Eurosport
Verbandskrise im Eisschnelllauf nach Suspendierung von Fridtjof Petzold: "Wer Probleme anspricht, wird eingeschüchtert"
Von
Publiziert 04/03/2026 um 13:27 GMT+1 Uhr
Die Krise in der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) weitet sich aus. Nach der Suspendierung von Fridtjof Petzold rebelliert Teamkollege Felix Maly offen gegen die Verbandsführung und sagt seinen Start bei den Weltmeisterschaften im niederländischen Friesland ab. Präsident Matthias Große steht nach einem "ARD"-Bericht während der Olympischen Spiele 2026 weiter unter Druck.
Nach kuriosem Start: Deutschland nutzt Chance im Verfolgungsduell
Quelle: Eurosport
Bescheiden sind sie nicht gerade, die Hausherren im Thialf. "Hier schlägt das weltweite Herz des Eisschnelllaufs", heißt es in der Selbstbeschreibung des Eisstadions von Heerenveen. Hier werden "Legenden geboren".
Und tatsächlich: Was Wimbledon für die Tennisprofis oder Wembley für die Fußballer ist, das ist das Oval in Friesland für alle Eisschnellläufer. Wenn hier eine WM vor tausenden fanatischen Oranje-Fans stattfindet, wollen sie alle dabei sein.
Umso bemerkenswerter sind die Zeilen, die der Deutsche Felix Maly am Dienstag schrieb. Er habe seinem Verband mitgeteilt, eine mögliche Nominierung "nicht wahrzunehmen".
Maly verzichtet auf das Erlebnis Thialf, auf ein Highlight in seinem Leben als Leistungssportler - aus Solidarität zu seinem Teamkollegen Fridtjof Petzold. Denn der bangt nach seiner Suspendierung durch die DESG um die Fortsetzung seiner Karriere.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/03/04/image-d5b9a29b-f25b-4431-8600-b5548176f702-85-2560-1440.jpeg)
Eisschnellläufer Felix Maly hat seinen WM-Start abgesagt.
Fotocredit: Getty Images
Malys Startverzicht ist der vorläufige Höhepunkt einer Krise, die längst mehr ist als eine Verbandsposse. Für Mittwoch stand das Thema auf der Tagesordnung im Sportausschuss des Bundestages, das für den Sport zuständige Bundeskanzleramt sollte vor den Abgeordneten Stellung beziehen.
DESG-Präsident Große unter Druck
Die DESG und ihr Präsident Matthias Große stehen nach einem "ARD"-Bericht während der Olympischen Spiele unter Druck. Große wehrte sich vehement - mit fragwürdigem Verständnis von Pressefreiheit.
Das Getöse um den Ausschluss der Journalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus von einer DESG-Pressekonferenz überlagerte in der vergangenen Woche das Schicksal, das Petzold droht. Der hatte in Mailand von strukturellen Defiziten im Verband gesprochen und mangelnde Betreuung kritisiert.
Das brachte ihm Großes Zorn ein. "Dann kommt jemand, der keine Leistung bringt, der sich nicht an die Regeln hält, stellt sich vor die Kamera und pestet", sagte der Präsident.
Petzolds Status als Bundeskaderathlet ausgesetzt
Die Konsequenz: Petzold verpasst nach einer vorläufigen Sperre die WM. Schlimmer noch: Sein Status als Bundeskaderathlet ist ausgesetzt.
Für den unabhängigen Verein Athleten Deutschland ein unhaltbarer Zustand. "Athletinnen und Athleten müssen Kritik üben können, ohne dadurch ihre Kaderzugehörigkeit zu riskieren. Das Verhalten der DESG sendet das gegenteilige Signal - wer Probleme anspricht, wird eingeschüchtert und im Zweifel rausgeworfen", sagte Geschäftsführer Johannes Herber.
Für Felix Maly ist klar: "Als Leistungssportler bin ich auf faire, transparente und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Dazu gehört für mich auch die Möglichkeit, Missstände oder Kritikpunkte anzusprechen, ohne befürchten zu müssen, dadurch sportlich benachteiligt zu werden."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/03/04/image-6402501f-d4d3-4930-a3cc-43aa35c39712.jpeg)
Fridtjof Petzold wurde von der DESG suspendiert.
Fotocredit: Getty Images
Schweren Herzens folgte daher sein Verzicht. "Die Entscheidung des Verbandes gegenüber meinem Teamkollegen Fridtjof Petzold hat mich persönlich und sportlich stark beschäftigt", sagte er.
DOSB fordert DESG wohl zu Stellungnahme auf
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wollte zu den Entwicklungen keine Erklärung abgeben, nach "SID"-Informationen hat er die DESG zu einer Stellungnahme aufgefordert.
Der Dachverband beruft sich auf die im Grundgesetz verankerte Verbandsautonomie. Für Hendrik Dombek, Athletensprecher in der DESG und Präsidiumsmitglied bei Athleten Deutschland, greift das allerdings zu kurz: "Die Verbandsautonomie darf künftig nicht mehr als Schutzschild für Fehlverhalten herhalten."
Zumal die Vorwürfe aus der "ARD"-Doku und von Petzold laut der Athletenvertretung keine Einzelfälle sind. "In den vergangenen Jahren haben sich wiederholt Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer an uns gewandt und auf Fehlentwicklungen in der DESG hingewiesen", teilte der Verein mit.
Hoffnung auf ein faires Verfahren für Petzold haben die Athleten nicht, da in der Disziplinarkommission der DESG, die über mögliche Sanktionen entscheidet, "ausgerechnet jene Personen vertreten sind, die Gegenstand der Kritik sind".
Das könnte Dich auch interessieren: Sonnekalb: Fünfmal Junioren-Gold gegen Olympia-Frust
(SID)
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/11/17/image-72ee0e94-c0f6-4dba-8621-f4d246a6097d-85-2560-1440.jpeg)
Maly glänzt im Massenstart beim Weltcup in den USA
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung