Den Fans des Weltmeisters war das völlig egal. Sie kreierten in der Gangneung Ice Arena mit japanischen Fähnchen eine Heimspielatmosphäre für ihr Idol und fluteten das Eis am Ende der Kür wieder einmal mit plüschigen Winnie Puuhs. Hanyu bedankte sich beim Verlassen der eisigen Fläche typisch japanisch: Mit der wohl tiefsten aller möglichen Verbeugungen.
Ich bin überwältigt. Ich habe endlich wieder gespürt, wie gerne ich eislaufe.
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So beschrieb der 23-Jährige seine Emotionen. Hatte ihm der freitägliche Auftakt beim Kurzprogramm nur ein verhaltenes Lächeln entlockt, zierte sein Gesicht am Ende der Kür ein befreites Lachen.
Schließlich hatte ein Vierteljahr lang ein immenser Druck auf Hanyu gelastet. Nahezu täglich wurde landesweit darüber spekuliert, ob sein lädierter rechter Knöchel bis Olympia rechtzeitig ausheilen würde. Was er letztlich tat, zumindest so weit, dass ein Olympiastart möglich war.

Hanyu nun in elitärem Kreis

Auch in Tokio war die Begeisterung für den Triumph des Volkshelden riesig. Einer der größten Kinosäle der japanischen Hauptstadt musste beim Public Viewing vorzeitig geschlossen werden, viele Fans fanden keinen Einlass mehr. Dabei waren die Kassen bereits fünf Stunden vor dem Start von Hanyu geöffnet worden.
Dank seiner zweiten Goldmedaille gehört der Kufenkünstler aus Fernost zu einem wahrhaft elitären Kreis. Lediglich drei anderen Läufern ist es seit 1920 gelungen, zweimal nacheinander olympisches Einzel-Gold bei den Herren zu gewinnen. Zu ihnen gehört auch der Schwede Gillis Grafström, der 1920, 1924 und 1928 triumphierte.
Eine Marke, die Hanyu durchaus reizt, festlegen lassen auf vier weitere Jahre bis Olympia 2022 in Peking wollte er sich aber nicht, denn: "Das wäre schon ein sehr anspruchsvolles Ziel."

Hanyus Konkurrenz lauert bereits

Einen Vorgeschmack darauf lieferte ihm die Konkurrenz bereits in Südkorea. Sein drei Jahre jüngerer Landsmann Shoma Uno, der die Silbermedaille gewann, war bereits in dieser Saison eine ernstzunehmende sportliche Bedrohung.
Noch gefährlicher könnte für Hanyu der erst 18 Jahre alte Nathan Chen werden. Der US-Amerikaner präsentierte sechs Vierfachsprünge und war damit in der Kür schon stärker als der Olympiasieger. Nur wegen eines verheerenden Kurzprogramms kam der Youngster insgesamt nicht über den fünften Platz hinaus.

Fernandez hört auf

Einen Rivalen, der gleichzeitig aber auch ein guter Freund ist, wird Hanyu indes los. Denn Bronzemedaillengewinner Javier Fernandez, seit Jahren gemeinsam mit ihm in der Trainingsgruppe des kanadischen Starcoaches Brian Orser, hängt seine Schlittschuhe an den berühmten Nagel.
Nicht nur mit Olympiabronze, sondern auch mit zweimal WM-Gold und sechs Europameisterschaften in Serie hat der Spanier sein Heimatland überhaupt erst auf die Landkarte des Eiskunstlaufs gebracht, sichtlich stolz berichtete er von Fortschritten.
"Die Menschen bei uns interessieren sich mittlerweile dafür, auch immer mehr Kinder wollen aufs Eis", erklärte der 26-Jährige. Vorbei also die Zeiten, in denen er sich fühlte "wie ein Sportler, der in Alaska Beach-Volleyball spielt", wie er einmal sagte.
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