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Lieber Leidenschaft als Geld: Vettel warnt F1 vor Verfall

Lieber Leidenschaft als Geld: Vettel warnt F1 vor Verfall

01/08/2019 um 17:05Aktualisiert 01/08/2019 um 17:13

Sebastian Vettel wünscht sich, dass die Formel 1 ihre Historie nicht vergisst, und würde Rennen wie Deutschland, Monza oder Silverstone nie streichen. Für ihn ist der Erhalt bestimmter Grand-Prix mehr Wert als Geld. Der Ferrari-Pilot forderte dazu auf, wieder mehr im Sinne des Sports selbst zu denken und handeln - auch, um die Fans nicht zu verlieren.

Der Große Preis von Deutschland war im Grunde farblich gespalten von zwei Lagern. Auf der einen Seite gab es viele deutsche Fans, die vor allem Sebastian Vettel in Ferrari-Rot anfeuerten, auf der anderen Seite waren auch viele niederländische Fans vor Ort, die in Orange mit Max Verstappen mitfieberten.

"Es war etwas seltsam, weil die Farben nicht wirklich zueinander passen", scherzt der Red-Bull-Pilot in Richtung Vettel. "Na ja, sie sind ähnlich", entgegnet dieser. "Ich habe das Orange auch für mich in Beschlag genommen", sagt der Deutsche und lacht.

Im kommenden Jahr könnten beide Farben jedoch von den Tribünen verschwinden - und das nicht nur, weil die Niederländer in Zandvoort ihren eigenen Grand Prix bekommen. Denn es zeichnet sich immer mehr ab, dass Deutschland 2020 kein Teil des Formel-1-Kalenders mehr sein wird, was Vettel mehr als schade finden würde.

"Ich hoffe, dass wir das Rennen nicht verlieren werden", sagt er und zeigt sich beeindruckt von der Leidenschaft, die die Fans an den Tag gelegt haben. "Viele Leute waren da, und es war trotz des Wetters ausverkauft", so Vettel. Am Sonntag wurden 61.000 Fans gezählt. "In Sachen Leidenschaft und Engagement ist das Rennen ganz weit oben anzusiedeln."

Fans beim GP von Deutschland

Fans beim GP von DeutschlandGetty Images

Vettel: Historie mehr wert als Geld

Und das macht für den viermaligen Weltmeister auch einen guten Austragungsort aus - und das sagt er nicht nur, weil er Deutscher ist und es um sein Heimrennen geht. Auch Rennen wie Monza, Silverstone oder Barcelona (alle 2019 mit auslaufendem Vertrag) sollten für ihn einen festen Platz im Kalender haben - unabhängig davon, wie viel sie an die Formel 1 zahlen. Vettel meint:

"Wichtig ist nur, dass wir bestimmte Grands Prix nicht verlieren. Dabei spielt es keine Rolle, wie irrelevant sie erscheinen mögen oder wie viel sie bezahlen."

Er fände es falsch, große Länder mit vielen Rennen und umfangreicher Historie zu streichen. Das ist aktuell aber die Aussicht, während 2020 mit Vietnam ein weiterer neuer Markt in die Formel 1 drängt.

Doch diese oft zitierten neuen Märkte mit viel Geld sprechen ihn überhaupt nicht an:

"Wir sollten nicht an Orte gehen, wo sie ihre Taschen aufmachen und von der Regierung eine Menge Geld bekommen, wenn wir gleichzeitig aufhören, in Ländern mit Geschichte zu fahren."

Denn das sei für ihn im Sinne des Sportes zu kurzfristig gedacht.

Aufspringende Fans schöner als leere Sitzschalen

"Ich glaube, es macht uns auch mehr Spaß, vor vielen Zuschauern zu fahren statt vor leeren Tribünen. Auch wenn diese Tribünen mit neuen Sitzschalen ausgerüstet sind. Nutzt nur nichts, wenn niemand darauf Platz nimmt", sagt er.

Denn wie es richtig geht, habe er im Rennen am Sonntag mitbekommen. Als Vettel in der Schlussphase Konkurrent um Konkurrent überholte und von ganz hinten noch auf das Podium fuhr, brandete auf den Tribünen immer großer Jubel auf. Im TV war das sehr gut zu hören, im Auto jedoch nicht, wie Vettel zugibt. Aber:

"Ich konnte sehen, wie engagiert die Leute waren, wie sie aufsprangen. Das war ziemlich schön."

Mehr zu dem Thema wird auch in der neuesten Ausgabe von "Starting Grid" auf 'meinsportpodcast.de' diskutiert, in der Moderator Kevin Scheuren zusammen mit Chefredakteur Christian Nimmervoll auf das womöglich letzte Rennen in Hockenheim zurückblickt und auch auf den anstehenden Grand Prix in Ungarn vorausschaut.

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