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"Nicht der Sport, in den ich mich verliebt habe": Vettel kritisiert Formel 1 scharf

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Sebastian Vettel, Eurosport

Fotocredit: Eurosport

VonMotorsport-Total.com
11/06/2019 Am 20:03 | Update 11/06/2019 Am 20:04

Sebastian Vettel hat den modernen Rennsport nach seiner Strafe in Kanada scharf kritisiert. "Das ist nicht der Sport, in den ich mich verliebt habe", sagt er nach seinem verlorenen Sieg enttäuscht. Dem Ferrari-Piloten geht es nicht allein um die Entscheidung aus Montreal, sondern um die generelle Denkweise in der Formel 1 - und in der heutigen Gesellschaft.

Für ihn sind die heutigen Entscheidungen, die bei den Stewards getroffen werden, nichts als "Wortklauberei". Er möchte die Kommissare nicht kritisieren, sondern das System, das ihnen einen Zettel mit auf den Weg gibt, auf dem die (scheinbar) eindeutigen Worte stehen. Vettel wurde bestraft, weil er nach seinem Abflug unsicher auf die Strecke zurückkam und Lewis Hamilton behinderte.

Das kann man laut Vettel wörtlich so nehmen. Sollte man aber nicht: "Habe ich einen Vorteil gewonnen oder nicht? Wurde eine Kollision vermieden? Ich halte all das für falsch. Es entspricht eigentlich nicht dem, was wir im Auto tun", sagt er.

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"Es ist Racing, es ist gesunder Menschenverstand. Wenn es eine Gefahr auf der Strecke gibt, dann machst du natürlich langsam. Es ist doch ziemlich unnatürlich, da auf dem Gas zu bleiben und in das Auto vor dir zu fahren - um dann zu sagen: Das andere Auto war halt da. Als ich auf die Strecke zurückkam, musste Lewis natürlich reagieren", so Vettel.

Kritik an Rennleitung

Für ihn ist das nichts anderes als Racing und das, was die Fans auf den Tribünen auch sehen wollen. Nach der Entscheidung sprangen viele Rennfahrer - vor allem ehemalige - dem Deutschen zur Seite und kritisierten die Entscheidung der Rennleitung als falsch - auch wenn sie dem Wortlaut nach vielleicht nicht falsch gewesen sein mag.

Doch das macht Vettel als das Problem der heutigen Zeit aus: "Wir klingen alle wie Anwälte und verwenden die offizielle Sprachregelung. Das wird den Menschen und dem Sport nicht gerecht", findet er und sagt einen bedeutenden Satz:

Unterm Strich ist das nicht der Sport, in den ich mich einst verliebt habe, als ich noch Zuschauer war.

Vettel bezeichnet sich selbst als "Purist", der sich gerne mit der Vergangenheit beschäftigt und sich die alten Zeiten mit den Fahrern und Autos von früher anschaut. "Es sind Helden", sagt er. "Und es ist eine Ehre, wenn du sie treffen und mit ihnen sprechen kannst. Das liebe ich. Ich wünschte nur, ich wäre damals gefahren, nicht heute ..."

Regeln für alles: "...dann bist du ein Idiot."

Die alte Garde von damals, und da ist sich Vettel sicher, sieht das genauso wie er: Die Formel 1 ist überreglementiert.

Das ist einfach falsch, aber das ist eben unsere Zeit. Wir haben für alles Regeln.

Und das hört bei der Formel 1 und dem Motorsport nicht auf. Er vergleicht es mit der heutigen Gesellschaft.

"Wenn man heute wegen Bauarbeiten ein Loch auf dem Gehweg hat, dann muss da ein Typ stehen, der dich auf die andere Seite leitet. Ansonsten ist es der Fehler der Baufirma, dass du in das Loch gefallen bist und dir das Bein gebrochen hast", sagt er. "Für mich bist du aber einfach nur ein Idiot, wenn du da langläufst, in das Loch fällst und dir das Bein brichst ..."

Genauso verhält es sich eben auf der Strecke. Wenn der andere (in dem Fall Hamilton) den gesunden Menschenverstand nicht einschaltet und bremst, dann muss halt jemand anderes dafür verantwortlich gemacht werden.

Ärger über Beschwerde-Wut

Hamilton hatte sich am Funk beschwert, dass er bremsen musste, doch genau das ist für Vettel auch ein Grund für die heutige Regelwut: "Wir schauen auf so viele Dinge, auf die wir in der Vergangenheit nicht geschaut haben, weil einfach niemand einen Aufriss gemacht hat. Aber heute lohnt sich so ein Aufriss, weil es diese Entscheidungen gibt."

"Wir haben inzwischen eine offizielle Sprache, die falsch ist. Wir sollten sagen dürfen, was wir denken. Das ist aber nicht der Fall. Ich finde daher nicht gut, wo der Sport heute steht", so Vettel weiter. "Ein Sieg hin oder her ändert nicht alles. Ich kann mit all dem Beschweren und dergleichen aber nicht zufrieden sein. Und das sehen wir leider sehr oft."

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