Michael Rösch spricht erstmals über seine Depression während der aktiven Karriere: "Ansatz von Suizidgedanken"

Michael Rösch hat erstmals öffentlich über seine Depression gesprochen. "Der Olympiasieg war öffentlich. Der schwerste Kampf fand im Stillen statt. Mental war ich zeitweise tot", sagte der 42-Jährige der "dpa". Rösch hatte über Jahre mit verschiedenen mentalen Problemen zu kämpfen. In seinem Podcast "Nacksch – vom Olympiasieg in die Depression" gibt der Eurosport-Experte tiefere Einblicke.

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Quelle: Eurosport

Rösch hat eine bewegte Karriere hinter sich. Mit dem Staffel-Gold bei den Olympischen Spielen in Turin begann sie für den damals 22-Jährigen mit einem Knall.
Ein früher sportlicher Höhepunkt, der die Latte für die weiteren sportlichen Leistungen hoch legte. Weitere große Erfolge blieben aber aus, zudem belasteten die damalige Biathlon-Hoffnung finanzielle Probleme.
In seinem neuen Podcast "Nacksch – vom Olympiasieg in die Depression" berichtet Rösch von einer Situation nach einem Weltcup-Rennen im slowenischen Pokljuka 2009: "Ich bin mit einem Müllsack über der Schulter aus dem Stadion gegangen – innerlich war ich gebrochen."
2010 folgten die nächsten sportlichen Rückschläge: Rösch verlor seinen Platz im Weltcup-Kader und wurde 2010 nicht für die Olympischen Spiele in Vancouver nominiert.

Die Schwierigkeiten des Nationenwechsels

Trotz der Tiefschläge verzichtete der Biathlet auf professionelle Unterstützung - auch aus Angst vor den Folgen: "Wer Hilfe sucht, galt als nicht belastbar", sagte Rösch.
Eine schwerwiegende Entscheidung. Die mentalen Probleme verschlimmerten sich, Rösch erlebte bis 2012 Panikmomente und wurde trotz erreichter Norm vor der Heim-WM in Ruhpolding ausgemustert.
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In dieser Zeit geriet der heutige Eurosport-Experte dazu in Konflikt mit dem DSV. Was folgte, war ein Nationenwechsel nach Belgien - inklusive einer fast zweijährigen Zeit, in der Rösch im Wechselverfahren in der Luft hing. Seinen Beamtenstatus bei der Bundespolizei hatte er wegen des Wechsels zur belgischen Staatsbürgerschaft aufgeben müssen.
Im Januar 2013 habe er erstmals einen "Ansatz von Suizidgedanken" gehabt, wie Rösch jetzt erklärt hat.

2019 bekommt Rösch Hilfe

Der Nationenwechsel funktionierte, 2015 machten dem Team-Olympiasieger aber körperliche Probleme zu schaffen.
Ein Drüsenfieber und ein Achillessehnenriss wenige Tage nach einer Operation lösten gar eine "lebensbedrohliche Situation" aus, danach sei Rösch über Monate "dahinvegetiert", wie er es selbst beschrieb.
Nach seinem Karriereende 2019 und einem emotionalen Zusammenbruch begab sich der 42-Jährige im Mai desselben Jahres zum ersten Mal in die Notfallambulanz. Medikamente und über 50 Therapiesitzungen halfen Rösch.
"Es war wie ein Nebel – und plötzlich war blauer Himmel", sagte der ehemalige Biathlet jetzt und betonte, dass die Therapie "kein abgeschlossener Prozess" sei.
Mit Blick auf seine eigene Geschichte hatte Rösch noch einen Rat für Menschen in ähnlichen Situationen: "Sucht euch Hilfe!", appellierte der 42-Jährige.
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