Olympia 2026 - Eishockey-Star Leon Draisaitl vor Frankreich-Spiel exklusiv: "Müssen zeigen, was wir im Kreuz haben"
VonThomas Gaber
Update 17/02/2026 um 07:33 GMT+1 Uhr
Leon Draisaitl ist einer der absoluten Superstars der Olympischen Spiele 2026. Der NHL-Profi von den Edmonton Oilers spielt erstmals seit 2019 wieder für Deutschland und will mit der Nationalmannschaft in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Im exklusiven Interview mit Eurosport spricht Draisaitl über sein Verhältnis zu den deutschen Eishockey-Fans und verrät Details über seinen "Waschlappen".
Draisaitl exklusiv über Druck, Senf und das Duell mit Frankreich
Quelle: Eurosport
Trotz der Niederlagen gegen Lettland (3:4) und die USA (1:5) hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft noch alle Chancen, das Halbfinale bei den Olympischen Spielen 2026 zu erreichen.
Auf dem Weg dorthin ist ein Sieg gegen Frankreich am Dienstag Pflicht (ab 12:10 Uhr live auf Eurosport und HBO Max).
Für Ausnahmespieler Leon Draisaitl sind es die ersten Spiele, die er als Fahnenträger der deutschen Mannschaft eröffnen durfte.
Der NHL-Star von den Edmonton Oilers spricht exklusiv bei Eurosport mit Patrick Ehelechner über das Erlebnis Olympia und die Herausforderung, in kürzester Zeit eine schlagkräftige Mannschaft für die Spiele zu bilden.
Was bedeutet für Sie das Erlebnis Olympia?
Leon Draisaitl: Es sind meine ersten Olympischen Spiele. Mit den anderen Athleten zusammen zu sein, mit unseren Jungs viel Zeit zu verbringen, ist bestimmt das Highlight bis jetzt - abgesehen von der Eröffnungszeremonie.
Letztmals haben Sie bei der WM 2019 für Deutschland gespielt. Was hat sich in der Nationalmannschaft seitdem verändert?
Draisaitl: Sehr viel. Ich habe die Hälfte der Mannschaft erst hier kennengelernt. Ich habe viel verpasst in den letzten sieben Jahren, das ist eine neue Generation. Das sind alles super Jungs. Wir haben viel Spaß zusammen und können das hoffentlich noch ein paar Tage weiterführen. Das dauert seine Zeit und geht wahrscheinlich allen Mannschaften bei Olympia so. Jetzt kommen die wichtigen Spiele und da müssen wir zeigen, was wir im Kreuz haben.
Die Begeisterung der deutschen Fans zu sehen, wie sie jubeln - das ist überragend und macht unfassbar viel Spaß
Es wird in Deutschland gerne von der besten Eishockey-Nationalmannschaft aller Zeiten gesprochen. Wie gehen Sie mit Erwartungsdruck um?
Draisaitl: Man muss da ein bisschen die Bremse reinhauen. Natürlich haben wir talentierte Spieler dabei, die in der NHL ihr Ding machen. Wenn du die beste Nationalmannschaft sein willst, geht das nur als Mannschaft. Die Einzelspieler machen vielleicht am Ende den Unterschied.
Was würden Sie sich von den deutschen Fans wünschen, die ja hier bei Olympia auch zahlreich vertreten sind?
Draisaitl: Ich würde mir wünschen, dass das ganze Land hinter uns steht, wenn jetzt die wirklich wichtigen Spiele anfangen. Da kann man ganz schnell als komplette Nation zusammenkommen. Man merkt das bei der Fußball-WM und den großen Turnieren. Es wäre cool, wenn wir das auch hinbekommen. Für mich ist es etwas sehr Besonderes, die deutschen Fans in den Stadien zu sehen, das ist so viel anders als in der NHL. Die Begeisterung der deutschen Fans zu sehen, wie sie jubeln - das ist überragend und macht unfassbar viel Spaß.
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Quelle: Eurosport
Was erwarten Sie vom Spiel am Dienstag gegen Frankreich?
Draisaitl: Das wird ein schwieriges Spiel. Es gibt bei diesem Turnier keine schlechte Mannschaft. Natürlich ist Frankreich schlagbar und wenn wir unser Spiel durchziehen und ein bisschen konsequenter sind, haben wir eine gute Chance, zu gewinnen. Nur werden die Franzosen uns das sicherlich nicht leicht machen und werden sich dagegenstemmen. Dessen müssen wir uns bewusst sein.
Der weitere Turnierverlauf sieht für die deutsche Mannschaft ja recht vielversprechend aus, weil man auf der eher "leichten" Seite des Turnierbaums ist. Ist das ein Thema in der Mannschaft?
Draisaitl: Wir sind alle Menschen und schauen natürlich auf die Seite und sehen, dass wir, wenn wir unsere Arbeit erledigen, auf der glücklicheren Seite sind. Das ist gar keine Frage. Trotzdem musst du erstmal mit dem Spiel gegen Frankreich anfangen. Dann musst du die Slowakei schlagen... Das ist ein langer Weg, aber es hätte mit Sicherheit schlimmer kommen können.
Es gibt Momente, in denen mir die Emotionen zu viel werden. Aber ich bin mir dieser Verantwortung bewusst und es bedeutet mir auch sehr viel. Es freut mich, wenn die Kids auf mich schauen, ich nehme die Anerkennung mit viel Stolz auf
Wie unterscheidet sich das Spiel zwischen der NHL und Olympia? Die Eisfläche ist hier etwas kleiner, gibt es weitere Unterschiede?
Draisaitl: Ich spüre schon Unterschiede, aber das hat alles damit zu tun, dass es noch nicht eingespielt ist. Wenn du in der NHL in ein Spiel reingehst, weiß jeder genau seine Rolle. Wir wissen genau, welches System wir spielen, wir wissen genau, wie der Gegner aussieht, wir kennen jeden Spieler vom Gegner.
Sie sind für viele Nachwuchsspieler in Deutschland, aber auch weltweit das absolute Vorbild. Spüren Sie diese Verantwortung?
Draisaitl: Es gibt Momente, in denen mir die Emotionen zu viel werden. Aber ich bin mir dieser Verantwortung bewusst und es bedeutet mir auch sehr viel. Es freut mich, wenn die Kids zu mir aufschauen, ich nehme die Anerkennung mit viel Stolz auf.
Welcher Moment in Ihrer Karriere hat Sie mental am meisten gefordert?
Draisaitl: Die zwei Finalniederlagen im Stanley Cup schmerzen natürlich enorm. Es ist schon anstrengend, sich für die neue Saison wieder aufzupäppeln und wieder anzugreifen. Viel wichtiger sind die kleinen Sachen. Du lernst in diesem Sport jeden Tag neue Dinge über dich selbst, über die Mannschaft, über deinen Linksaußen, über deinen Rechtsaußen.
Sie verwenden eine auffällig gerade Kelle, einige ihrer Mitspieler sagen: 'Das ist ein Waschlappen, mit dem Leon da spielt.' Haben Sie schon immer mit diesem Schläger gespielt?
Draisaitl: Die Biegung hat sich tatsächlich nie verändert. Seit ich ein kleiner Junge bin, ist mein Schläger so gebogen, ich bin damit aufgewachsen. Es klappt für mich und ich habe nie daran gedacht, etwas zu verändern. Ich bin auch kein riesen Fan davon, Dinge andauernd auszuwechseln oder zu tauschen.
Wenn ich das Gefühl habe, dass es zu Krämpfen kommen könnte, bin ich ein bisschen proaktiv und hau mir einen Löffel Senf rein
Im Spiel gegen die USA haben Sie eine kleine Tüte Senf gegessen. Was hat es damit auf sich?
Draisaitl: Senf ist total gut gegen Krämpfe. Wenn man Krämpfe bekommt, wirkt das bei mir am besten. Wenn ich das Gefühl habe, dass es dazu kommen könnte, bin ich ab und zu ein bisschen proaktiv und hau mir einen Löffel Senf rein.
Sie wurden gegen die USA vom Amerikaner Matthew Tkachuk mit einem Spruch provoziert. Wie kam das bei Ihnen an?
Draisaitl: Das ist sein Spiel. Das kann er seiner Meinung nach ja ganz gut. Bei mir kommt das jetzt nicht so an, aber es gehört dazu. In den Medien wird das immer ein bisschen größer dargestellt, als es tatsächlich ist. Es interessiert mich nicht wirklich.
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Tkachuk verhöhnt Draisaitl: "Immer nur die Brautjungfer, Leon!"
Quelle: Eurosport
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