Gerwyn Price schloss im leeren "Ally Pally" die Augen, ging in die Knie, schüttelte grinsend den Kopf - und brüllte erst dann Freude und Erleichterung heraus: Der frühere Rugby-Spieler ist nach einem furiosen Finale erstmals Darts-Weltmeister und hat damit seinen bemerkenswerten Sturm auf den Thron des einstigen Kneipensports vollendet. Mit 7:3 setzte Price sich gegen Gary Anderson durch, der zweimalige Weltmeister aus Schottland war als Außenseiter in sein fünftes WM-Finale gegangen - und konnte erst in der Schlussphase mithalten.
Zuvor trat Price völlig überlegen auf, der 35-Jährige warf sich phasenweise in einen Rausch und wackelte erst, als es um alles ging: Elf Match-Darts vergab er insgesamt - und krönte im Londoner Alexandra Palace dann doch noch eine starke Saison, strich neben der 25 kg schweren Sid Waddell Trophy das Preisgeld von 500.000 Pfund ein und eroberte auch Rang eins der Weltrangliste. Seit Januar 2014 hatte der langjährige Dominator Michael van Gerwen (Niederlande) diese Position inne gehabt.
"Ich war noch nie in der Situation, die WM zu gewinnen, das war richtig hart", sagte Price über die letzten Legs: "Ich war noch nie so nervös wie in diesem Match."
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Nun steht er an der Spitze des Sports, den er erst seit sechs Jahren wirklich ernsthaft betreibt. Denn zuvor war sein Traum eine Karriere als Rugby-Profi gewesen. Lange spielte Price in einer semiprofessionellen Liga, lief für die walisische Jugend-Nationalmannschaft auf. Anfang 2013 beendete eine Verletzung am Handgelenk dann diese Ambitionen, ab 2014 konzentrierte sich Price nur noch auf seine Dartskarriere.

Anderson zu fehlerbehaftet

Und demonstrierte im wichtigsten Match seiner Karriere nun all seine Stärken. Gleich den ersten Satz schnappte er sich mit einem Break, seine anfängliche Nervosität schien er schnell abgelegt zu haben - zeigte dann allerdings im zweiten Satz Nerven und ermöglichte Anderson den Ausgleich.
In den nächsten Sätzen folgte aber eine Demonstration des Favoriten. Anderson haderte nun immer wieder, benötigte zu viele Darts vor allem auf die Doppelfelder und öffnete Price damit Türen. Und der rannte diese geradezu ein, traf in Serie und vergab im sechsten Durchgang nur um einen Zentimeter einen Neun-Darter - den Satz zum 5:1 holte er Augenblicke später dennoch.
Erst anschließend fand Anderson wieder besser ins Spiel, verkürzte noch einmal, Price fielen die Würfe nicht mehr leicht, er wurde nervös. Sein Sieg war dennoch nicht mehr zu verhindern, auch zu den erwarteten Scharmützeln kam es nicht. Denn das Match war brisant, hatte eine unrühmliche Vorgeschichte: Im Finale des Grand Slam of Darts im November 2018 gerieten beide immer wieder aneinander und sorgten für einen Eklat. Price provozierte viel, gewann dadurch seinen ersten großen Titel, wurde aber später noch sanktioniert.
Am Sonntag nun blieb alles ruhig. Anderson nahm die Niederlage gelassen, er hatte schon mit seiner Finalteilnahme die Erwartungen übertroffen. Der Weltmeister von 2015 und 2016 erreichte im zurückliegenden Jahr nur selten seine Topform, im Vorfeld der WM plagten ihn zudem starke Kniebeschwerden. Als Final-Verlierer bekam er nun noch ein Preisgeld von 200.000 Pfund.

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