WM: Dänemark feiert Eishockey-Wunder im Viertelfinale - "Kanada kam nur mit Kulturbeuteln"

Das kleine Dänemark im Halbfinale, das große Kanada draußen. Matchwinner Nick Olesen konnte die Sensation bei der Eishockey-WM kaum glauben. "Mir fehlen die Worte, es ist unglaublich", sagte der Siegtorschütze nach dem 2:1 (0:0, 0:0, 2:1) im Viertelfinale vor eigenem Publikum in Herning: "Es ist verrückt." Die Dänen feierten den überhaupt erst zweiten Sieg gegen den Rekordweltmeister.

Das dänische Eishockey-Team feiert seinen Viertelfinalsieg gegen Kanada

Fotocredit: Getty Images

2022 war in der WM-Vorrunde ein 3:2 über die Kanadier gelungen. Doch der Coup im K.o.-Spiel hat eine ganz andere Bedeutung - der Gastgeber steht erstmals in einem WM-Halbfinale und fordert am Samstag (18:20 Uhr im Livescoring) die starken Schweizer heraus.
Lange stand die Null im ungleichen Duell, dann brach Travis Sanheim für die Ahornblätter den Bann (46.). Als es aussah, als würde sich (wie fast immer) der Favorit durchsetzen, wenn auch knapp, schlug Nikolaj Ehlers zu. Der NHL-Star von den Winnipeg Jets traf mit einem Handgelenkschuss von der blauen Linie, sein Cousin Alexander True verstellte Goalie Jordan Binnington dabei die Sicht (58.).
Und als es dann aussah, als ginge es in die Verlängerung, hob Olesen nach einem Rebound mit einer Bierruhe den Puck aus kurzer Distanz ins Netz und sorgte 49 Sekunden vor Schluss vor 10.500 Fans in der ausverkauften Jyske Bank Boxen für die totale Ekstase (60.).
"Das ist völlig verrückt", titelte "Ekstrabladet": "David besiegt Goliath!" Und "BT" fand: "Wir wurden Zeuge eines Stücks dänischer Sportgeschichte der wildesten Art." Die Nachrichtenagentur "Reuters" nannte es "das Wunder von Midtjylland".

Dänemark feiert: "Das verrückteste Spiel"

"Es war der Wahnsinn, die Zuschauer waren total aus dem Häuschen. Es war wahrscheinlich das größte Spiel meiner Karriere", sagte Siegtorschütze Olesen, der im Alltag für HC Ceske Budejovice aus Tschechien spielt. Für Ehlers war es "das verrückteste Spiel, an dem ich je teilgenommen habe."
Mehr als 75 Jahre nach ihrer Premiere gelang den Danish Lions der bislang größte Erfolg. Am 12. Februar 1949 hatte das Nationalteam in Stockholm sein erstes WM-Spiel gemacht, 0:47 stand es nach 60 Minuten, der Gegner hieß: Kanada.
Doch solche Zeiten sind lange vorbei, dem schon eher unerwarteten Einzug in die Finalrunde durch den dramatischen Sieg im letzten Gruppenspiel über Deutschland (2:1 n.P.) ließ das Team des schwedischen Trainers Mikael Gath einen Knall folgen.

Kanada geschockt - Crosby bedient

Die kanadischen NHL-Cracks waren nach dem Aus bedient. "Ich bin enttäuscht", sagte Superstar Sidney Crosby. Das Team habe sich zwar "im Laufe des Turniers verbessert", aber der Abend in Herning sei "nicht unbedingt unser bester" gewesen: "Wir sind in Führung gegangen und waren in einer guten Position, aber die Situation hat sich schnell geändert."
"Natürlich ist das eine herbe Niederlage", sagte Cheftrainer Dean Evason: "Wir hätten in allen Bereichen besser sein müssen. Es ist schwer zu verdauen, es ist sehr frustrierend und enttäuschend, so weit gekommen zu sein und dann zu scheitern."
Ryan O'Reilly befand kleinlaut, man habe "das Land nicht so repräsentiert, wie wir es vorhatten". Dabei spielte Superstar Sidney Crosby erstmals seit zehn Jahren mit. Auch Nathan McKinnon, 2024 MVP der NHL-Hauptrunde und in diesem Jahr wertvollster Spieler beim Gewinn des 4 Nations Face-Off, einer Art Mini-Olympia, stand im Kader. Binnington hatte 2019 mit den St. Louis Blues den Stanley Cup gewonnen.

"Die Kanadier kamen nur mit Kulturbeuteln"

Crosby, der den Führungstreffer für den 28-maligen Goldmedaillengewinner auflegte, war "enttäuscht". Das Team habe sich zwar "im Laufe des Turniers" gesteigert, der Abend in Herning aber sei "nicht unbedingt unser bester" gewesen.
Kanada hatte jedoch auch Pech mit dem Spielplan: Am Montag und Dienstag spielten die Cracks noch in Stockholm kräftezehrend gegen die Mitfavoriten Finnland (1:2 n.P.) und Schweden (5:3). Am Mittwoch musste man, obwohl Sieger der Vorrundengruppe A, nach Herning in Dänemark reisen.
Nach dem eigentlich fest eingeplanten Sieg gegen die Dänen wäre es direkt zurück nach Stockholm gegangen, wo am Samstag und Sonntag die Halbfinals, das Spiel um Platz drei und das Endspiel folgen. "Die Kanadier kamen nur mit Kulturbeuteln", wurde Dänemarks Co-Trainer Andreas Lilja zitiert, was für weitere Häme sorgte - aber aufgrund des Spielplans verständlich war.
(SID)
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Quelle: Perform


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