Francesco Friedrich grinste breit in die Sonne über Yanqing, der King of Bob war bereit für die Krönung. Seine drei Anschieber hängten ihm die Goldmedaille um den Hals, und spätestens in diesem Moment war Friedrich endgültig der Größte in der Geschichte seines Sports.
Der "Dominator", der "Killer", der "Alles-richtig-Macher" - er stellt mit seinem zweiten olympischen Double sogar Bob-Ikone Andre Lange in den Schatten.
Die historische Dimension war für den Sachsen zwar erstmal "völlig uninteressant", sagte Friedrich nach dem Sieg im Vierer vor seinem Teamrivalen Johannes Lochner, "wir sind einfach froh, dass wir es hier geschafft haben, es herrschte ein Top-Niveau. Da fällt eine Last von den Schultern."
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Doch Friedrich hat auf seiner Rekordjagd nun auch die letzte Kategorie abgehakt. Bei Weltcups und Weltmeisterschaften war er zuvor schon unerreicht, nun gelang ihm auch bei Winterspielen Historisches: Wie schon in Pyeongchang 2018 gewann er im Zweier und im Vierer, niemand hatte je diesen doppelten Doppel-Triumph geschafft. Und nach Goldmedaillen liegt er nun mit Lange gleichauf, dem erfolgreichsten Bob-Piloten bei Winterspielen.

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Friedrich seit sechs Großereignissen ungeschlagen

Der liegt offiziell noch vorn, weil er bei insgesamt drei Winterspielen zudem noch einmal Silber gewann - er huldigte seinem Nachfolger aber wie so viele andere Beobachter. "Das waren überragende Olympische Spiele", sagte Lange in der "ARD", "meinen herzlichen Glückwunsch. Francesco macht alles richtig, er hat die Nervenstärke, ist kaltschnäuzig, das Gesamtpaket stimmt."

Francesco Friedrich (u.) fährt den deutschen Viererbob zu Gold in Peking, Anschieber Thorsten Margis (o.) jubelt

Fotocredit: Getty Images

Auch Bundestrainer Rene Spies ordnete Friedrichs Leistung ein. "Andre Lange war auch wahnsinnig im Rennen, aber Franz ist nochmal eine Nummer oben drauf", sagte Spies: "Diese mentale Stärke kann man nicht erklären. Er ist der Killer im richtigen Moment." Seit nun sechs Großereignissen ist Friedrich ungeschlagen.
Es fehlte nicht viel, und Friedrich hätte wie schon im Zweier an der Spitze eines deutschen Dreifacherfolgs gestanden. Doch Christoph Hafer fehlten sechs Hundertstelsekunden zu seiner zweiten Bronzemedaille.
Diese gewann nach vier Läufen der Kanadier Justin Kripps.

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Cortina 2026 als Abschluss

Das Team D gewann im Bob, Skeleton und Rodeln letztlich 16 von 27 möglichen Medaillen - eine einmalige Bilanz.
In neun von zehn Rennen im Eiskanal holte Deutschland Gold, zwei Drittel aller deutschen Olympiasiege in China stammen von Schlittensportlern. Einzig im Monobob der Frauen waren die deutschen Farben nicht auf dem Podest vertreten. Laura Nolte und Mariama Jamanka machten dies mit dem Doppel-Triumph im Zweier am Samstag jedoch vergessen.
Für Friedrich, 31, ist die olympische Reise indes noch nicht beendet. "Wir sind noch nicht müde", sagte er, "es kommen noch vier Jahre", Cortina 2026 solle ein "Abschluss" werden: "Wenn wir weiter so akribisch sind, können wir das alles nochmal schaffen." Im Moment gibt es kaum Gründe, daran zu zweifeln.
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(SID)

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