Corona: Formel-1-Konzept hat in Österreich den ersten Härtetest bestanden

Mehr als 4000 Coronatests und nicht ein positiver Fall: Die Formel 1 hat bewiesen, dass Motorsport auch in der Pandemie möglich ist. FIA-Präsident Jean Todt zeigte sich überglücklich nach dem gelungenen Auftakt der Corona-Saison in der Königsklasse. Auch die Fahrer, allen voran Sieger Valtteri Bottas, zeigten sich allseits zufrieden. Luft nach oben bleibt trotzdem.

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Zumindest der Champagner ist geblieben. Ansonsten wird man sich an Formel-1-Siegerehrungen zu Coronazeiten erst gewöhnen müssen: Social Distancing zwischen den mobilen Podestchen, kontaktlose Pokalübergabe, dazu Gesichtsmaske zu obligatorischer Sponsorenkappe. Neben den fehlenden Zuschauern auf den Rängen ist die sterile Form der Zeremonie die wohl auffälligste Veränderung in der neuen Motorsport-Normalität.
"Das Risiko, dass hier jemand erkrankt, wurde minimiert", resümierte Österreich-Sieger Valtteri Bottas, "und es ist besser, auf diese Weise zu fahren als gar nicht."
Hinter den Kulissen gelten zahlreiche weitere Einschränkungen, damit der milliardenschwere Wanderzirkus mit fast vier Monaten Verspätung am vergangenen Wochenende in Spielberg endlich in die Saison starten konnte.

Formel 1: Erstes Geisterrennen der Geschichte

4032 Tests bei Fahrern, Teamangehörigen und weiterem Personal wurden bis Samstag ausgewertet - alle waren negativ. Das im Vergleich zum Entwurf der Deutschen Fußball Liga noch einmal radikalere Hygienekonzept scheint zu funktionieren.
Allerdings wurde auch nichts dem Zufall überlassen. In sage und schreibe 57 Blasen waren die immer noch gut 2000 Mitwirkenden beim ersten Geisterrennen der Formel-1-Geschichte aufgeteilt. So soll es auch am kommenden Wochenende sein, wenn erneut in Spielberg das zweite Saisonrennen stattfindet (Sonntag, 15:10 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de).
Jedes Team ist in einem anderen Hotel untergebracht, die Fahrer leben in Luxus-Wohnwagen auf dem Streckenareal. Der gesamte Tross unterzieht sich alle fünf Tage einem Coronatest, Briefings finden virtuell statt, bei - möglichst zu vermeidenden - Kontakten außerhalb der eigenen Blase gilt Maskenpflicht. Der Red-Bull-Ring ist zwei Wochen lang ein Hochsicherheitstrakt im ohnehin vom Coronavirus derzeit wenig getroffenen Österreich.

Todt: "Außerordentliche Leistung"

FIA-Präsident Jean Todt platzte förmlich vor Stolz, als er sich am Wochenende ein Bild von der Lage machte. Eine "außerordentliche Leistung" sei es, den PS-Zirkus inmitten der Pandemie wieder in Gang zu setzen. Und das als "erster internationaler Sportwettbewerb", wie der Franzose hervorhob.
Mindestens für die ersten acht Rennen soll das Konzept beibehalten werden. "Es sieht nach außen wie eine Überreaktion aus, besonders in Ländern, wo es im richtigen Leben bereits große Lockerungen gibt", sagte FIA-Rennleiter Michael Masi: "Aber wir wollen ein Prozedere, das überall funktioniert."
Damit dies gelingt, muss allerdings jeder Einzelne seinen Beitrag leisten. Das war bei der Premiere nicht immer der Fall. So blieb den wenigen zugelassenen Medienvertretern nicht verborgen, wie Ferrari-Pilot Sebastian Vettel mit seinen früheren Red-Bull-Bossen Christian Horner und Helmut Marko einen mundschutzlosen Plausch in der Mittagssonne hielt. Um die Welt gingen auch die Aufnahmen von McLaren-Pilot Lando Norris, der vor der Fiebermessung am Streckeneingang seine Stirn mit einer Wasserflasche kühlte.
Der COVID-19-Beauftragte des Automobil-Weltverbandes FIA beließ es bei Verwarnungen. Zu nachlässig sollte man aber nicht werden. Ein positiver Coronafall, und die Debatte um den Sinn eines Unterhaltungsevents inmitten der Coronakrise dürfte neu entbrennen.
(SID)
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