matthew Richardson.
"Man muss das so anerkennen und akzeptieren. Man hat auch bei der WM gesehen dass die Beiden auf einem sehr guten Niveau sind – einfach ein Stück weiter", so Bötticher.
Doch hinter dem Spitzen-Duo, dass sich auf Mallorca und in Berlin bereits weit von der Konkurrenz abgesetzt hat, ist er die klare Nummer 3. Lavreysen führt die Sprint Liga mit 74 Punkten an, Richardson hat 72 und Bötticher folgt mit 58 Zählern. Die Kolumbianer Santiago Ramirez und Santiago Quintero auf dem geteilten vierten Platz bringen es aber erst auf jeweils deren 39.
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Sprint-Revanche bleibt aus: Richardson kämpft Lavreysen erneut nieder

Quelle: Eurosport

"Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich unterschrieben: Dritter und Vierter. Es gehört viel dazu, so ein konstantes Ergebnis abzuliefern", freute sich Bötticher auch mit Blick auf seine Einzelergebnisse von Berlin. Er wurde Vierter im Sprint-Turnier und Dritter im Keirin – sehr zur Freude des Berliner Publikums, das ihn lautstark feierte.
"Es war jedes Mal ein Gänsehautmoment, wenn ich zum Start geschoben wurde und dann mein Name so viel gerufen wurde. Die Stimmung war schon wirklich gut und ich bin happy. Hoffentlich können wir das hier in Berlin in den nächsten Jahren weiter ausbauen", so Bötticher.

Im Keirin gelang beinahe der große Coup

Im Keirin hätte er um ein Haar sogar Richardson hinter sich gelassen. Doch weil er die letzten zwei Runden auf der Außenbahn neben Lavreysen kämpfte, gingen dem Deutschen auf den letzten Metern die Kräfte aus und der vorher eingebaute Australier rutschte gerade noch vorbei.
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Nächste Top-Vorstellung: Bötticher schnuppert am Sieg im Keirin

Quelle: Eurosport

"Ich kann mir nichts vorwerfen. Gegen einen wie Harrie anderthalb Runden obendrauf zu liegen, das ist einfach lang. Ich hatte keine Wahl, musste dann losfahren und es lief nicht schlecht. Aber auf den letzten 100 Metern sind mir die Füße eingeschlafen", so Bötticher.
Dass er überhaupt bei der UCI Track Champions League schon wieder so stark ist, war vor einem Monat noch nicht zu erwarten. Nach einem schweren Sturz beim Nation's Cup im kolumbianischen Cali im Sommer dauerte es lang, bis Bötticher zu alter Stärke zurückfand.
"Ich hatte nicht genug Zeit, um für die WM richtig fit zu werden und wollte dann auf dem Level weitertrainieren", erklärte er. "Wir brauchen das im Februar, wenn es bei der EM um die Olympia-Quali geht."

Regenerations-Monster: Das Format liegt Bötticher

Dennoch ist auffällig, dass Bötticher gerade bei der hochintensiven UCI Track Champions League mit vielen Rennen in kurzer Zeit besonders gut fährt. Der 30-Jährige scheint eine hohe Regenerationsfähigkeit zu besitzen und einen guten Weg gefunden zu haben, die Belastungen wegzustecken – vier Wochenenden hintereinander. Auch 2021 ließ er zum Ende der Serie in London hin kaum nach und fuhr dort Spitzenergebnisse ein, ärgerte sogar Lavreysen. "Mir scheint das Format zu liegen", grinste er nun in Berlin nach getaner Arbeit.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf will Bötticher auch die verbleibenden drei Wettkampftage in Saint Quentin-en-Yvelines kommenden Samstag vor den Toren von Paris und die Woche drauf freitags und samstags in London nicht unbedingt defensiv agieren und sich den beiden Überfliegern geschlagen geben, sondern aktiv fahren.
"Ich fahre hier nicht auf Absichern des dritten Platzes. Man hat letztes Jahr beim Finale in London bei Emma im Keirin gesehen, dass man immer auch noch stürzen kann und plötzlich sind 20 Punkte weg. Das kann auch denen beiden passieren, das geht so schnell", erklärte Bötticher. Nicht dass er Lavreysen oder Richardson einen Unfall wünschen würde, doch wenn einer der beiden auch einfach sportlich patzt, will er da sein:
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Stefan Bötticher bei der UCI Track Champions League

Fotocredit: SWPix

"Ich fahre jedes Rennen so gut wie möglich und versuche, irgendwo einen Sieg einzufahren. Mein Ziel ist es, immer in beiden Disziplinen unter die ersten Sechs zu kommen, um auf jeden Fall in Schlagdistanz zu bleiben. Am Ende kann man die Gesamtwertung auch gewinnen, wenn jemand anders einmal strauchelt, das geht so schnell. Ich bin relativ entspannt. Es ist noch nicht mal die Hälfte rum und am Ende wird alles in London entschieden. Darauf liegt der Fokus."
Für die Fans war die Premierenveranstaltung in Deutschland aus seiner Sicht auf jeden Fall ein Event der Extraklasse:
"Alle, die hier waren, sind von der Show beeindruckt gewesen, die hier zu Beginn abläuft. Da waren alle aus dem Häuschen und baff."
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Friedrich niedergeschlagen nach Aufgabe in Berlin: "Sehr traurig"

Quelle: Eurosport

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