Olympia 2026: Ukrainischer Eiskunstläufer sieht Familie in Mailand wieder - die emotionale Geschichte dahinter

Vier lange Jahre hat Eiskunstläufer Vadym Kolesnik große Teile seiner Familie nicht mehr gesehen - wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Doch bei den Olympischen Winterspielen kann der gebürtige Ukrainer, der für die USA startet, zwei seiner Liebsten endlich wiedertreffen. Möglich macht das eine Crowdfunding-Kampagne, die er nach seiner Olympia-Qualifikation gestartet hatte.

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Quelle: Eurosport

Seit vier Jahren fallen russische Bomben auf Charkiw, die Geburtsstadt von Vadym Kolesnik. Seit vier Jahren zerstören russische Luftangriffe die Infrastruktur, die Häuser, darunter das Beleuchtungsgeschäft seines Vaters Igor. Seit vier Jahren fliegen Drohnen über den Kopf seines Bruders Igor, der nach der russischen Invasion sich der ukrainischen Armee angeschlossen hat.
"Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit", sagte Kolesnik nun bei den Winterspielen in Mailand, wo er als Eiskunstläufer mit dem US-amerikanischen Team um Medaillen kämpft.
Wegen des russischen Angriffskrieges kann der 24-Jährige nicht mehr in seine Heimat reisen, den Großteil seiner Familie seither nicht mehr in die Arme schließen.
Am Samstag aber endete das lange Warten zumindest teilweise. Denn dort konnten zwei seiner Verwandten, Snezhana und Irina, nach Norditalien fliegen, um Kolesnik in dieser Woche zu begleiten.
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Der Weg von Vadym Kolesnik (r.) zu Olympia war weit.

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Mehr als 25.000 US-Dollar durch Crowdfunding-Kampagne

"Ich bin einfach so dankbar. Ohne die Hilfe aller wären sie nicht hier", betonte Kolesnik im Gespräch mit der Nachrichtenagentur "AP" nach einem Training in der Mailänder Ice Skating Arena, in der er am Montagabend beim Rhythmustanz in seine ersten olympischen Wettbewerbe überhaupt startet.
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Das Wiedersehen möglich gemacht hat die Crowdfunding-Kampagne, die er gemeinsam mit seiner Eiskunstlaufpartnerin Emilea Zingas im Januar ins Leben rief. Das Ziel war 25.000 US-Dollar - diese Summe ist längst erreicht. "So viel hätten wir nie erwartet", sagte Zingas der "AP".

Erst Langzeitvisum, dann US-Staatsbürger

Im Jahr 2016 war Kolesnik in die USA gekommen, um beim renommierten Trainer Igor Shpilband vorzusprechen. Doch schon bald musste er erfahren, wie schwierig es als Einwanderer in den Vereinigten Staaten sein kann.
Nach einer kurzen Rückkehr in die Ukraine wurde ihm die Wiedereinreise zunächst verweigert. Schließlich erhielt er ein Langzeitvisum, um weiter in den USA trainieren zu können.
Bis seine Mutter vor etwa drei Jahren zu ihm stieß, war er allerdings weitgehend auf sich allein gestellt. Sein Vater blieb in der Ukraine, um sich um die Großmutter zu kümmern, während sein älterer Bruder schließlich in den Krieg zog.
Im vergangenen Sommer wurde Kolesnik dann eine besondere Ehre zuteil, die sein (Sport-) Leben erleichtert: Der gebürtige Ukrainer erhielt die US-Staatsbürgerschaft.
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Seit 2025 ist Vadym Kolesnik nun US-Staatsbürger.

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Sport als Flucht: Kolesnik arbeitet mit Psychologen

Wenn Kolesnik in den USA nicht auf der Eisfläche steht, um mit seiner Partnerin Zingas zu trainieren, arbeitet er in einer Eishalle in einem Vorort von Detroit/Michigan. Seinen Alltag und sein Leben von den erschreckenden Ereignissen in der Ukraine zu trennen, habe er inzwischen gelernt, sagte Kolesnik der Nachrichtenagentur "AP".
Mithilfe eines Sportpsychologen lernte er, "wie ich das ausblenden kann. Ich muss rausgehen, meine Geschichte erzählen, mich auf meine Arbeit konzentrieren. Und was auch immer außerhalb des Eislaufens passiert, bleibt außerhalb."
Das Eiskunstlaufen nutze er als Flucht, berichtet Kolesnik - das sagt auch seine Partnerin Zingas. "Man muss bedenken, dass ihn dieser Krieg sehr beschäftigt. Jeden Tag erhält er Videos und Nachrichten über Freunde, die sterben oder verletzt werden. Das ist nicht leicht. Seit vier Jahren lastet jeden Tag eine große Bürde auf ihm", so die 22-jährige US-Amerikanerin.

Keine Olympia-Reise für seine Mutter

Während Kolesnik zu den Olympischen Spiele reiste und zwei seiner Familienmitglieder aus der Ukraine einfliegen lassen konnte, musste seine Mutter derweil eine emotional schwere Entscheidung treffen: Sie blieb in Michigan, da laut Kolesnik die Rückreise in die USA hätte Schwierigkeiten bereiten können.
"Unser Anwalt hat uns davon abgeraten", erklärte auch Zingas. Kolesniks Mutter habe zwar ein Visum bis 2027 und alle erforderlichen Dokumente. "Aber sie haben Geschichten von Leuten gehört, die alle erforderlichen Unterlagen hatten und denen dennoch die Einreise verweigert wurde, weil irgendetwas passiert ist."
Für seine Mutter hat Kolesnik allerdings die Hoffnung auf eine Green Card, damit diese auf unbestimmte Zeit in den Vereinigten Staaten bleiben könne.
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Vadym Kolesnik mit seiner Eiskunstlaufpartnerin Emilea Zingas.

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Kolesnik lebt seinen Olympia-Traum

Zu seinen Eltern hat Kolesnik ein inniges Verhältnis. "Sie sind stolz auf mich, besonders mein Vater", erzählte er der Nachrichtenagentur "AP".
Seine Mutter habe seinen Traum vom Eiskunstlaufen früher nicht so sehr unterstützt, doch sein Vater habe immer hinter ihm gestanden: "Er schickte mich in die USA, damit ich meinen Träumen folgen konnte."
Auf der größten Sportbühne der Welt, den Olympischen Winterspielen, darf er seinen Traum nun weiterleben. Vor den Augen zweier Familienmitglieder, denen er die Anreise ermöglichte.
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Quelle: Eurosport


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