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Rasta Vechta rockt die Bundesliga

Rasta Vechta rockt die Bundesliga
Von SID

04/10/2013 um 13:30Aktualisiert 04/10/2013 um 13:34

Große Freude beim Neuling: Nach zwei Aufstiegen in Folge geht der Höhenflug des Aufsteigers SC Rasta Vechta auch zum Auftakt der Bundesliga weiter. Der Last-Minute-Sieg beim TBB Trier ist das letzte Kapitel einer Erfolgsstory, die vor 34 Jahren begann und von Bob Marley inspiriert wurde. "Wir haben gesehen: Rasta kann Bundesliga", sagte Klub-Boss Stefan Niemeyer dem SID nach dem 87:84 in Trier.

"Jetzt gehen wir mit viel Selbstvertrauen ins Heimspiel gegen Ludwigsburg und können hoffentlich einen weiteren Sieg gegen den Abstieg einfahren." Vechta ist nach 34 Jahren in der Beletage des deutschen Basketballs angekommen. Die niedersächsische Kleinstadt steht unter Strom.

Dass es so weit kommen konnte, ist auch das Verdienst von Waldemar Rudzinski. Der heute 73 Jahre alte ehemalige Lehrer trommelte Ende der Siebziger Jahre eine Basketball-AG zusammen. Man traf sich in der alten Turnhalle des Gymnasiums Antonianum.

"Kein Verein wollte damals eine Basketballsparte aufmachen", sagt Rudzinski: "Die Väter des Erfolgs sind also die Jungs selber. Ich war nur derjenige, der ein Korn auf den fruchtbaren Boden geworfen hat."

Bob Marley als Inspiration

Irgendwann keimte daraus die Idee, einen Verein zu gründen. Die Gruppe um den heutigen Co-Trainer Josef Nieberding feilte am Konzept, den Soundtrack und den Namen lieferte Bob Marley mit seinem Album "Rastaman Vibration". Im Juni 1979 wurde der SC Rasta Vechta aus der Taufe gehoben, ganz entspannt, wie es sich für Reggae-Fans gehört. Dann passierte lange nichts. "Bis vor ein paar Jahren war das hier alles noch sehr amateurhaft", sagt Niemeyer.

Der Unternehmer und Mäzen ist tief im Verein verwurzelt. Er investierte in die Mannschaft und in eine neue Halle, auch die Stadt gab Geld dazu. Der Rasta Dome mit über 3000 Plätzen wurde innerhalb eines Jahres aus dem Boden gestampft. Tickets sind immer knapp, sagt Niemeyer. Die Sehnsucht nach Profisport ist groß in der Provinz, die Mannschaft um Trainer Pat Elzie hat Erwartungen geweckt.

Keine großen Namen

Der 52-jährige Amerikaner ist seit 2009 in Vechta. Vorher war er Trainer in Bremen und Bremerhaven. Den Aufstieg in die BBL schaffte Vechta im April ohne echte Stars, dafür mit Hingabe und Teamgeist. Bekanntester Name ist Dirk Mädrich, ein 2,12 m großer ehemaliger Nationalspieler. "Wir haben einige Leute aus der Aufstiegsmannschaft behalten, auch wenn das vielleicht ein Risiko ist", sagt Niemeyer. Eine Vermutung, die sich zum Saisonstart nicht bestätigte.

Für Rudzinski hat Rasta mit dem Aufstieg in den Profibereich dennoch an Charme verloren, in der Mannschaft stehen kaum noch Spieler aus der Region. "So ist das Profigeschäft nun mal, aber ich betrachte das trotzdem kritisch", sagt er. Ab sofort ist Vechta interessant für "Sport-Söldner", wie Rudzinski die ausländischen Profis nennt. Um Talente aus der Region konkurriert man mit den Teams aus Oldenburg und Quakenbrück.

Am Sonntag empfängt der Aufsteiger die MHP Riesen Ludwigsburg zum Heim-Debüt. "Ich hoffe trotzdem, dass Rasta in der Bundesliga bleibt und sich stabilisiert. Ich werde künftig auch mal wieder zu einem Spiel gehen", sagt Rudzinski: "Leute wie Niemeyer und Nieberding werden dieses Projekt bewahren."

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